Bahnhof Zorneding Am Pranger

Die Zornedinger können jetzt in einem Online-Tagebuch ihrem Frust über die Zustände am S-Bahnhof Luft machen.

Von Carolin Fries

Peter Pernsteiner will es nicht schön reden. "Es ist eine Unverschämtheit", sagt der FDP-Gemeinderat aus Zorneding. Er meint den Bahnhof - zumindest das, was davon übrig ist. Denn der Zornedinger Bahnhof, wo täglich mehr als 5000 Menschen abfahren, hat schon seit Jahren keinen Kiosk mehr, eine Wartehalle sowieso nicht und erst recht keinen Platz, der zum Verweilen einlädt.

Ein provisorischer Bretterverschlag überdacht den Zugang zu den Bahngleisen. Für Peter Pernsteiner ist er "ein Schandfleck".

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Stattdessen gibt es einen provisorischen Bretterverschlag, der den Zugang zu den Bahngleisen überdacht, die Beleuchtung ist ebenfalls provisorisch mit Kabelbindern befestigt. Das Steingärtchen, das die Gemeinde einmal mit gutem Willen am Parkplatz angelegt hat, fällt bei so viel Gerümpel nicht mehr ins Auge. "Es ist ein Schandfleck", sagt Pernsteiner. Als im August auch noch die Zuganzeige, die über Ankunftszeiten oder Verspätungen von S-Bahnen informiert, ausfiel, beschloss er, einmal nachzuschauen, ob es die Internetseite www.tagebuch-eines-schandflecks.de noch gibt. Es gab sie - und Pernsteiner reservierte sie. Am Wochenende ist die Seite online gegangen.

Man wolle diesen "wunderschönen Bahnhof" dokumentarisch begleiten, heißt es ironisch auf der Seite. Denn der Bahnhof sei ein "Musterbeispiel für die Innovationskraft der Bahn". Auf den folgenden Seiten schreiben dann Rob Harrison, Christoph Reisbeck (beide Beisitzer im FPD-Kreisvorstand) und Peter Pernsteiner über umgefallene Fahrkartenentwerter, die Vorgeschichte des Bretterverschlags oder aber "Frustration am Bahnhof", wie ein Eintrag vom 10. Oktober überschrieben ist.

Doch nicht nur die Missstände werden dokumentiert, auch positive Entwicklungen wie die Reparatur der Display-Anzeige oder des schiefen Fahrscheinentwerters finden Beachtung. Dabei verzichtet die Seite auf ein Logo der FDP. "Wenn wir das als FDP-Aktion machen, bringt es nichts", sagt Pernsteiner. Er will, dass sich alle Zornedinger aufgerufen fühlen, die Seite mit Inhalten zu füllen und ihre Erfahrungen und Beobachtungen zu schildern. Auch eine Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen aus dem Gemeinderat kann sich Pernsteiner vorstellen: "Ich bin gerne bereit, das parteiübergreifend zu verknüpfen."

Demnächst soll es das Tagebuch auch auf Facebook geben, womöglich auch ein Video auf Youtube. "Vielleicht tut sich ja was", sagt Pernsteiner. Er weiß, wie schwierig sich die Verhandlungen mit der Bahn in der Vergangenheit gestaltet haben: "Die Gemeinde ist machtlos." Vielleicht sind es die Bürger nicht. Das zumindest wünscht sich Pernsteiner. "Wir hoffen, dass wir dieses Tagebuch irgendwann beenden können - wenn hoffentlich die Bahn die Probleme dauerhaft beseitigt", heißt es auf der Seite.