Asylbewerber Angekommen

Christian Zeisel vom Amt Jugend und Familie betreut bei der Stadt Ebersberg das Integrationskonzept.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ebersbergs Stadtrat verabschiedet ein Integrationskonzept - doch damit soll die Arbeit erst beginnen

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Neuankömmlinge zu einem Teil der Stadtgesellschaft zu machen, ihnen eine selbstbestimmte Existenz zu ermöglichen, Respekt und Verständnis für alle zu zeigen, egal welchen Geschlechts und welcher Herkunft - das sind nur einige der Aufgaben, welche man in Ebersberg mit einem Integrationskonzept angehen möchte. Dieses wurde in mehr als einjähriger Arbeit fertiggestellt und nun im Stadtrat ohne Gegenstimmen beschlossen.

Für Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) ist der einstimmige Beschluss "ein Zeichen, dass es von Bedeutung ist". Auslöser für das Projekt, waren die im Jahr 2015 stark gestiegenen Flüchtlingszahlen. Binnen weniger Wochen musste die Stadt Quartiere für etwa 230 Flüchtlinge finden, erinnerte Brilmayer, im gesamten Landkreis waren es rund 1700. Inzwischen seien die Zahlen zwar zurückgegangen - allerdings im Landkreis deutlich mehr als in der Stadt, so Brilmayer: Von etwa 700 Flüchtlingen im Landkreis lebten 150 bis 160 aktuell in der Kreisstadt.

Für diese habe sich darum "die Aufgabenstellung seither stark geändert". Denn die meisten der Flüchtlinge, die derzeit in der Stadt leben, würden wohl auch bleiben, viele gehen zur Schule oder machen eine Ausbildung. Darum gehe nun es nicht mehr hauptsächlich darum, für die Menschen ein Dach über dem Kopf zu finden, sondern "es geht darum, die Leute zu integrieren", sagte Brilmayer - was im übrigen nicht nur für Flüchtlinge gelte, "sondern für alle, die Bedarf haben".

Wie man diesem Bedarf gerecht werden kann, daran wird seit Ende vorvergangenen Jahres gearbeitet. Zunächst brachte im Herbst 2017 der Sozialausschuss des Stadtrates das Projekt auf den Weg. Um das Konzept auszuarbeiten und weiter zu betreuen, wurde Christian Zeisel, Mitarbeiter im Amt Jugend und Familie, zum Integrationsbeauftragten ernannt. Unterstützt wird er von der Arbeitsgruppe Integration, der je ein Vertreter jeder Stadtratsfraktion, vier Mitglieder des Helferkreises Asyl, vier Asylbewerber und je ein Vertreter der Caritas, des Kreisbildungswerks und des Vereins Ausländerhilfe angehören. Daneben arbeitet man mit Vereinen wie dem TSV, dem Jugendzentrum, der Musikschule und dem Jobcenter zusammen.

Entstanden ist so ein 39-seitiges Werk, das neben allgemeinen Informationen, etwa über die Nationalität der in Ebersberg wohnenden Menschen, der Zusammensetzung und Vorgehensweise der Arbeitsgruppe und auch Definitionen von Begriffen wie Migration und Integration, auch konkrete Herausforderungen und Aufgaben benennt. So etwa, wie "schulische Bildung, Ausbildung, Fort- und Weiterbildung und den Zugang zum Arbeitsmarkt" gewährleistet werden können. Ebenfalls untersucht wurde, wie Integration nicht nur in Schule und Arbeitsplatz gelingen kann, sondern auch über Freizeitaktivitäten, Hobbys und Feste. Nicht zuletzt soll es auch Hilfestellung bei der Wohnungssuche geben.

Das Besondere dabei sei, so Brilmayer, dass es sich um "ein lernendes Konzept" handele: "Wir müssen es laufend ändern und auf Bedürfnisse ausrichten." Auch Zweiter Bürgermeister Toni Ried (FW), betonte, wie wichtig Flexibilität sei: "Es hat nur dann einen Sinn, wenn wir rechtzeitig auf veränderte Situationen reagieren." Deshalb werde der Stadtrat das Konzept auch "weiterhin begleiten". Und nicht nur die Politik sei gefragt, sagte Alexander Gressierer (CSU), "hier sind alle gefordert". Mit dem nun vorgestellten Konzept sei man "auf einem guten Weg". Für Christoph Münch (SPD), ist der Stadtratsbeschluss "nur der Startschuss", die Arbeit an und mit Integration sei eine dauerhafte: "Man ist ständig damit konfrontiert." Auf jeden Fall zeige das Konzept, "dass wir uns ernsthaft damit beschäftigen" - was besonders wichtig sei bei einem Thema, "das sich so leicht polarisieren lässt". Auf dieses Problem verwies auch Petra Behounek (Grüne): "Es ist ein wichtiges Zeichen gegen rechtsextreme Tendenzen und zeigt, dass die Stadt so etwas nicht duldet."

Mit der Verabschiedung im Stadtrat ist Ebersberg die zweite Kommune im Landkreis, die sich ein solches Konzept und einen Integrationsbeauftragten gibt. Schneller war nur Poing, wo beides bereits 2016 eingerichtet wurde.