Barrierefreiheit:Treppe statt Rampe

Pläne für Umbau des Poinger Bahnhofs bleiben unverändert

Wie ein neues Auto mit nur einem Seitenspiegel. So bezeichnete Marc Salih (FDP) die Pläne der Deutschen Bahn, die aktuelle Nord-Ost-Rampe zum nördlichen Bahnsteig durch eine Treppe zu ersetzen. Der nördliche Bahnsteig zu den Zügen in Richtung München wäre dann zwar trotzdem barrierefrei zu erreichen, aber nur, wenn man einen Umweg von 200 bis 300 Metern in Kauf nimmt. Nach einem erneuten Gespräch zwischen Rathausverwaltung und Bahn, das auf Grundlage eines Eilantrags der FDP-Fraktion vom Mai stattgefunden hat, steht nun fest: Die Pläne bleiben, wie sie sind - die Rampe kommt weg, eine Treppe kommt hin.

Die Begründung der Bahn fiel genauso aus wie auch schon 2015, als der Gemeinderat die aktuell umgesetzte Planung beschloss. Bei den geltenden Vorschriften in Bezug auf maximale Steigung und Zwischenpodesten für eine Rampe müsste eine neue Rampe mehr als 50 Meter lang sein. Außerdem müsste die Finanzierung von der Gemeinde getragen werden, da die Barrierefreiheit bereits durch die nordwestliche Rampe hergestellt wird - die Rampe im Nordosten wäre also eine zusätzliche und damit nicht abgedeckt durch den Förderbescheid des Freistaats.

Entscheidet sich die Gemeinde für die Rampe, würde das laut Rathausverwaltung bedeuten: Planen, Genehmigen und Bauen - das alles dauert mindestens ein Jahr und so lange würde sich die Inbetriebnahme des barrierefreien Bahnhofs verzögern. Momentan wird damit gerechnet, dass bis Ende 2021 alle Umbauten abgeschlossen sein werden. Die Kosten für das Vorhaben würden sich auf etwa 200 000 Euro belaufen. Verlängert man die Rampe nicht, sondern baut sie einfach steiler, würde die Bahn keine Verkehrssicherungspflicht übernehmen, da sie mit einer Steigung von dann etwa 20 Prozent weit die maximal sechs Prozent übersteigen, bei denen alle Unfallverhütungsvorschriften und technischen Baubestimmungen erfüllt sind.

Marc Salih sprach sich für einen Auftrag an die Verwaltung aus, die genauen Kosten zu prüfen, im Anschluss nochmals mit der Bahn zu sprechen und erst dann endgültig eine Entscheidung für oder gegen die Rampe zu treffen. "175 000 Euro haben wir für die Verschönerung der Unterführung ausgegeben", sagte er, "da kann man sich schon die Frage stellen, ob 200 000 Euro für eine Rampe nicht sinnvoll wären." Diesem Tenor schloss sich Yvonne Großmann (Grüne) an. Die übrigen Gemeinderäte sahen das anders. Sie stimmten dafür, den Bau einer weiteren barrierefreien Rampe nicht weiterzuverfolgen.

© SZ vom 26.07.2021 / FEJO
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