Band aus Vaterstetten:"Mehr gelacht als gespielt"

Band Gsindl, Neufarn

Lebt für die Livemusik: Bassist Robert "Bobbel" Zollner von der Band "Gsindl" aus Neufarn.

(Foto: Privat)

"Gsindl" hat ein neues Album aufgenommen und hofft auf wieder mehr Konzerte - mit Stehplätzen

Interview von Thorsten Rienth

Dieses Gsindl ist Kult. Die Band aus Neufarn bei Vaterstetten begeistert seit Jahren mit so respektlosen wie lebensnahen bayerischen Liedern: spaßig, heftig und lebendig. Um es mit den Worten der Musiker zu sagen: "laut, bläd, wuid". Auf die Ohren gibt es knochentrockenen Rock, fette Beats und satte Bläser, Reggae, Funk und Ska. Doch auch Gsindl hat Corona kalt erwischt. In diesem Sommer hat die Band zum ersten Mal seit über eineinhalb Jahren wieder live gespielt. Eine kleine Reflexion über die neue alte Perspektive mit Bassist Robert "Bobbel" Zollner.

SZ: Zum anständigen Rockmusikerleben gehört von Zeit zu Zeit auch ein anständiger Entzug. Ihrer ging gerade zu Ende. Wie geht's Ihnen und der Band inzwischen?

Robert Zollner: Unser Entzug hat eineinhalb Jahre gedauert, der Entzug von Liveauftritten. So lange haben wir nämlich wegen der Pandemie nicht mehr vor Publikum spielen können. Für jemanden, der Livemusik mag, dessen Herz dafür schlägt, ist das eine schlimme Zeit.

Im Sommer gab es Auftritte in Erding und Poing. Wie fühlte sich das an?

Das war ein unbeschreibliches Gefühl! Wenn du in etwas mehr als 20 Jahren weit über 300 Konzerte spielst und dann nach so langer Zeit endlich wieder auf die Bühne darfst: einfach geil! Andererseits war es auch ein bisserl skurril: Vor der Bühne hat niemand gedrängelt oder getanzt. Alle saßen mehr oder weniger anständig auf ihren Plätzen. Zum Glück sind manchmal welche aufgestanden und haben mitgeklatscht! Hinsetzen ist wohl doch eher was fürs Kino.

Ungewohnt, oder?

Absolut! Konzerte unter diesen Bedingungen sind eine absolute Notlösung, um überhaupt mal wieder spielen zu können. Richtig Stimmung kann da nicht aufkommen, egal, wie du dich auf der Bühne zerreißt. Das ist nicht als Beschwerde über die allgemeine Situation gemeint. Für uns ist die Musik ein Hobby. Sie läuft sozusagen berufsbegleitend mit uns mit. Aber die ganzen Studiomusiker, Tontechniker oder Kollegen hinter den Kulissen, die von ihrem Talent und von dem, was sie gelernt haben, Familien ernähren: Das sind die Leute, die sich beschweren dürfen! Denen ist im Frühjahr 2020 alles weggebrochen, von Hundert auf null. Das ist eine ganz, ganz bittere Sache.

Sie haben die Pandemie genutzt, um ein neues Album einzuspielen. "Gsindlsuperdinger" heißt es.

Ja, wir sind ins Studio gegangen. Auch das war wie aus einer anderen Welt. Die Abstandsregeln galten ja dort genauso wie die Regelungen zu den verschiedenen Haushalten. Natürlich spielt man auch außerhalb von Pandemiebedingungen vieles einzeln ein. Aber so ein Studioalbum lebt ja auch vom gesellschaftlichen Drumherum im Studio. Das hat uns schon gefehlt. Trotzdem finde ich: Die "Gsindlsuperdinger" sind ziemlich gut geworden.

Wie war es, das erste Mal wieder gemeinsam im Proberaum zu stehen?

Vor allem war es lustig. Beim ersten Mal haben wir wahrscheinlich mehr gelacht als gespielt. Zusammenspielen ist nämlich gar nicht so einfach, wenn man es nicht mehr gewohnt ist. Bei der zweiten Probe ging's dann deutlich besser. Mittlerweile würde ich sagen: Alles wieder wie früher!

Stehen jetzt wieder mehr Konzerte an?

Im Herbst ist jetzt nichts mehr geplant. Schlicht, weil die Veranstalter sehr vorsichtig sind. Die haben in der Pandemie genug Geld verloren. Im Sommer Konzerte für den November oder Dezember zu planen und am Ende vielleicht doch wieder absagen zu müssen, das kann sich einfach niemand mehr leisten. Dafür habe ich großes Verständnis. Die gute Nachricht aber ist: Fürs nächste Jahr wird fleißig geplant. Und hoffentlich werden dann auch wieder Stehplätze zugelassen!

© SZ vom 21.09.2021
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