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Asyl in Ebersberg:Hart wie Stahl

Zika Oni - Kunstschmiede Bergmeister

Zika Oni in seiner Wohnung in Ebersberg: Der 30-Jährige hat Lehrbücher vor sich liegen und ist gerade dabei, sein Deutsch zu verbessern. Sein Arbeitgeber würde ihn gerne als Auszubildenden übernehmen - dafür braucht der Nigerianer aber einen anderen Aufenthaltstitel.

(Foto: Christian Endt)

Zika Oni muss der Härtefallkommission bis Juli belegen, dass er sein Deutsch verbessert hat. Das Problem des Nigerianers, der in einer Ebersberger Kunstschmiede arbeitet: Sprachkurse nehmen in der Krise niemanden auf

Von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

Ein Schreibtisch, ein Schüler, ein Deutschbuch. Lernen nach Farben: "Nicht arbeiten gehen - blau machen. Pessimistisch sein - schwarz sehen. Wütend werden - rot sehen." Wenn Zika Oni etwas vermeiden möchte, dann würde er die drei Attribute sicherlich aufzählen. Doch in seiner derzeitigen Situation, sagt er, da falle ihm das ziemlich schwer. Der 30-Jährige aus Nigeria hat in Ebersberg ein neues Zuhause gefunden, eine eigene Wohnung, eine Arbeit und Freunde. "Ich versuche nur mein bestes, um jeden Tag meine Aufgaben zu meisten", sagt er. Sein Problem ist aber, dass er nicht weiß, ob sein bestes gut genug ist. Denn, obwohl er sich viel aufgebaut hat, läuft er Gefahr, alles wieder zu verlieren.

Der Nigerianer Zika Oni, der seit 2014 im Landkreis lebt, kämpft weiter gegen seine Abschiebung. Und viele, die ihn kennen, kämpfen an seiner Seite. Insbesondere sein Chef Matthias Larasser-Bergmeister, in dessen Kunstschmiede der junge Mann längst ein fähiger und von den Kollegen geschätzter Mitarbeiter geworden ist. "Er arbeitet und lernt die ganze Zeit, ein super anständiger Kerl", sagt Larasser bei einem Telefonat. Der 56-Jährige würde Zika Oni gerne in seiner Ebersberger Kunstschmiede ausbilden. Wegen dessen Aufenthaltsstatus ist ihm dies aber seit Jahren verwehrt. "Ich hoffe, dass unsere Ausländerbehörde sich irgendwann bewegen lässt", sagt Larasser. Fähiger Nachwuchs sei in der Branche keine Selbstverständlichkeit, so der Bergmeister-Inhaber. "Es sind genau solche Leute, die wir brauchen."

Im Sommer hatten Zika Oni und seine Unterstützer einen Zwischenerfolg: 2500 Unterschriften in einer Petition zu seinem Fall wurden im zuständigen Ausschuss des Bayerischen Landtags einstimmig an die Härtefallkommission verwiesen.

Der Ebersberger Landtagsabgeordnete Thomas Huber (CSU), der sich seit langem für Zika Oni einsetzt, hatte diese Entscheidung begrüßt. Denn die Härtefallkommission entscheide seinen Erfahrungen zufolge "zu 99 Prozent immer positiv", also für den jeweiligen Antragsteller. Karl Straub (CSU), der im Ausschuss Berichterstatter für den Fall war, schloss sich der Einschätzung Hubers an, dass der Ausschuss eine deutlichere Entscheidung zugunsten des jungen Mannes nicht hätte treffen können. Die Ebersberger Landtagsabgeordnete Doris Rauscher (SPD) und der Ehrenpräsident des Bayerischen Handwerktags Heinrich Traublinger hatten sich ebenfalls für einen Verbleib Zika Onis eingesetzt. Ein halbes Jahr später ist seine Situation mehr als ungewiss - auch wegen der Pandemie.

Die Härtefallkommission fordert, dass Zika Oni seine deutschen Sprachkenntnisse nachweislich deutlich verbessern soll. Dies ist aktuell der Knackpunkt. Und daran könnte er auch scheitern. Die für ihn zuständige Ausländerbehörde Ebersberg erklärt auf SZ-Nachfrage, dass Oni wegen seines Aufenthaltstitels nicht die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, um an einem staatlich finanzierten Integrationskurs teilzunehmen. Dass er mit Beginn seiner Ankunft in Deutschland Praktika und Arbeitsstellen fand, wird ihn nun zum Verhängnis - weil durch die Tätigkeit sein Anspruch auf einen Sprachkurs verfiel. "Er kam immer nach 19 Uhr von der Arbeit, da ließen sich auch keine Privatlehrer finden", erklärt Marlies Froneberg vom Helferkreis, die Zika Oni seit Beginn an betreut. Mit der Aussicht, als Härtefall anerkannt zu werden, suchte er nun verstärkt nach privaten Optionen, die er selbst finanzieren muss. Hier kam nun Corona in die Quere.

Nach der Entscheidung des Landtags im Sommer nahmen die Volkshochschulen keine neuen Sprachschüler mehr auf. Mit der einleuchteten Begründung, dass besonders in seinem Fall - ein niedriges Level - Präsenzunterricht unausweichlich sei. Nach mehr als einem halben Jahr Suche ist es Marlies Froneberg nun gelungen, einen passenden Kurs an der VHS in Haar zu finden. Er stehe dort auf der Warteliste, so Froneberg. "Es entscheidet sich aber erst im April, ob er tatsächlich teilnehmen kann."

Die Zeit wird knapp, denn - Stand jetzt erwartet die Härtefallkommission im Juli Zika Onis Beweisführung was die Verbesserung seiner Deutschkenntnisse angeht.

Sollte er scheitern, bleibt eine weitere Option, wie die Ebersberger Ausländerbehörde mitteilt. Die "freiwillige Ausreise nach Nigeria, um dann dort bei der deutschen Botschaft ein Einreisevisum zu beantragen." Etwa "zum Zwecke der Absolvierung einer qualifizierten Berufsausbildung mit Deutschkurs zur Vorbereitung". Die Möglichkeit "wurde Herrn Oni und seinem Arbeitgeber in mehreren Gesprächen aufgezeigt, jedoch nicht angenommen".

Er könnte also zweimal um die halbe Welt fliegen. So wie sein Landsmann Kolade Igbasan, der diesen Schritt gegangen ist. Igbasan, ebenfalls Nigerianer, wurde von der Ausländerbehörde in Bayreuth zu diesem Schritt gebracht. Der 41-Jährige hatte zuvor einen Formfehler begannen und wäre andernfalls ausgewiesen worden, wie die Behörde erklärt hatte. Mithilfe einer Spendenaktion gelang es dem Feuerwehrmann und Promotions-Anwärter Ende Januar innerhalb kurzer Zeit, einen Flug von München nach Lagos zu finanzieren. Sein Rückflug - mit neuem Visum - ist für Ende des Monats geplant.

Soweit wollen es Zika Onis Begleiter nun nicht kommen lassen. Die Kunstschmied-Familie Larasser und Marlies Froneberg - ihrerseits auch keine Lehrerin sondern Medizinerin und Juristin - geben dem 30-Jährigen nun autodidaktisch Nachhilfe. "Dreimal die Woche eine Doppelstunde oder mehr", erklärt Froneberg.

In Zika Onis Wohnung in Ebersberg stapeln sich die Bücher. Zurück nach Nigeria könne er nicht, der Gedanke mache ihm Angst, sagt er. Hintergrund sei, dass sein verstorbener Vater ihm dessen Chefposition und die Schulden überschrieben habe. Es gehe dabei um Blutgeld und andere Grausamkeiten. "Ich will mit all dem nichts zu tun haben", sagt er. Oni zeigt Handyfotos, von einem fertigen Balkon an einer Fassade in München. Eines seiner Werke. "Der Handlauf ist aus Edelstahl", sagt er. Mit Härtefällen kennt Zika Oni sich aus.

© SZ vom 24.02.2021
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