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Astronomie:Schauspiel der Sterne

Johannes Knöferle

Johannes Knöferle ist Mitglied der Kolping-Sternwarte. Zudem beschäftigt sich der begeisterte Hobbyfotograf insbesondere mit Astrofotografie.

(Foto: privat)

Die Kolping-Sternwarte in Forstinning macht an diesem Montagnachmittag ein seltenes Naturspektakel sichtbar: den Merkurtransit.

Interview von Annalena Ehrlicher, Ebersberg

Wer im vergangenen Jahr die Sonnenfinsternis verpasst hat, kann an diesem Montag ein anderes astronomisches Naturschauspiel beobachten: den Merkurtransit. Die Kolping-Sternwarte lädt Besucher dazu ein, die Szenerie gemeinsam von der Sternwarte aus zu beobachten. Johannes Knöferle organisiert den Tag.

SZ: Herr Knöferle, was genau wird denn an diesem Montag da oben los sein?

Johannes Knöferle: Am Montag wird der Planet Merkur von der Erde aus gesehen vor der Sonnenscheibe vorbeiziehen. Die beiden inneren Planeten Merkur und Venus können das, die äußeren nicht. Wenn alles stimmt, ziehen die Planeten Merkur oder Venus genau zwischen Erde und Sonne hindurch - das tun sie nicht bei jedem Umlauf, nur manchmal. Die Bahnen liegen nicht genau in einer Ebene mit der Erdbahn, was erklärt, warum das nicht immer passiert. Aber jetzt passt es: Dann sieht man den Merkur als ganz deutlichen schwarzen Punkt vor der Sonne.

Wie lange dauert der Transit dann?

Also wir hier in Mitteleuropa haben dieses Jahr das Glück, ihn in voller Länge sehen zu können. Das heißt, zwischen 13.12 Uhr und dem Sonnenuntergang um 20.38 Uhr kann man ihn beobachten. Vorausgesetzt, das Wetter ist gut.

Ist das vergleichbar mit einer Sonnenfinsternis?

Vom Prinzip her ja - aber der qualitative Unterschied liegt natürlich darin, dass der Mond uns so groß wie die Sonne erscheint und er diese deshalb beim "Transit" verdeckt. Man spricht dann von einer Sonnenfinsternis.

Wie häufig können wir den Merkurtransit beobachten? Bekommt man noch einmal die Gelegenheit, falls man ihn jetzt verpasst?

Zu einem Merkurtransit kommt es etwa 13 bis 14 Mal pro Jahrhundert. Der Letzte von Mitteleuropa aus beobachtbare war am 7. Mai 2003 und der nächste ist voraussichtlich am 11. November 2019. Alles in allem also doch ein relativ seltenes Ereignis.

Was genau ist in der Sternwarte geplant?

Grundsätzlich öffnen wir um 12 Uhr und werden dann verschiedene Beobachtungsmöglichkeiten aufbauen. Unter anderem ein H-Alpha Fernrohr, ein Sonnenfernrohr, mit dem man die Sonne sehr gut beobachten kann. Was wichtig ist: Alle unsere Beobachtungsgeräte haben eine spezielle Schutzausrüstung, weil man bei der Beobachtung der Sonne ja extrem aufpassen muss - insbesondere durch Fernrohre direkt in die Sonne zu schauen, richtet enormen Schaden an den Augen an. Das darf wirklich nicht passieren und wir betonen das immer wieder.

Und wenn die Sonne nicht zu sehen ist?

Wir kümmern uns darum, eine Live-Übertragung eines NASA-Satelliten zu bekommen. Und dazu wird es einen kleinen Vortrag geben. Aber so wie es aussieht, wird das Wetter ja brauchbar. Wir sind dann vermutlich bis zum Sonnenuntergang draußen.

Für Laien: Haben Sie ein paar griffige Fakten zum Merkur parat?

Grundsätzlich gilt ja: Je näher ein Planet an der Sonne ist, desto schneller umläuft er sie auch. Der Merkur beispielsweise braucht nur 89 Tage, um die Sonne zu umrunden - deshalb hat man ihn nach dem Götterboten Merkur benannt. Ist das interessant?

Auf jeden Fall. Vielleicht noch ein, zwei wissenschaftliche Fakten?

Der Merkur ist ungefähr so groß wie unser Erdmond, aber viel weiter weg von uns. Der Abstand zur Sonne beträgt etwa ein Drittel des Erdabstandes. Freiäugig zu beobachten ist der Merkur - ebenso wie die Venus - am Abend- und am Morgenhimmel. Die Venus ist der bekanntere Stern, was daran liegt, dass der Merkur so nah an der Sonne ist - man kann ihn deshalb nur bei optimalen Bedingungen etwa eine Stunde lang nach Sonnenuntergang sehen, auch weil er für das Auge so klein ist. Er selbst hat übrigens keinen Mond, der ihn umkreist.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie für das Schauspiel?

Also wenn ich denke, dass bei der letzten Mondfinsternis, die ja mitten in der Nacht zu einer vollkommen unchristlichen Zeit zu beobachten war, trotzdem Leute gekommen sind - dann könnte ich mir schon vorstellen, dass einige Interessierte am Nachmittag den Weg zu uns finden.

Der Merkurtransit wird in der Kolping-Sternwarte in Forstinning am Montag, 9. Mai, von 12 bis zirka 20.30 Uhr zu beobachten sein. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt sind es 5 Euro. Weitere Informationen gibt es unter info@sternwarte-wind.de sowie telefonisch unter (08121) 223 88 60. Wer den Transit lieber zuhause und privat beobachten möchte, ist allerdings dazu aufgefordert, entsprechende Schutzausrüstungen für die Augen beziehungsweise für das Fernrohr zu verwenden.

© SZ vom 09.05.2016
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