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Baupläne in Vaterstetten:Wenig Aufwand, viel Nutzen

Vaterstetten, Modell der neuen Turnhalle an der Wendelsteinschule, Wendelsteinstraße, Schule, Halle, Hort; Architekten Bernhard Peck und Armin Daam (v.l.)

Die Architekten Bernhard Peck und Armin Daam (von links) mit einem Modell der Wendelsteinstraße mit der neuen Schulturnhalle neben dem Winkelbau.

(Foto: oh)

Im Gemeinderat wird die Planung für die Turnhalle der Wendelsteinschule samt neuen Horträumen vorgestellt. Das Gebäude kostet knapp sieben Millionen Euro und soll auch als Veranstaltungssaal dienen, bei der Ausführung setzt man auf "Low Tech"

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Hoch hinaus war gestern, in der Großgemeinde plant man derzeit eher tief. Zumindest bei der neuen Turnhalle samt Hort an der Wendelsteinschule. Diese wird tiefergelegt und das gleich zweifach. Ganz wörtlich, indem die Halle im Gegensatz zum Vorgängerbau ein Stück im Boden verschwindet und im übertragenen Sinne, indem man auf aufwendige Haustechnik möglichst verzichten will.

Warum, das erläuterte Architekt Bernhard Peck vom Büro Peck und Daam im Gemeinderat. "Schulgebäude sind oft übertechnisiert, das kostet viel Geld beim Unterhalt." Der Neubau "funktioniert grundsätzlich ohne Einsatz von Technik", indem man über die Fenster lüftet. Sowohl in der Halle als auch im Hort darüber sollen diese entsprechend gestaltet und angeordnet werden. Eine Studie dazu hatte Daniel Kiehlmann von Büro Transsolar Klima Engeneering mitgebracht. Demnach könne man die Raumtemperatur auch im Sommer durch nächtliches Lüften soweit senken, dass eine normale Nutzung untertags möglich sei. Maximal müsste ein Deckenventilator eingebaut werden.

Sepp Mittermeier (SPD) stellte die Frage, ob dies auch bei hohen Nachttemperaturen im Sommer funktioniere. Er regte den Einbau von Erdsonden an, diese könnten im Winter zur Heizung und im Sommer zur Kühlung genutzt werden. Dies werde man prüfen, so Kiehlmann, "natürlich hat die Nachtkühlung ein Limit". Was aber nicht unbedingt Auswirkungen auf die Nutzung haben müsse, sagte Ralf Schloemilch vom Bauamt. "Das ist kein Bürogebäude, wo man den ganzen Tag drinsitzt." Die Hortkinder seien bei schönem Wetter auch oft draußen.

Dass sie dazu möglichst viel Platz haben, ist ein Grund für die Versenkung der Halle. Wie Peck erklärte, habe man zwar durch die Halle eine gewisse Mindestgröße - hier sind es 27 auf 15 Meter - ansonsten wolle man aber "die Funktionen stapeln", so dass möglichst wenig Fläche verbraucht wird. Darum wird der Neubau auch an den Rand des Schulgeländes gesetzt, die Halle bildet den Abschluss der Gebäudereihe zwischen Winkelbau und Pfarrheim. Was dem Platz durchaus zugute komme, findet Peck, die Lücke habe etwas Unvollendetes.

Wie groß der Neubau werden soll, dazu gab es zwei Varianten. In der großen Ausführung gibt es über der Turnhalle vier Hortgruppen und einen Werkraum, die Halle selbst ist auch für Veranstaltungen nutzbar - wenn auch aus Rücksicht auf die Nachbarn nur bis 22 Uhr. Bis zu 376 Sitzplätze sind möglich. Variante zwei verzichtet auf den Werkraum - der ebenfalls auch anderweitig nutzbar sein soll, etwa durch Vereine - auf eine Hortgruppe und die Halle ist ausschließlich für den Schulsport nutzbar. Für die Vollversion rechnet man bei der Verwaltung mit Kosten von 6,8 Millionen Euro plus 350 000 für die Verlegung der Außensportanlagen. Die abgespeckte Version wäre um 930 000 Euro günstiger.

Also eine "relativ überschaubare Einsparung" meinte Architekt Peck, denn "die Infrastruktur" wie Küche, Toiletten und Aufzug müsse man trotzdem bauen. Welchen Bedarf habe denn der Hort, wollte Stefan Ruoff (Grüne) wissen. "Wir würden uns schon was Gutes tun", wenn der Hort künftig einen Raum mehr hätte, sagte Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU). Geplant ist, dass der Hort in den Neubau umzieht, die alten Räume übernimmt die Mittagsbetreuung. Bauamtsleiterin Brigitte Littke erinnerte daran, wie viel Geld in den vergangenen Jahren "versenkt" worden sei, um stückchenweise die Mittagsbetreuung auszubauen.

Förderfähig seien beide Versionen, laut Kämmerer Markus Porombka könnte man mit 40 Prozent der Kosten rechnen. Zeitdruck gebe es keinen, so Porombka auf Nachfrage von Klaus Willenberg (FDP), das ursprünglich geplante Fördermodell, wonach man bis Ende 2023 mit dem Bau fertig sein müsse, werde nicht mehr verfolgt. Willenberg regte auch ein Gesamtkonzept für die Wendelsteinschule an. Mit dem Bau der neuen Halle habe man sich ja für den Erhalt des Standortes ausgesprochen, aber nicht entschieden, ob der Rest der Schule neu gebaut oder saniert werden soll. "Das haben wir auf der Uhr", so der Bürgermeister, allerdings sei es für eine Entscheidung noch zu früh: "Die Gebäude sind in einem sehr stabilen Zustand" und einige Sanierungsmaßnahmen auch bereits erfolgt, etwa die Fenster.

Mittermeier schlug vor, neben der PV-Anlage auf dem Dach eine Solarthermieanlage für die Duschen einzubauen, eventuell an der Fassade. Nach etwas Diskussion mit dem Bauamt einigte man sich darauf dies zu prüfen, wenn es der Gestaltung nicht im Wege steht. Ohne Gegenstimmen wurde schließlich der Bau der größeren Version beschlossen, übernächsten Frühling soll er beginnen, für 2024 ist die Fertigstellung geplant.

© SZ vom 26.09.2020

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