Awo-Ortsverbände im Landkreis Ebersberg:Zwei weniger

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Awo-Ortsverbände im Landkreis Ebersberg: 2016 hat der Poinger Awo-Ortsverein sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Sechs Jahre später ist Schluss.

2016 hat der Poinger Awo-Ortsverein sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Sechs Jahre später ist Schluss.

(Foto: Christian Endt)

Zum Jahresende lösen sich die Awo-Ortsvereine in Zorneding und Poing auf. Neben sinkender Mitgliederzahlen hat dies auch rechtliche Gründe.

Von Johanna Feckl, Poing/Zorneding

Leicht hat sich die Entscheidung niemand gemacht - und doch sind sich alle Beteiligten einig: Die Ortsvereine der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Poing und Zorneding werden sich zum Jahresende auflösen. Damit wird es statt der bislang sechs Ortsvereine bald nur noch vier geben: in Anzing, Kirchseeon, Markt Schwaben und Pliening. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung der Poinger Gruppe Ende Juli habe es eine mehr als einstündige Diskussion zu diesem Thema gegeben, sagt der erste Vorsitzendes des Ortsvereins Peter Maier auf Nachfrage. Am Ende herrschte großes Bedauern unter den Mitgliedern. "Das hat uns alle sehr berührt, uns gibt es schließlich seit 56 Jahren", so Meier weiter. "Aber es ist der richtige Entschluss." Strukturelle und rechtliche Gründe hätten keine sinnvolle Alternative zugelassen.

Als Wohlfahrtsverband ist die Awo in Ortsvereine, Kreis-, Bezirks- und Landesverbänden sowie einem Bundesverband organisiert. Ein Mitgliedsbeitrag in einer dieser Organisationen kostet 30 Euro pro Jahr. In Ebersberg ist der Kreisverband Träger mehrerer Kitas, bietet einen ambulanten Pflegedienst sowie ambulante Dienste für Menschen mit Behinderungen an. Die Awo-Seniorenheime in Markt Schwaben und Kirchseeon liegen in der Hand des Bezirksverbands. Die Ortsvereine sind für ortsbezogene Projekte zuständig - in Poing war dies zum Beispiel über viele Jahre hinweg die Veranstaltung von Seniorentreffen oder Spendenaktionen für die Awo-Kitas, in Markt Schwaben ist der Ortsverein Träger der wöchentlich stattfindenden Lebensmittelausgabe "Tischlein Deck Dich".

Der Fortbestand einiger Ortsverbände steht immer wieder auf der Kippe

Die Struktur der Awo verändert sich seit Jahren. So war in Poing bis vor 30 Jahren der Ortsverein Träger der ortsansässigen Awo-Kitas. Das ist jedoch nicht mehr stemmbar geworden, sodass mittlerweile der Kreisverband die Trägerschaft innehat. Immer wieder steht der Fortbestand von Ortsvereinen auf der Kippe, weil Nachwuchs fehlt. In Pliening beispielsweise wollte niemand die Aufgaben des abdankenden Vorstands übernehmen. Hätten sich bei der Jahresversammlung im vergangenen Mai nicht doch noch Interessierte gefunden, hätte man diesen Ortsverein ebenso aufgelöst.

Awo-Ortsverbände im Landkreis Ebersberg: Seit 2011 ist Peter Maier der erste Vorsitzende des Poinger Ortsvereins.

Seit 2011 ist Peter Maier der erste Vorsitzende des Poinger Ortsvereins.

(Foto: Privat)

Auch in Zorneding und Poing sind die Mitgliederzahlen ein Problem. Zorneding sei zwar seit jeher ein kleiner Ortsverein gewesen, "mehr als 30 Mitglieder gabs dort nie", wie die Geschäftsführerin des Kreisverbands Ulrike Bittner sagt. Mittlerweile sei er jedoch für ein sinnvolles Fortbestehen zu sehr geschrumpft.

Der Poinger Ortsverein zählte bis zuletzt immerhin 116 Mitglieder, wie Peter Maier sagt. Allerdings: Vor Corona seien es 156 gewesen. Der Mitgliederschwund liegt laut Maier zum einen an zu wenig Nachwuchs, zum anderen daran, dass Awo-Mitglieder anders als bei anderen Vereinen keinen bevorzugten Anspruch auf Hilfe genießen. In den Pandemiejahren seien jedoch einige langjährige Mitglieder mit dieser Erwartungshaltung an den Ortsverein herangetreten. Aus Enttäuschung heraus sei es dann leider zu Austritten gekommen.

Awo-Ortsverbände im Landkreis Ebersberg: Ulrike Bittner ist Geschäftsführerin des Ebersberger Awo-Kreisverbands sowie Vorsitzende des Ortsvereins in Markt Schwaben.

Ulrike Bittner ist Geschäftsführerin des Ebersberger Awo-Kreisverbands sowie Vorsitzende des Ortsvereins in Markt Schwaben.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Daneben gibt es zumindest in Poing noch weitere Gründe für die Auflösung: So gibt es mittlerweile zwei hauptamtliche Gemeindemitarbeiter in der Seniorenarbeit. Seit kurzem organisiert diese Stelle wöchentlich einen Seniorennachmittag, den bis März 2020 der Awo-Ortsverein veranstaltet hat, und steht für rechtliche Beratungen zur Seite. Das Bedürfnis nach letzterem wachse stetig, so Maier. "So etwas können wir aber als Verein gar nicht leisten." Dass nun in der Gemeinde fachkundige Ansprechpartner dafür bereitstehen, sieht er als positive Entwicklung. Außerdem seien die rechtlichen Vorgaben hinsichtlich Hygienemaßnahmen für Veranstaltungen durch Corona erheblich gestiegen und somit auch die Verantwortung für die Ehrenamtlichen.

Doch was bedeutet die Auflösung der zwei Ortsvereine und die schwindenden Mitgliederzahlen für die Menschen, die bislang auf das Engagement der Awo gezählt haben? Kreisverbandsvorsitzende Bittner sagt: Kaum etwas, es werde keine Hilfe wegbrechen. Diejenigen aus Poing und Zorneding, die sich weiterhin für die Awo engagieren möchten, können dies künftig als Mitglieder im Kreisverband tun. Nach wie vor gäbe es viele Ehrenamtlichen im sozialen Bereich - nur möchten es immer weniger unter dem Dach eines Vereins tun. So seien die wenigsten aus dem Team von "Tischlein Deck Dich" auch tatsächlich Awo-Mitglieder.

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