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Asylbewerber:Wohnungen statt Container

Der Landkreis löst die Behelfsunterkunft für Asylbewerber am Gymnasium Grafing in dieser Woche auf. Als Ausweichquartier bleiben die Räume aber weiter erhalten.

Die Asylbewerberfamilien, die in den Containern am Gymnasium Grafing wohnen, werden noch in dieser Woche dort ausziehen. Das Landratsamt hat für die betroffenen Menschen andere Unterkünfte - die meisten von ihnen ebenfalls in Grafing - gefunden. Dort haben sie nicht nur mehr Privatsphäre, sondern entgehen auch den vielen Unbequemlichkeiten, die das Wohnen im Container mit sich brachte. "Die Unterkünfte waren für Familien gerade im Winter nicht so optimal", sagte Landrat Robert Niedergesäß (CSU) bei einem Pressegespräch. Als Ausweichquartier will der Landkreis die Wohncontainer aber behalten.

Seit November 2013 hatten bis zu 40 Flüchtlinge in den Containern gelebt, die früher als Klassenzimmer des Grafinger Gymnasiums genutzt worden waren und am Ende des Sportplatzes der Schule stehen. In der Regel teilten sich zwei, in einem Fall sogar drei Familien ein Klassenzimmer. Ruhe und einen Platz, um sich einmal zurückzuziehen, gab es für die Bewohner dort nicht. Auch die Wohnbedingungen waren schwierig, weil die Bewohner ins Freie mussten, um zu Toiletten und Gemeinschaftsräumen zu gelangen. Zwar hat sich das Landratsamt ständig um Verbesserungen bemüht, doch eine Notlösung blieb diese Art der Unterbringung immer.

Immerhin konnte der Landkreis dadurch vermeiden, Flüchtlinge in Notunterkünften in Turnhallen unterzubringen. Dieses Szenario hatte bereits im Frühjahr 2012 kurz gedroht, die Notbetten in der Turnhalle der Realschule Ebersberg waren damals schon vorbereitet. Dann aber hatte die Regierung von Oberbayern doch noch einmal darauf verzichtet, unter diesen Umständen Asylbewerber zur Unterbringung in den Landkreis zu schicken.

Inzwischen hat sich die Lage bei der Unterbringung von Asylbewerbern im Landkreis etwas entspannt. 227 Flüchtlinge leben derzeit in 22 Objekten im Landkreis. Es sei gelungen, einige kleinere Unterkünfte zusätzlich anzumieten, gleichzeitig bekomme der Landkreis derzeit etwas weniger Flüchtlinge von der Regierung zugewiesen, erläutert Evelyn Schwaiger, Sprecherin des Landratsamts. Doch in der Behörde geht man nicht davon aus, dass die Situation dauerhaft so bleibt, weshalb weiter neue Objekte für Flüchtlinge hergerichtet werden. In Ebersberg ist das beispielsweise ein Haus auf dem so genannten Mäusl-Grundstück nahe der Realschule Ebersberg. Das Gebäude gehört dem Landkreis und ist jetzt für eine neue Nutzung frei geworden. Allerdings muss das Haus noch umgebaut werden, bevor hier bis zu 20 Flüchtlinge Platz finden können. Ebenfalls noch nicht abgeschlossen sind die Umbauarbeiten am Alten Forsthaus in Anzing. Hier hatte es in den vergangenen Monaten Proteste unter den Anwohnern gegen die Asylbewerberunterkunft gegeben.

Neben der Suche nach neuem Wohnraum bemüht sich der Landkreis auch, die Betreuung der Flüchtlinge weiter zu verbessern. So soll im Mai oder Juni eine Halbtagskraft ihre Arbeit aufnehmen, die sich vorrangig um Familien mit Kindern kümmern wird. Sie wird die Eltern beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen unterstützen oder ihnen bei der Suche nach einem Kindergartenplatz helfen. Auch Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe sollen die Flüchtlinge, die hier vorübergehend eine neue Heimat finden, in Anspruch nehmen können. In anderen Landkreisen gibt es bisher eine derartige Stelle nicht, es handle sich um eine freiwillige Leistung, wie der Landrat betont. Allerdings hofft der Landkreis auf eine Kooperation mit "Grass 21", einem vom Bund finanzierten Projekt gegen Extremismus im Landkreis.

© SZ vom 09.04.2014
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