Ausbau vor Neubau Gegenwind für Vorstoß aus Pfaffing

Die Idee für eine direkte Bahntrasse zwischen Kirchseeon und Ebersberg stößt auf Kritik. Der Arbeitskreis Bahnlärm schlägt statt dessen Express-S-Bahnen vor

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Bisher fährt der Filzenexpress wie der Meridian und die S-Bahn über Grafing-Bahnhof. Die Grafinger wollen, dass das auch so bleibt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Für manche Zugpendler, die in Ebersberg oder in einer der Stationen weiter östlich aussteigen, klingt die Idee erst einmal attraktiv: Zehn Minuten Zeit dadurch sparen, dass der Filzenexpress nicht die Kurve über Grafing fährt, sondern von Kirchseeon geradewegs nach Ebersberg. Dieser Vorschlag, den der Gemeinderat von Pfaffing im Nachbarlandkreis Rosenheim ins Spiel gebracht hat, stößt nun in Grafing und Kirchseeon auf deutliche Kritik. Der Arbeitskreis Bahnlärm Kirchseeon fordert stattdessen Express-S-Bahnen auf der bestehenden Strecke, die denselben Effekt hätten.

Susanne Höpler, Sprecherin des Arbeitskreises, kann zwar durchaus nachvollziehen, dass sich Pendler eine verkürzte Reisezeit von und nach München wünschen. Die Strategie könne aber nun nicht sein, irgendwelche "Striche durch die Landschaft" zu ziehen, so Höpler - vor allem, wenn es sich um das Gebiet anderer Gemeinden handele, mit denen man überhaupt noch nicht gesprochen habe. Sinnvoller wäre es, Verbesserungen auf der bestehenden Bahnstrecke anzustreben.

Dies wäre nach Einschätzung Höplers, die sich mit ihrem Arbeitskreis vor allem für modernen Lärmschutz entlang der Strecke engagiert, beispielsweise durch Express-S-Bahnen möglich, die mehrere Stationen ohne Halt durchfahren: "Die Attraktivität solcher durchfahrender Züge zeigt sich deutlich an der stetig wachsenden Fläche des P&R-Platzes in Grafing-Bahnhof: die kurze Fahrzeit nach München ist für viele so vorteilhaft, dass sie auch aus Nachbargemeinden mit Bahn-Anschluss nach Grafing-Bahnhof fahren, um einen solchen durchfahrenden Zug zu nutzen", unterstreicht Höpler.

In Grafing bezweifelt man den Nutzen einer Neubaustrecke

Für die konkrete Situation im Landkreis wäre es daher ihrer Überzeugung nach sinnvoller, einige S-Bahnen aus dem Raum Ebersberg und östlich davon ab Grafing-Bahnhof oder ab Kirchseeon ohne Halt bis München fahren zu lassen. Auch S-Bahnen, die ab Zorneding oder ab Haar nonstop durchfahren, könnten Entlastung bringen. Möglich wäre das freilich nur, wenn die S-Bahn - wie bisher - auf eigenen Gleisen verkehrt. Doch genau das könnte sich ändern, wie Höpler warnt: Das Bundesverkehrsministerium und die DB Netz AG hätten kürzlich Pläne veröffentlicht, denen zufolge künftig auch Fernbahnzüge auf den S-Bahn-Gleisen fahren könnten. Dies soll eine der Maßnahmen sein, um auf der Strecke von und nach Italien mehr Züge abwickeln zu können, wenn der dortige Brenner-Basistunnel voraussichtlich im Jahr 2026 eröffnet ist. Die Folge laut Höpler: noch mehr S-Bahn-Verspätungen und Ausfälle. Den Mischbetrieb auf den Gleisen lehnt der Arbeitskreis daher mit Nachdruck ab, "denn dadurch würde die Attraktivität des Schienenpersonennahverkehrs leiden und wieder mehr Pendler auf das Auto wechseln".

Bei Wiesham wird derzeit zwar gebaut, aber leider nicht das von Grafing und Ebersberg seit Jahren geforderte Ausweichgleis.

(Foto: matthiasdoering.com)

Doch nicht nur aus Kirchseeon kommt Gegenwind für den Vorstoß aus Pfaffing, auch in Grafing sieht man die Idee sehr skeptisch - und auch die Tatsache, dass die Pfaffinger nicht vorher mit denjenigen gesprochen haben, die von der Idee massiv betroffen wären. "Es wäre schön, wenn man uns vorher informiert hätte", drückt es Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) diplomatisch aus, ohne zu verhehlen, dass sie sich geärgert hat. Schließlich würde eine der beiden möglichen neuen Trassen durch Nettelkofener Flur führen und so die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt einschränken, unterstreicht die Bürgermeisterin. Gleichzeitig würde auch das Angebot in Grafing ausgedünnt, wenn der Filzenexpress die beiden Stationen künftig links liegen lassen würde.

Sie zweifle die Sinnhaftigkeit des Vorschlags aus Pfaffing an, sagt die Grafinger Bürgermeisterin. Auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung werde hier sicher sehr schlecht ausfallen, so Obermayrs Prognose. Eine Realisierung sei - wenn überhaupt - in weiter Ferne. "Oberste Priorität" müsse statt dessen die Ertüchtigung der bestehenden Strecke zwischen Grafing-Bahnhof und Wasserburg haben, insbesondere der Bau eines Ausweichgleises auf der eingleisigen Strecke zwischen Grafing und Ebersberg.