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Aßling:Gesund und ehrenamtlich aktiv

Viele Pendler nutzen den Aßlinger Bahnhof, auch die Senioren würden gerne öfter Zug fahren und wünschen sich mehr Barrierefreiheit an der Station.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Laut einer Umfrage sind die Senioren in Aßling mit der Gesamtsituation zufrieden, wünschen sich aber mehr Barrierefreiheit

Von Carolin Fries, Aßling

Die Senioren in Aßling scheinen überwiegend ziemlich fit und engagiert zu sein. Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommt die Umfrage "Älterwerden im Landkreis Ebersberg", die das Landratsamt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde zuletzt durchgeführt hat. Basierend auf dem seniorenpolitischen Gesamtkonzept des Landkreises wurden im November umfangreich Daten in der Gemeinde abgefragt. Ziel ist es, Handlungsfelder und Maßnahmen zu priorisieren und die Akteure in der Seniorenarbeit vor Ort zu unterstützen. Am Montagabend präsentierte Dominik Redemann, Mitarbeiter der Seniorenbeauftragten des Landkreises, die Ergebnisse auf Einladung des Agenda-Arbeitskreises Senioren im Aßlinger Ratszimmer etwa 20 Zuhörern.

Zehn Kommunen hatten sich bereits vor geraumer Zeit an der Umfrage beteiligt, Aßling zog nun nach. Insgesamt 85 Umfragebögen von Aßlingern, die älter als 60 Jahre sind, wurden ausgewertet. Die Ergebnisse könne man deshalb kaum als repräsentativ werten, sagte Götz Schindler, Sprecher des Arbeitskreises. Doch ein Anhaltspunkt seien sie allemal. Durchschnittlich ist der Senior in Aßling 69,21 Jahre alt und damit ein wenig jünger als der landkreisweite Durchschnitt mit 73,33 Jahren. Mehr als 40 Prozent sind zwischen 66 und 75 Jahre alt und verheiratet (64,3 Prozent). Ein Viertel der Senioren ist verwitwet - mehr Witwen und Witwer gibt es laut der Umfrage nur in Oberpframmern. Mehr als 60 Prozent lebt bereits seit mindestens 20 Jahren in der Gemeinde und zwar in einem eigenen Haus. Lediglich knapp 13 Prozent der Senioren leben in einer Mietwohnung, fünf Prozent in einem Mietshaus. Traurig, aber wahr: 30 Prozent der älteren Menschen in Aßling leben alleine. In keiner anderen der zehn teilnehmenden Gemeinden sind das so viele. Und das, obwohl bereits mehr als 30 Prozent der Senioren zusammen mit ihren Kindern wohnen. Ein anderes Zuhause als die eigenen vier Wände kommt für die meisten nicht in Frage. Nur betreutes Wohnen können sich etwa 40 Prozent der älteren Menschen noch vorstellen. Einen Umzug in ein anderes Haus oder eine andere Wohnung kommt nur für jeden fünften infrage. Das ist insofern problematisch, als lediglich 16 Prozent der Senioren ihre aktuelle Wohnsituation als geeignet halten, sollte eine Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit eintreten.

Mit den vorhanden Einkaufsmöglichkeiten, der medizinischen Versorgung und den Dienstleistungen im Ort sind die Aßlinger Senioren mehr als zufrieden, wie die Umfrage zeigt. Lediglich Ampeln, Zebrastreifen und Querungsmöglichkeiten werden noch vermisst. Unterm Strich aber schätzen die Aßlinger die Sicherheit im Ort als gut ein. Auch die Verkehrsanbindung bekommt eine gute Bewertung, die meisten Aßlinger Senioren sind mit dem Auto unterwegs (90,6 Prozent). Sowie zu Fuß. Was sicher auch damit zusammenhängt, dass 16,7 Prozent ihre gesundheitliche Situation als sehr gut ein schätzen, knapp 70 Prozent als gut.

Das Besondere in Aßling ist das Engagement der Senioren. Nahezu jeder informiert sich über Angebote und Veranstaltungen im Ort, besonders beliebt sind informative und kulturelle Veranstaltungen sowie kirchliche Angebote. Dass es spezielle Angebote für ältere Menschen gibt, ist 60 Prozent der Aßlinger wichtig. Im landkreisweiten Schnitt legen darauf lediglich 45 Prozent Wert. Das mag daran liegen, dass viele Senioren in Aßling noch berufstätig sind (31 Prozent) und gewiss auch daran, dass 58 Prozent ihre finanzielle Lage als gut einschätzen. Vielleicht aber gibt es auch einen anderen Grund: fast die Hälfte der Senioren in Aßling engagiert sich ehrenamtlich, insbesondere im sozialen Bereich. Das sind deutlich mehr als in in jeder anderen befragten Kommune. Lediglich jeder fünfte ältere Mensch in Aßling hat kein Ehrenamt übernommen.

Sollten die Kräfte einmal nachlassen, kann sich jeder Zweite vorstellen, nach dem Modell des betreuten Wohnens zu leben oder ambulante Pflege in Anspruch zu nehmen. Ein Altenheim am Ort steht auf der Wunschliste der älteren Aßlinger auf Platz sechs. Ganz oben steht der Wunsch nach Ampeln und Zebrastreifen, generell nach mehr Barrierefreiheit im Ort, etwa am Bahnhof, gefolgt von einer besseren verkehrlichen Anbindung vor allem am Wochenende. Und womit sind die Senioren in Aßling schon zufrieden? Mit dem sozialen Klima, der Infrastruktur und der Gemeindeverwaltung.

© SZ vom 02.03.2016
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