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Aschermittwoch bei der Vaterstettener CSU:Die Rache der Selbsthilfegruppe

Bei der Vaterstettener CSU geht es nur am Rande um Politik. Viel wichtiger ist, dass man in der launigen Rede des Fraktionschefs erwähnt wird

So habe er sich den Aschermittwoch nicht vorgestellt, klagte Michael Niebler. Denn eigentlich ist es das Vorrecht des Vaterstettener CSU-Fraktionschefs, am ersten Tag der Fastenzeit über seine Parteifreunde herzuziehen, seit mittlerweile 15 Jahren derbleckt Niebler jeden, der in der Großgemeinde und darüber hinaus Rang und Namen hat. Doch bevor er in diesem Jahr dazu Gelegenheit hatte, wurde er selber das Ziel einiger derber Geschichten.

Vorgetragen wurden diese von Bürgermeister Robert Niedergesäß, der am Aschermittwoch in einer Doppelfunktion vor die mehr als 350 Gäste im Altschütz trat. Denn da Ortsvorsitzender Gerald Fuchs verhindert war, sei ihm nun die Aufgabe zugefallen, nicht nur "die besten Grüße des ersten Bürgermeisters dieser wunderbaren Gemeinde" zu überbringen, sondern auch das Grußwort zu halten. Als sich dies abgezeichnet habe, sei sofort die "Selbsthilfegruppe der Opfer von Michael N." bei ihm vorstellig geworden, so Niedergesäß. Diese habe ihn aufgefordert dem langjährigen CSU-Fastenprediger "auch mal eine mit zugeben". Aus den vielen Informationen, die ihm zugetragen wurden, könnte er eigentlich mehrere Jahre lang zehren, so Niedergesäß. Die sichtlich amüsierten Zuhörer erfuhren etwa, dass Michael Niebler beim Essen so herumbröselt, dass man davon "noch so manches Haustier mitversorgen kann". Außerdem klaue er seinen Fraktionskollegen auf den Gemeinderatssitzungen gerne die Bonbons, "und wirft dann oft mehrere auf einmal ein, um sie anschließend mit höhnischem Grinsen zu zermalmen". Auch dass der Fraktionschef gerne "ganze Handwerker-Bataillone" alarmiere, die das vermeintliche Problem anschließend mittels der korrekten Bedienung eines Schalters lösten oder im Urlaub die Hotelangestellten mit der eindringlichen Forderung "I need more shadow" zum Verrücken des Sonnenschirms anleitete, quittierten die Gäste mit lang anhaltendem Gelächter und Applaus.

Der so "Geehrte" bemühte sich um Schadensbegrenzung: "Bitte glauben sie nicht alles", auch wenn er zugeben musste, "einiges ist wahr". Für die Zukunft werde er aber vorsorgen, so ein Grußwort "wird es nicht wieder geben". Anschließend folgte die traditionelle Rede Nieblers, in der sich zahlreiche Gäste wiederfanden. Etwa Frauen-Union-Chefin Bettina Zetzl, die nach dem großen Erfolg der Frauenparkplätze jetzt auch Frauen-Straßen "ohne diese blöden Kurven" fordert. Oder Dritter Bürgermeister Wolfgang Will (FDP), der sogar für Tipps bei der Speisenwahl im Restaurant Beratungshonorare fordere. Die Politik kam in Nieblers Rede indes nur am Rande vor, etwa dass sich die Mitarbeiter des Landratsamtes schon bald auf einen Chef einstellen müssen, der eisern spare - deshalb wurde das Klopapier im Rathaus kürzlich durch Luftschlangen ersetzt - und keine unterwürfigen Mitarbeiter möge. Denn Robert Niedergesäß schätze es, wenn ihm ein Untergebener "offen ins Gesicht sagt: Ich bin voll und ganz Ihrer Meinung."

Die CSU Vaterstetten war nahezu vollzählig erschienen, Landrat Gottlieb Fauth, zahlreiche Gemeinderäte und alle drei Vaterstettener Bürgermeister waren ebenfalls gekommen. Wie jedes Jahr zog das Aschermittwochsspektakel auch Parteifreunde aus dem ganzen Landkreis an. So waren die Landtagsabgeordnete Christa Stewens aus Poing und ihr möglicher Nachfolger Thomas Huber aus Grafing zu Gast, ebenso der Anwärter auf das Bundestagsmandat, der Frauenneuhartinger Andreas Lenz. Auch Brucks Bürgermeister Josef Schwäbl und der Anzinger Alt-Bürgermeister Richard Hollerith wollten sich das Ereignis nicht entgehen lassen.

Überregionale Prominenz war ebenfalls zu Gast, in Person des Stimmenimitators Michael Birkenfeld. Unter schallendem Gelächter der Gäste ließ dieser etwa Helmut Kohl ein Grußwort an die "Schwesterpartei aus dem Land der Dirndl und Denker" sprechen, Tom Jones ein Duett mit Peter Alexander singen und Franz Josef Strauß über die Zusammenhänge zwischen Kartoffelvolumen und geistiger Kapazität des Landvolkes spekulieren.