Ausstellung:Zeichen der Zuwendung

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Ausstellung: "Miteinacher schweben": Alustäbe aus Styropor von Peter Gierse

"Miteinacher schweben": Alustäbe aus Styropor von Peter Gierse

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Kunstverein Ebersberg eröffnet nächsten Samstag in der Alten Brennerei seine Mitgliederausstellung zum Thema "einander". Besucher können per Stimmzettel die Publikumspreise auswählen

Von Rita Baedeker, Ebersberg

Ohne einander geht es nicht im Leben. Man reicht einander die Hand, man liebt und hilft einander, ist aufeinander angewiesen. Da es mit Hilfe diverser Vorsilben auch mal über-, durch- und aus- einander geht, ist dem Deutungsspielraum keinerlei Grenze gesetzt.

". . . Einander" lautet das Motto der Mitgliederausstellung des Kunstvereins, die kommenden Samstag, 22. August, in der Alten Brennerei in Ebersberg eröffnet wird. 74 Arbeiten wurden eingereicht, die Publikumspreise werden wie gehabt per Stimmzettel gewählt. Die Projektleitung haben Wout Wolters und Walter Voss. Da jedes Mitglied das Thema frei interpretieren durfte - die einen konnten mit der Idee mehr anfangen, andere weniger - war die Hängung für das Team aus Jutta Elschläger, Martina Brenner, Volker Beierl, Wout Wolters und Walter Voss keine einfache Aufgabe, die aber stimmig bewältigt wurde. Zu sehen sind Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Porzellan, Ton, Glas, Druck, Kalligrafie, Holzschnitt, Aquarell, Zeichnung, Tinte, Tusche, Kreide, Buntstifte.

Bei einem Teil der Arbeiten geht es mehr darum, sich dem vielschichtigen Thema durch Farb- und Formkontraste und klare Symbolik zu nähern. Eine andere Gruppe bezieht sich auf Konkretes und Aktuelles - so etwa die feiste Götzenstatue "Europa" aus Ton und Acryl von Nicole Engelbart. An die rechte Hand der Figur klammern sich dürre Menschlein, während Europa mit der Linken einige dieser Wesen (Flüchtlinge) kalt lächelnd zerquetscht. In diese Themengruppe passt auch die Arbeit von Thomas Hümmler, bestehend aus Fotografien von Augenpaaren junger Männer aus aller Welt. Etwas seltsam daran ist nur, dass diese schon einmal bei einer Mitgliederausstellung gezeigt wurden. "Wir haben das diskutiert", sagt Walter Voss, "aber es gibt keine Regel, die es verbietet, eine Arbeit zweimal einzureichen."

Ein elementares Zeichen menschlicher Zuwendung ist der Gruß. Silvia di Natale hat dem Motto mit der 1,86 Meter hohen hölzernen Statue einer Frau, die in typischer Manier ihre Hand erhebt, Gestalt gegeben. "Olma geht aus (einander)" lautet der Titel der Arbeit, die im Foyer steht und die ankommenden Besucher willkommen heißt oder verabschiedet, je nach Sichtweise. Ihr Spiel mit Worten hat darüber hinaus eine ironische Komponente.

Verbindendes und Trennendes entdeckt der Betrachter in dem Acrylgemälde "Mit - einander - leben!" von Christine Bross. Aus blauem Nebel tauchen vereinzelt und nur skizzenhaft angedeutet Gesichter auf, paarweise, im Profil, allein. Während man sie noch betrachtet, scheinen sie sich schon wieder aufzulösen, so wie Chimären, die uns ein Miteinander vorgaukeln, das letztlich eine Illusion bleibt.

Den Gedanken des Miteinanders drücken auf jeweils faszinierende Weise auch drei weitere Werke aus: Dorit Winzenz mit ihrer Acryl-Komposition aus Grau und Schwarz, Fläche und Linie, Nia Leitl mit ihrer Tusche-Kalligrafie "Kan" (Gefühl), Viola Poschenrieder-Schink mit ihrer neunteiligen Tintenzeichnung auf Papier, bei der auf jeder Szene zwei achsensymmetrisch dargestellte Männer einen Pas de deux tanzen, sowie Helga Goldhorn mit ihrer Installation "Big Cool". Dem aus Holz und Metall gebauten Baum wurden Guinness-Bierdosen aufgesteckt, der Kopf ist mit Dosenaufklebern bestückt. Wer sich an dieser Stelle fragt, was diese Arbeit mit dem Thema zu tun hat, sollte sich vergegenwärtigen, wie innig der Genuss des schwarzen und öligen Getränks vor allem zu vorgerückter Stunde und in einem irischen Pub Menschen miteinander verbinden kann.

Ausstellung: Auch eine grüßende Holzplastik kann als Zeichen der Zuwendung gesehen werden.

Auch eine grüßende Holzplastik kann als Zeichen der Zuwendung gesehen werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Zur Themenvielfalt gehört natürlich auch die Liebe. Hierzu hat unter anderem Jutta Elschleger eine schöne Arbeit geschaffen: "Bis dass der Tod euch scheidet". Jede der drei Bildtafeln ist eine Collage aus Malerei, Schnipseln von Bekanntschaftsanzeigen und Schreibschrift. "Lovestory gesucht", heißt es hoffnungsvoll auf dem ersten Bild, das eine junge Frau zeigt. Auf dem zweiten Porträt ist der Kopf eines Mannes mit Zigarette zu sehen, dazu die Empfehlung "kiss no frog". Auf dem dritten Bild geht es dann offenbar um das, was von der Liebe übrig bleibt - ums "Schlemmen daheim", illustriert von einem giftigen Fliegenpilz. Um den Betrachter mit dieser eher sarkastischen Lovestory zu versöhnen, hängt im selben Raum das unscheinbare, aber sehr berührende Acrylbild eines betagten, aneinander geschmiegten Paares. "Mit - einander - alt werden" heißt die Arbeit von Angela della Leonforte.

Doch bevor man einander in die Arme sinkt, heißt es "flirten und tanzen" auf Teufel komm raus, vor allem im Sommer. Das hat sich offenbar Hanne Kiefer gedacht und das Dasein durch die rosarote Brille betrachtet. Man sieht Füße in Flipflops, Pumps, achtlos auf den Boden geworfen, eine Hand, die lässig auf dem Knie liegt. Ein Windhauch, ein zarter Duft scheint die auf Schönes wartende Gestalt zu streicheln. Das mit wenigen Strichen hingeworfene Motiv drückt Lust aus und Leichtigkeit.

Ausstellung: Sogar "Big Cool" aus Bierdosen steht fürs Miteinander - wenigstens im Pub.

Sogar "Big Cool" aus Bierdosen steht fürs Miteinander - wenigstens im Pub.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ebenfalls leicht - und sehr innig - mutet Peter Gierses aus Styropor und Alu gefertigtes Mobile "Miteinander schweben" an. Inmitten des aus Stäben gebogenen Vogelwesens gleitet warm und geborgen ein werdendes Vogelkind dahin, der Ursprung des Für- und Miteinanders.

Die Mitgliederausstellung unter dem Titel ". . . einander" des Kunstvereins Ebersberg wird am Samstag, 22. August, um 18 Uhr in der Alten Brennerei Ebersberg eröffnet und geht zu Ende am Sonntag, 13. September, 15 Uhr, mit der Finissage und der Verleihung der Publikumspreise, die wiederum von der Sparda-Bank und der Firma Boesner gestiftet werden. Die Band "Jeremiah & Friends" begleitet die Finissage musikalisch. Die Ausstellung ist geöffnet Freitag 18 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

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