Archäologie Aßling: Hobbysucher findet Spangenbarren aus der Bronzezeit

Noch befinden sich die Spangenbarren in einem großen Erdblock, der nun in München untersucht wird.

(Foto: Valentin Tischer/oh)

Nahe des Ortsteils Steinkirchen hat ein Hobbysucher einen einzigartigen Fund gemacht.

Von Valentin Tischer, Aßling

Einen schwarzen Erdwürfel haben Ramona Baumgartner und ihr Archäologie-Team aus dem Boden bei Steinkirchen ausgegraben. Soweit nichts Besonderes, aber aus dem Block ragen einige Spangen heraus. Es handelt sich um sogenannte Spangenbarren aus der Bronzezeit. Die aus Bronze bestehenden Stücke könnten mehr als 3000 Jahre alt sein. Ihr Fund ist im Landkreis Ebersberg einzigartig.

Seit Montag haben Baumgartner und ihr Team akribisch die Erde um den Fund entfernt. Filigran mit dem Pinsel, so wie sich viele eine Ausgrabung vorstellen, ist das Archäologie-Team aus Zorneding nicht vorgegangen. Mit Schaufeln haben sie eine zwei mal zwei Meter große Grube ausgehoben, aus deren Mitte sie den Block mit den Spangen gehoben haben. Der Pinsel wäre bei der Ausgrabung nicht von großem Nutzen gewesen, in der Grube steht das Wasser und auch sonst ist der Boden sehr feucht.

Um das Spangenbündel besser für spätere Untersuchungen zu sichern und keine organischen Rückstände zu vernichten, die auf die Verschnürung des Bündels etwa mit Bast hinweisen könnten, haben sie den Fund mit dem Erdreich herum geborgen. Vor Ort hätten Spuren in der dunklen Erde verloren gehen können. In Folie und einer Holzkiste kommt nun der Erdblock zu weiteren Untersuchungen nach München.

Wie mit dem Fund weiter verfahren wird, ist noch unklar. Am Donnerstag ist er beim Landesamt für Denkmalpflege eingetroffen. Dort werden die Spangen erst einmal konserviert. Bevor entschieden werden kann, was damit passiert, müssen die Eigentumsverhältnisse geklärt werden, teilt eine Sprecherin des Landesamts mit.

Möglicherweise waren die Spangen eine Art Währung

Archäologin Ramona Baumgartner geht davon aus, dass das Bündel mit den Spangen einst bewusst an der jetzigen Fundstelle deponiert worden ist. "Die Landschaft legt nahe, dass sich hier einmal ein Moor oder ein See befunden hat", erklärt sie. 13 einzelne Spangen haben die Archäologen an Ort und Stelle bereits identifiziert. Es können aber auch noch mehr werden, normalerweise seien in solchen Bündeln 15 bis 20 Spangen, erklärt Baumgartner. Die genaue Anzahl der Funde von Steinkirchen wird dann durch Röntgenaufnahmen bestimmt, die in München durchgeführt werden.

Um was genau es sich bei den Spangen handelt, das sei umstritten, erzählt Baumgartner. Sie sagt von sich selbst, dass sie auf dem Gebiet nicht unbedingt eine Expertin ist, weshalb sie nicht sagen könne, was sie da genau vor sich habe. Andere Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass es sich bei solchen Spangen um Primitivgeld handelt. Die Bronzebarren waren demnach eine Tauschgrundlage. Schmiede konnten aus ihnen dann etwa Werkzeuge fertigen.

Auf den Fund aufmerksam gemacht hat der Sondengänger Franz Huber aus Aßling. Als Hobby geht er unregelmäßig oft mit seinem Gerät spazieren, in der Hoffnung, etwas zu entdecken. "Dass ich da etwas gefunden habe, ist wirklich totaler Zufall", sagt er über seinen Fund. Möglich machte das wohl ein Tier. Offenbar muss ein Maulwurf einige Spangen nach oben gedreht haben, weil zwei nach oben ragen und nur knapp unter der Grasnarbe lagen, wodurch die Sonde sie registrieren konnte. Die Wiese rund um den Fundort ist übersät mit Maulwurfshügeln.

Huber hat sich nach seinem Fund gleich an das Landesamt für Denkmalpflege gewandt. Das Amt hat dann das Zornedinger Archäologiebüro von Ramona Baumgartner mit der Bergung des "Spangenhorts" beauftragt. Die Archäologin lobt das Verhalten Hubers als vorbildlich. "Genauso soll das laufen. Häufig gebe es bei der Zusammenarbeit von Sondengängern und Archäologen Reibereien, "aber das war hier nicht so", sagt sie. Dass Hobbysucher ihre Funde gleich den zuständigen Stellen mitteilen anstatt sie selbst auszugraben, ist laut der Archäologin keine Selbstverständlichkeit.

Der Finder Franz Huber bewertet seinen Fund als spektakulär für den Landkreis Ebersberg. "Aber natürlich nicht vergleichbar mit Erding", räumt er ein. In Oberding im Nachbarlandkreis Erding wurde 2014 ein Depot von fast 800 Spangenbarren gefunden.