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Aus finanziellen Gründen:Schilderwald statt Blinklicht

Der Bahnübergang in der Tullinger Dorfstraße erhält auf absehbare Zeit keine technische Absicherung. Eine geänderte Vorfahrtsregelung soll stattdessen als Übergangslösung dienen.

Der Bahnübergang an der Dorfstraße in Tulling bleibt weiterhin ohne zusätzliche Absicherung. Weil das Geld fehlt und sich die Einführung des Stundentaktes für den Filzenexpress um ein Jahr verzögert, setzen die Gemeinde Steinhöring und die Südostbayernbahn (SOB) nun auf eine Übergangslösung. Eine neue Vorfahrtsregelung soll verhindern, dass längere Lastwagengespanne oder Traktoranhänger in den Gleisbereich hineinragen.

Bereits im November hatte sich der Gemeinderat mit der Thematik befasst und auf eine Sicherung des Bahnübergangs gedrängt. Eine Schrankenanlage, wie erst vor zwei Jahren am nur rund 150 Meter entfernten Übergang in der Sensauer Straße errichtet, schied wegen geschätzter Kosten von bis zu 400 000 Euro kategorisch aus. Daher liebäugelte man mit einem roten Blinklicht. An dessen Installation müssten sich Kommune, SOB und die Bundesrepublik jeweils zu einem Drittel beteiligen. Weil für diese Alternative ebenfalls mit einer niedrigen sechsstelligen Summe kalkuliert wird, ist sie derzeit nicht realisierbar. "Noch dazu ist das Verkehrsaufkommen für eine Lichtzeichenanlage zu gering", räumte Bürgermeister Alois Hofstetter (PWG) in der jüngsten Ratssitzung ein.

Erschwerend kommt die erst seit zwei Monaten bekannte Verzögerung bei der geplanten Einführung des Stundentakts für den Filzenexpress hinzu. Die Anzahl der Zugverbindungen zwischen Wasserburg und München wird frühestens im Dezember 2014 deutlich erhöht. Gespräche der Gemeindeverantwortlichen mit der Unteren Verkehrsbehörde im Landratsamt Ebersberg, der Bahn sowie der Polizei hätten laut Hofstetter zu einem eindeutigen Fazit geführt: "Eine technische Sicherung des Übergangs an der Dorfstraße ist wegen der erheblichen Kosten in den nächsten Jahren unrealistisch."

Von der SOB als Streckenbetreiberin kommt nun ein neuer Vorschlag, um die Verkehrssituation in der Dorfstraße sicherer zu gestalten. Sie hat in der Vergangenheit extra eine bis heute existierende Langsamfahrstelle für Züge einrichten müssen, weil Anhängergespanne das Gleis an der Engstelle des Bahnübergangs blockieren könnten. Die Dorfstraße wird hauptsächlich genutzt, um von der Bundesstraße 304 aus ein Türenwerk, eine Autowerkstatt sowie landwirtschaftliche Anwesen zu erreichen. Verkehrsteilnehmer werden dabei nur mittels Hinweisschildern und Andreaskreuzen auf die Gefahrenstelle aufmerksam gemacht. Der ortsansässige Gemeinderat Robert Lampl (PWG) betont, dass vor allem schlecht beleuchtete Güterzüge nachts leicht übersehen werden könnten.

Die neue Initiative der SOB beinhaltet eine geänderte Vorfahrtsregelung für Fahrzeuge, die von der Bundesstraße aus in die Dorfstraße einfahren. Sie sollen künftig Vorrang haben, wenn sie nach links in den Bahnweg einfahren wollen. Verkehrsteilnehmer, die von dort in die Dorfstraße einbiegen möchten, wären dann wartepflichtig. Neben einer Verbreiterung des Bahnwegs zum Ausweichen erfordert dieser Vorschlag auch das Aufstellen von 20 Verkehrsschildern. "Das wird dann der sprichwörtliche Schilderwald, wie er im Buche steht", prognostizierte Bürgermeister Alois Hofstetter in der Gemeinderatssitzung.

Man beschloss dennoch einstimmig, den Lösungsvorschlag der SOB als Übergangslösung umzusetzen. Die Streckenbetreiberin beteiligt sich zur Hälfte an den Kosten. Für eine rechtmäßige Beschilderung im Detail und das Auftragen von Haltelinien auf der Fahrbahn benötigt die Gemeindeverwaltung nun die offizielle Absegnung durch die Untere Verkehrsbehörde. Langfristig strebt der Gemeinderat aber auch weiterhin ausdrücklich die Installation eines Blinklichts zur Sicherung des Bahnübergangs an.