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Asylbewerber:Es fehlt die Koordination

Die Probleme des Zornedinger Helferkreises offenbaren die Mängel der bayerischen Asylpolitik.

Die Situation in Zorneding, so ungut sie auch für die Betroffenen gewesen ist, hat auch etwas Gutes: Sie zeigt, dass es so nicht weitergehen kann. Eine Handvoll Mitarbeiter im Landratsamt kümmert sich seit Monaten um mehrere hundert Asylbewerber und die vielen hundert ehrenamtlichen Helfer dazu. Nun ist die Grenze des Machbaren erreicht. Denn während die behördliche Arbeit doch vorrangig die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben verfolgt, haben die Ehrenamtlichen oft ganz andere Dinge für ihre Schützlinge im Sinn: Wie viele Handtücher stehen zur Verfügung, darf Besuch im Container übernachten, gilt der Führerschein noch? Die Mitarbeiter des Landratsamtes, die fast wöchentlich neue Flüchtlinge unterbringen müssen, sind mit diesen Fragen, die wohlgemerkt auch wichtig sind, überfordert.

Die Helferkreise müssen deshalb professionell koordiniert und betreut werden. Ansonsten schränken die Helfer ihr Engagement früher oder später ein. Sie brauchen einen Ansprechpartner, manchmal nicht einmal mehr als das. Sie brauchen Strukturen, die sich durchaus ähneln können. Denn es sind immer wieder die gleichen Probleme, vor denen sie stehen - warum dann nicht voneinander lernen? Das andere ist die mitunter tägliche Konfrontation mit Traumata, Depressionen, Sucht und Aggression. Da helfen Schulungen nur bedingt weiter. Und auch ein Dublin-Verfahren lässt sich nicht vom Küchentisch aus steuern.

Bei der Schaffung solch einer Stelle ist allerdings nicht nur der Kreis gefordert. Es ist gleichermaßen Aufgabe der Kommunen, bei der Integration zu unterstützen und nicht zuletzt den eigenen Bürgern in ihrem Engagement Wertschätzung zu zeigen. Zusätzlich ist es an der Zeit, dass sich die Helferkreise vernetzen und einen Sprecher stellen. Wenn es dann noch gelingt, weitere Sozialarbeiter für die Einrichtungen zu gewinnen - dann hat man aus der Situation in Zorneding das Beste gemacht.