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Baustelle Ebersberg:Dreifach gut

Die Neugestaltung für das Hölzerbräu-Gelände in der Innenstadt wird konkreter. Bei einem Wettbewerb werden drei Entwürfe ausgezeichnet, alle sehen etwa 60 Wohnungen vor

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Das Zentrum der Kreisstadt könnte in einigen Jahren mehr als 200 neue Einwohner haben. Zumindest, wenn die Ergebnisse eines städtebaulichen Wettbewerbs umgesetzt werden, die am Montagabend wenige Meter vom geplanten neuen Wohngebiet auf dem Hölzerbräu-Gelände entfernt vorgestellt wurden. Drei Entwürfe kamen dabei in die engere Wahl, alle könnte man sich nach Meinung der Jury vorstellen umzusetzen. Die drei Gewinner haben nun die Aufgabe bekommen, einige Anregungen des Preisgerichtes in ihre Entwürfe einzuarbeiten.

Was nach einem erheblichen Aufwand für ein einziges Wohngebiet klingt, erklärt sich aus der besonderen Lage, Geschichte und Besitzaufteilung des Areals. Dieses liegt nicht nur direkt am Marienplatz und am Rathaus, es schließt auch an die Eberhardstraße an, eine der wichtigsten Verkehrsadern Ebersbergs. Zudem gehört der gesamte östliche Teil zum Ensemble Marienplatz, hier darf also nichts verändert werden. Ebenfalls eine Herausforderung sind die Besitzverhältnisse. Ende 2018 hatte die Firma Euroboden das eigentliche Hölzerbräu-Gelände, auf dem sich auch das gleichnamige Hotel befindet, gekauft. Nördlich davon besitzt die Stadt Ebersberg ein rund 2500 Quadratmeter großes Grundstück, wo derzeit das Feuerwehrhaus steht. Dieses soll mittelfristig ersetzt werden, es gilt als nicht mehr zeitgemäß und zu klein. Auch der Standort ist wegen der hohen Verkehrsbelastung an der Eberhardstraße nicht optimal, darum wird die Feuerwehr wohl in einigen Jahren umziehen. So entstand der Plan, Investor und Stadt sollten auf beiden Grundstücken gemeinsam ein Wohngebiet entwickeln. Besondere Herausforderung dabei: Die neuen Häuser sollen zur sensiblen Innenstadtlage passen, und das Gebiet soll sich in mehreren Abschnitten entwickeln lassen, da noch nicht feststeht, wann die Feuerwehr ihr neues Haus beziehen kann.

Den ersten gab es für Beer, Bembé, Delinger Architekten aus München. Die Modelle sind genordet, unten im Bild ist jeweils die Kurve der Eberhardstraße, rechts ist der denkmalgeschützte Bestand zum Marienplatz.

(Foto: Christian Endt)

Oder, wie es Architekt Till Fischer, der den Wettbewerb betreute, ausdrückte: Es gelte für ein "absolutes Filetstück in Spuckweite zum Marienplatz" einen Entwurf zu finden, mit dem Investor und Stadt gleichermaßen planen können und der sich auch noch gut ins Stadtbild einfügt. Trotz dieser nicht ganz einfachen Aufgabenstellung hätten alle zehn eingereichten Arbeiten diese grundsätzlich erfüllt, so Fachpreisrichterin Karin Schmid. Kein Entwurf sei im ersten Rundgang - der diesmal allerdings an den Bildschirmen der Juroren stattfand - aus dem Wettbewerb ausgeschieden, so die Stadtplanerin.

Im zweiten Durchgang kamen dann vier Entwürfe in die engere Wahl, drei davon wurden mit einem ersten und zwei zweiten Preisen ausgezeichnet. Am besten hat den Juroren der Entwurf des Büros Beer, Bembé und Dellinger aus München gefallen. Entlang der Eberhardstraße soll das Gebäude, in dem jetzt die Bäckerei ist, durch ein Gebäude ersetzt werden, das optisch den Nachbarhäusern entspricht. Auch weiter nördlich, wo derzeit die Einfahrt zum Hölzerbräu-Parkplatz liegt, ist ein Gebäude geplant, das aussehe, "als wäre es schon immer dagewesen", so Schmid. Im hinteren Bereich sollen sechs dreigeschossige Mehrfamilienhäuser mit Satteldach entstehen, jeweils um 90 Grad zueinander versetzt angeordnet. Die Häuser entlang der Eberhardstraße sollen ähnliche Fassaden erhalten wie die Nachbargebäude, die im Innenhof in Holzbauweise umgesetzt werden. Verbessern lässt sich nach Ansicht der Jury allerdings noch die Ausnutzung des Grundstückes, die Planer sollen prüfen, ob noch ein weiteres Geschoss möglich ist.

Den zweiten Preis vergab die Jury zweimal: An den Entwurf des Büro Schindhelm.

(Foto: Christian Endt)

Flächensparen ist dagegen kein Problem für einen der Zweitplatzierten, den Entwurf vom Münchner Büro Meili Peter. Dieses sieht an der Eberhardstraße zwei gegenüber den Nachbarhäusern etwas erhöhte Gebäude vor, im Innenbereich sind fünf verschieden große Mehrfamilienhäuser mit unterschiedlichen Dachformen, Trauf- und Giebelhöhen geplant. Allerdings macht die hohe Dichte Brandschutzmauern erforderlich, auch die sehr knappen Feuerwehrzufahrten sehen die Juroren kritisch, genau wie die zu geringe Bezugnahme auf den Bestand.

Dies hat nach Ansicht des Preisgerichts der Entwurf von Schindhelm Architekten aus München zumindest teilweise gut gelöst. Im Süden ist ein Haus mit drei Giebeln geplant, dieses "verzahnt sich mit dem Bestand des Hölzerbräu". Im Bereich der Eberhardstraße sei der Anschluss an den Bestand indes "unsensibel", hier ist ein Gebäude mit einem um 90 Grad zu den Nachbarn versetzten Giebel vorgesehen. Überhaupt nicht gefallen hat den Juroren hier die Gestaltung des Innenbereiches mit seinen vier dort geplanten Häusern. Hier wird eine bessere Gestaltung der Freiflächen angemahnt. Insgesamt aber sei der Entwurf gut realisierbar, finden die Juroren.

Ebenfalls der zweite Platz: der Entwurf des Büros Meili Peter.

(Foto: Christian Endt)

Wann feststeht, welcher der drei umgesetzt wird, ist noch nicht klar, so Christian Stöhr vom Ebersberger Bauamt. Dass es einer der drei wird, dagegen schon. Die Mitglieder des Technischen Ausschusses votierten einstimmig für eine nächste Runde. Auch der Umfang des Projekts ist schon absehbar. Laut Fischer werden etwa 9000 Quadratmeter Geschossfläche entstehen, je nach Zuschnitt und Größe der Grundrisse sind das zwischen 50 und 60 Wohnungen - ein Teil davon soll gefördert, also günstiger werden.

Alle zehn Entwürfe des städtebaulichen Wettbewerbs können im Laden in der Altstadtpassage 4 noch bis Freitag, 31. Juli, besichtigt werden. Geöffnet ist montags bis mittwochs von 8 bis 16 Uhr, donnerstags von 8 bis 18 Uhr und an den Freitagen von 8 bis 12 Uhr. Wegen des Infektionsschutzes kann die Ausstellung immer nur von 20 Personen gleichzeitig besichtigt werden.

© SZ vom 15.07.2020

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