Süddeutsche Zeitung

Aus dem Amtsgericht:Schwangeren in Bauch getreten

29-jährigem Alkoholiker droht erneute Gefängnisstrafe

- Für den einschlägig vorbestraften Mario B. (Namen von der Redaktion geändert) ist es nichts Neues, sich vor einem Gericht verantworten zu müssen. Doch dieses Mal wog der Vorwurf der Staatsanwaltschaft im Amtsgericht besonders schwer: Der 29-Jährige soll am 25. Mai stark alkoholisiert seine ehemalige schwangere Freundin verprügelt haben. Der Verdacht: Er wollte dadurch einen Schwangerschaftsabbruch bewirken.

"Am Anfang war es wirklich schön", sagt Clarissa S. über den Beginn ihrer Liebesbeziehung zu Mario B. Im Sommer des vergangenen Jahres hatte sich das Paar kennengelernt, doch "Anfang 2012 begann die Krise". Mario B. sei extrem eifersüchtig gewesen und habe immer mehr Alkohol getrunken. Irgendwann seien es bis zu zwei Flaschen Schnaps pro Tag, dazu einige Flaschen Bier gewesen. "Nüchtern war er nett, betrunken aggressiv." Anfang Februar dann die Nachricht: Clarissa S. ist schwanger. Die zwei darauf folgenden Wochen habe ihr Ex-Freund weniger getrunken, so Clarissa S. Doch dann sei er wieder ins sein altes Raster verfallen. "Morgens hat er sich auf das Baby gefreut, abends forderte er, dass ich abtreibe", sagte Clarissa S. Immer öfter habe ihr Ex-Freund Drohungen ausgesprochen. Er werde sie die Treppe hinunterstürzen oder in den Bauch schlagen.

Weil sie den Zustand nicht länger erträgt, macht Clarissa S. mit Mario B. Schluss. Als sie am 25. Mai 2012 einige Sachen aus der Wohnung ihres Ex-Freundes holt, rastet Mario B. aus. Er ist stark alkoholisiert, hat bereits eine Flasche Whiskey und einige Flaschen Bier getrunken, wie er angibt. An das, was anschließend in seiner Wohnung geschah, könne er sich deshalb nicht mehr erinnern, sagt Mario B. Clarissa S. hingegen schon: Sie sagt aus, Mario B. habe sie gegen drei Mal mit der Faust ins Gesicht, danach drei weitere Male in den Bauch geschlagen. Seine Versuche, sie auch noch in den Bauch zu treten, seien erfolglos geblieben."Ich konnte das alles gar nicht realisieren, ich hatte nur Angst um das Baby", sagte Clarissa S. Schließlich hört ein Freund aus der Wohnung von Mario B. Schreie, greift ein und fährt Clarissa S. ins Krankenhaus. Clarissa S. hat Prellungen, blaue Flecken und ein Schädelhirntrauma. Das Baby ist inzwischen gesund auf die Welt gekommen.

Das Leben von Mario B. jedoch steht am Scheideweg. 16 Vorstrafen hat der 29-Jährige angesammelt. Er hat mehrere Jugend- und Gefängnisstrafen verbüßt. Und auch dieses Mal ist eine längere Gefängnisstrafe nicht auszuschließen. Es zieht sich durch sein Leben wie ein roter Faden: durch den extremen Alkoholkonsum macht sich Mario B. alles kaputt. Das sah ein ins Gericht bestellter Gutachter genau so: "Seine Ausgangslage ist katastrophal. Ohne Therapie ist er verloren." Der Sachverständige hat Mario B. inzwischen untersucht, um seinen tatsächlichen Abhängigkeitsgrad festzustellen. Er schätzte, dass der Angeklagte zur Tatzeit einen Blutalkoholwert von maximal drei Promille hatte. "Seine Steuerungsfähigkeit war stark beeinträchtigt, dennoch besteht kein Zweifel, dass er sich gezielt Luft verschafft hat", so der Gutachter. Die Verhandlung wird am 27. Dezember fortgesetzt.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1559074
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 27.12.2012
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.