Aßling/Glonn Landkreis muss für Deponien zahlen

Ob in Aßling und Glonn Schadstoffe ins Grundwasser sickern, wird derzeit untersucht. Sicher ist nur: Die Kommunen müssen die Kosten für die mögliche Sanierung nicht übernehmen.

Von Carolin Fries

Die Erleichterung im Aßlinger Rathaus ist groß: Die Gemeinde muss nicht für die Kosten für eine möglichen Sanierung der ehemaligen Mülldeponie in Pörsdorf aufkommen. Weil der Landkreis die gemeindliche Deponie Ende der 70er Jahre übernommen hat, obliegen auch die Nachsorgepflichten für die stillgelegte Müllhalde dem Landkreis. Zu diesem Ergebnis kommt der Kommunale Prüfungsverband, der die Finanzierung im Auftrag des Landratsamtes geprüft hat. Gleiches gilt für die ehemalige Mülldeponie in Mattenhofen bei Glonn.

Was auf den alten Deponien einst entsorgt wurde, weiß man nicht. Und inwieweit der Dreck von gestern noch heute Auswirkungen auf Mensch und Natur hat, wird erst noch ermittelt. Über Jahrzehnte haben die Landkreisbürger in Pörsdorf und in Mattenhofen ihren Abfall weggeworfen, später wurden beide Deponien vom Landkreis übernommen, restverfüllt und zugeschüttet.

"Auch wenn der Landkreis mit dem Betrieb der Deponie Dritte beauftragt hat, wurde der Betrieb und die Verfüllung nach seinen Vorgaben und auf seine Kosten vorgenommen", heißt es in der Begründung des Kommunalen Prüfungsverbands. Zudem wäre es nicht sachgerecht, nur die Gemeinde, in deren Gebiet die Deponie liegt, zu belasten - denn entsorgt wurde hier auch Müll aus anderen Kommunen.

Von wegen unberührte Natur: In der Jakobneuhartinger Filze bei Grafing befand sich eine Mülldeponie. Der Abfall wurde unter viel Erde begraben.

(Foto: Christian Endt)

Bei beiden Deponien besteht laut einer ersten Untersuchung die Gefahr, dass das Grundwasser verschmutzt wird. Das Landratsamt hat inzwischen die erforderlichen Detailuntersuchungen ausgeschrieben. "Es werden nun Bohrungen vorgenommen, um eine mögliche Belastung des Grundwasserabstroms von der Deponie zu messen", sagt Anton Blank, stellvertretender Sachgebietsleiter für Wasser- und Abfallrecht im Landratsamt Ebersberg. In der Regel würde dreimal in Quartalsabständen gemessen, mit Ergebnissen ist demnach frühestens in einem Jahr zu rechnen. Laut Blank werden zuerst die Untersuchungen in Pörsdorf beginnen, in Mattenhofen muss erst noch geklärt werden, wo gebohrt wird.

Aßlings Bürgermeister Hans Fent (parteilos) nannte das Ergebnis des Prüfungsverbands "sehr positiv". Eine weitere finanzielle Belastung hätte die hoch verschuldete Gemeinde schwer getroffen. Zweiter Bürgermeister Ernst Sporer-Fischbacher (UNL) sagte, die Sanierung sei ein "unkalkulierbares Risiko". Denn sollte sich herausstellen, dass das Grundwasser belastet ist, wird eine teure Sanierung erforderlich.

Zwar können Gemeinden bei der Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern (GAB) noch bis 2015 Fördergelder in Höhe von maximal 200 000 Euro beantragen - die mitunter aber nur einen Bruchteil der kompletten Kosten ausmachen. Der Landkreis hat keinen Anspruch auf Fördergelder, weil er die Kosten über die Müllgebühren auf die Bürger umlegen kann.

Insgesamt 13 ehemalige Deponien hat das Wasserwirtschaftsamt in Rosenheim in den vergangenen dreieinhalb Jahren amtlich ermittelt. Die Mehrzahl wurde als langfristig sanierungsbedürftig eingestuft. Aktuell laufen GAB-unterstützte Sanierungen von ehemaligen Deponien in Aiterndorf, Bruck, Kirchseeon Frauenneuharting und Eisendorf bei Grafing. Aktuelle Ergebnisse der Untersuchungen liegen laut Anton Blank noch nicht vor.

Weitere sechs ehemalige Deponien, die auf Privatgrundstücken in Vaterstetten liegen, sollen im kommenden Jahr ermittelt werden. Möglicherweise wird es dann für die jeweiligen Grundstücksbesitzer in Vaterstetten teuer. Aßling indes hat beschlossen, sich vom Landkreis auch die etwa 4300 Euro zurückzuholen, die bereits für die erste Untersuchung der Pörsdorfer Deponie bezahlt wurde.