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Ausstellung in Ebersberg:Dame auf dem Feld

Schach und Religion EBE Rathaus

Im Schach fällt der Dame oft eine entscheidende Rolle zu.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Rahmen der Schachausstellung in Ebersberg geht es um Teresa von Avila und ihr Verhältnis zum Spiel der Könige

Wer in die Geschichtsbücher blickt, wundert sich mitunter, wie eine heilkundige Frau wie Hildegard von Bingen in einer Zeit überleben und ihre Kunst vermitteln konnte, in der zahllose andere mit dem gleichen Talent als Hexen gebrandmarkt wurden. Ein Blick in ihre Biografie zeigt, dass es nicht nur die adlige Herkunft war, die sie schützte, sondern eine Haltung, die Gott und der Welt zugleich imponierte. Gleiches lässt sich für Teresa von Avila (1515-1582) sagen, jene große Ordensgründerin und Mystikerin aus Spanien, die ebenfalls aus der männerdominierten Galerie der Persönlichkeiten ihrer Zeit herausragt. Im Grunde genommen fällt ihr diese Rolle bis heute zu, denn als Patronin der Schachspieler hält sie ihre schützende und leitende Hand über eine Sport- und Spielart, die in der Öffentlichkeit überwiegend männlich ankommt. Auch unter den Kirchenlehrern, unter die sie vom Vatikan erst 1970 aufgenommen wurde, war sie lange solitär, bis weitere drei Frauen diesen Rang erhielten.

Die aktuelle Ausstellung "Schach und Religion" im Ebersberger Rathaus geht auf die historische wie aktuelle Rolle der Heiligen gleichermaßen ein. Sie ist als Person geschichtlich real und dokumentiert, genauso wie ihre Beziehung zum Schach - anders als die vermeintliche, in Fachkreisen gern angerufene antike Schachgöttin Caissa, die tatsächlich der Fantasie eines englischen Dichters aus dem 18. Jahrhundert entsprang, wie Ausstellungs-Initiator Georg Schweiger in einem spannenden Beitrag zum Katalog berichtet. Anders als zur Rolle der - ebenfalls singulären Weiblichkeit - Dame oder Königin auf dem Brett haben sich die Schachfreunde zu ihrer christlichen Patronin indes doch wenig Gedanken gemacht, merkt der Vorsitzende der Schach- und Kulturstiftung G.H.S. an. Gleiches gelte für Teresa-Experten, die der Spielbegeisterung ihres Studienobjekts wenig Aufmerksamkeit schenkten.

"Bei der - nicht einfachen - Beschäftigung mit ihr wird man auf viele Überraschungen stoßen." "Gerade in Zeiten, in denen die Skepsis gegenüber der Institution Kirche immer mehr wächst, bietet Teresa eigenständige, ungewohnte Perspektiven." So entdeckte er beim Verfassen des Artikels "durchaus Parallelen zur aktuellen Protestbewegung Maria 2.0 aktiver, engagierter Katholikinnen, die fast 500 Jahre nach Teresas Wirken immer noch gegen die Dominanz der Männer in der Kirche kämpfen müssen, weil ihnen - wie schon zu Teresas Zeiten - an sich selbstverständliche Rechte als Frauen vorenthalten werden."

Um zu erkennen, welche innige Verbindungen zwischen der Heiligen und dem Schachspiel bestanden, empfiehlt Schweiger die Lektüre ihrer Autobiografie, einem literarisch so ausgefeilten und anspruchsvollen Werk in spanischer Sprache, dass Teresa neben dem Schach-Patronat auch jenes für die spanischen Schriftsteller zuteil wurde. Die darin enthaltenen Metaphern seien sämtlich "sehr originell und von tiefem Bedeutungsgehalt", stellt er fest. Es brauche aber Zugang und Verständnis für ihre Mystik, um ihre Botschaften zu erkennen, zum Beispiel wenn sie eine Analogie zwischen der Liebe zu Gott und einer Partie Schach mit ihm herstellt: "Dieser König ergibt sich nur dem, der sich ihm ganz hingibt."

In der Ausstellung, die noch bis zum 18. August im Ebersberger Rathaus zu sehen ist, spielt nur ein Plakat auf Teresia von Avila an. Es spiegelt den Charakter der klugen, gläubigen, aufmüpfigen und eloquenten Tochter aus gutem Hause wider, die sich mit Gott verbunden fühlte, um den weltlichen und kirchlichen Fürsten ihrer Zeit Schach zu bieten: "Ich bin ein Weib - und obendrein kein gutes." Wer in der Ausstellung sich nicht nur umsieht, sondern genau hinschaut, wird sie in all den Damen wiederfinden, die auf den Spielbrettern dort Haltung zeigen.

Der Autor Alois Prinz liest am Freitag, 16. August, im Ebersberger Rathaus aus der Biografie Teresa von Avilas. Beginn ist um 20 Uhr. Zur Finissage der Ausstellung, am Sonntag, 18. August, führt Kreisheimatpfleger Thomas Warg ab 14 Uhr durch das Kloster. Treffpunkt ist am Rathaus. Im Klosterbauhof hält Helmut Pfleger um 16 Uhr einen Vortrag über den Priester Ruy López, Namensgeber der Spanischen Partie. Anschließend wird Großmeister Pfleger Simultanschach spielen.