AßlingDer Südsudan als Vorbild

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Bayernpartei fordert in Emmering nichts weniger als die Selbständigkeit für den Freistaat

Alexandra Leuthner

AßlingAlso, die Bayern, das Volk und sein Land, muss man nicht lang suchen auf der Landkarte, immerhin sind es zwölf Millionen Menschen, die hier leben und damit ein paar mehr als der kleinste EU-Mitgliedsstaat Malta an Einwohnern hat. Doch dazu später. Will man aber zur Bayernpartei, respektive zu einem Treffen derselben, so muss man schon mal ein Stückchen fahren - oder besser ein "Stückerl", schließlich hält man die bayerische Sprache hier hoch - Sprache, nicht Dialekt wohlgemerkt.

Aus der preußischen Hauptstadt Berlin sei "noch nie was Guats für Bayern gekommen". Sagt Sepp Lausch von der Bayernpartei.
Aus der preußischen Hauptstadt Berlin sei "noch nie was Guats für Bayern gekommen". Sagt Sepp Lausch von der Bayernpartei. (Foto: EBE)

25 Menschen mit Mitgliedsausweis oder Sympathie für die Bayernpartei jedenfalls trafen sich am Donnerstagabend im allerletzten Winkel des Landkreises, in Emmering, was fast schon im Landkreis Rosenheim liegt und wo die Orte Namen wie "Einholz" tragen oder einfach "Haus". 25 Menschen, das ist ein 480-Tausendstel der bayerischen Einwohnerschaft. Auf Malta entspräche die Zahl immerhin 0,001 Prozent der Bevölkerung, ein Vergleich der uns dem Zweck des abendlichen Treffens im Nebenraum des Landgasthofs Bruck deutlich näher bringt. Wir nämlich, die vielen Bayern, haben in Europa nichts zu sagen, weil wir ja einst von Preußen annektiert wurden und somit seit 140 Jahren unter dem Büttel der Pickelhaube stehen. Die 400 000 Malteser aber, die können mitreden in Brüssel. Dort wird regiert - und in der preußischen Hauptstadt Berlin, aus der "noch nie was Guats für Bayern" hergekommen ist, und wo sie nur von dem leben, was wir Bayern in den großen gemeinsamen Topf hineinzahlen an Krankenkassenbeiträgen, Bundesfinanzausgleich, Sozialbeiträgen etcetera. 31,5 Milliarden nennt Josef Lausch, Kreisrat in Rosenheim, als Gesamtzahl. Inflationsbereinigt gehe in einem Jahr mehr in den Topf hinein, "als wir in 40 Jahren heraus bekommen haben."

Und deshalb soll Bayern raus aus Deutschland; Rosenheim, Ebersberg, Freising und Berchtesgaden sollen von München aus regiert werden, die Oberpfälzer und Niederbayern ebenfalls, und, gut, über die Mittelfranken und Schwaben könnte man dann ja noch diskutieren. Schließlich hatte Bayern im Jahr 976 - vor nur 1035 Jahren also - Grenzen, die zwar Bozen und den Plattensee mit einbezogen, nicht aber Augsburg und Nürnberg. "Man könnte also guten Gewissens behaupten, der Bozener und der Meraner ist stammesgeschichtlich unser Bruder, der Augsburger und der Nürnberger aber nicht." Sagt jedenfalls Josef Lausch, der die Bilanz zog über 140 Jahre Bayern unter preußischem Diktat. Im Privatleben war er früher Bayerischer Vorplattler und hat einen Einmann-Beratungsbetrieb für regenerative Energien gegründet. Dass es ihm, dem "geläuterten Ex-CSUler" um seine bayerische Heimat geht, steht völlig außer Frage, und dass er von seiner Sache, der Rückkehr zur bayerischen Selbständigkeit, überzeugt ist, auch. "Wir brauchen einen Neuanfang", sagt er, allzu viele Missstände müsse das Land Bayern, das weder unbedeutend - siehe Malta - noch rückständig sei - vielleicht ein bisschen bedächtiger als anderswo - inzwischen verkraften. So würden Tag für Tag 16 Hektar im Freistaat zugepflastert, was viel mit Vorgaben aus Brüssel zu tun habe, gegen die man sich in Berlin nicht stemme. Ob Schröder oder Merkel, was die "im Süden" machen, sei denen doch egal. Und weil man von der CSU mit ihren gerade mal 5400 Facebook-Freunden ohnehin enttäuscht ist - auch der Kreisvorsitzende der Bayernpartei in Ebersberg, Christian Eckert aus Hohenlinden ist ein Ausgetretener - müsse es die Bayernpartei jetzt richten. Immerhin, so führte der Landesvorsitzende Florian Weber aus, könne man auf Facebook selbst schon mit 5200 Freunden aufwarten. Was einmal mehr unterstreicht, dass man hier alles andere als rückständig ist und somit einem Austritt Bayerns aus dem Bund gar nichts im Wege steht. Nicht mal das Grundgesetz - das den Fall schlicht nicht regle. Selbst eine eigene Sprache könne man vorweisen, von der Unesco hochoffiziell anerkannt. Der Südsudan habe das doch auch geschafft. Das einzige Gegenargument, das er akzeptieren könne, sagt Florian Weber, wenn jemand sagt: "Ich fühle mich als Deutscher." Eine Volksabstimmung also müsse her, weil in unserer Zeit alles demokratisch sein müsse, so Lausch. Und wenn die dann nicht so ausgehe wie erhofft, könne man damit auch leben. "Hauptsache, das Bier schmeckt und der Biergarten ist offen."

© SZ vom 23.07.2011 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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