Die Kunstbegeisterten in der Region trauern um einen feinen Maler und Menschen: Siegfried Horst aus Anzing ist gestorben. Mit ausdrucksstarken Porträts von Menschen und Tieren hat er die Herzen für sich gewonnen. Er arbeitete mit Grundschulkindern genauso zusammen wie mit Kollegen aus dem In- und Ausland, war aktiv im Kunstverein Ebersberg und Mitbegründer der Gruppe Kunststoff. Horst war gleichwohl bekannt für seinen gekonnten, sicheren Strich wie für einen heiter-liebevollen Blick auf das Leben.
Siegfried Horst wurde 1941 in einem österreichischen Flüchtlingslager geboren. Seine deutschstämmigen Eltern waren aus Rumänien dorthin gekommen, bald ging es weiter nach Deutschland. Bereits als Kind malte und zeichnete Horst viel, sein Talent war wohl offensichtlich. Doch die Zeichen der Zeit standen anders – und so lernte er in Tübingen erst einmal die Schriftsetzerei. Keine schlechte Wahl, denn mit Schichtarbeit in einer Druckerei ließ sich dann doch noch ein Kunststudium finanzieren.

In Kassel studierte Siegfried Horst bei Professor Arnold Bode, dem Begründer der Documenta. Als dessen Assistent half Horst, diese aufzubauen – und kam so in Berührung mit der internationalen Kunstszene. Für den jungen Maler muss das eine ausgesprochen spannende Zeit gewesen sein. Doch es galt, eine Familie zu ernähren, also arbeitete Horst lange als Grafiker.
Seit seiner Kindheit hatte Horst die Welt um sich herum gezeichnet. „Ich habe keine Angst vor einem weißen Blatt Papier. Für mich bedeutet es eine Verheißung, eine Möglichkeit“, sagte er einmal. Bis auf wenige Ausnahmen blieb Horst bei der Gegenständlichkeit in reduzierter Formensprache. Stets räumte er seinen Protagonisten viel Platz ein, verlieh ihnen mit wenigen Strichen und expressionistischer Farbgebung emotionale Tiefe und Charakter.

Der Zweifel gehöre zur Kunst immer dazu, erklärte er kurz vor seinem 80. Geburtstag. „Aber es ist auch wichtig, authentisch zu bleiben.“ Siegfried Horst ist das gelungen: Er ist eindeutig wiedererkennbar, auf jedem Blatt. Und er war produktiv bis zuletzt: „Wenn es gesundheitlich irgendwie geht, muss ich weitermalen.“ Diese Selbstverpflichtung gab ihm nah dem runden Geburtstag Kraft für fast fünf weitere Lebens- und Schaffensjahre.
Auch an den „Offenen Ateliers“ der Gruppe Kunststoff am 16./17. Mai wollte sich Siegfried Horst wieder beteiligen. Der Anzinger plante, sein Haus zu öffnen und dort Einblick zu geben in sein umfangreiches Werk. Doch nun ist es anders gekommen: Einige seiner Bilder werden im Rathaus von Anzing zu sehen sein. Nicht nur die Mitglieder von Kunststoff werden dort „um einen Kollegen und Freund“ trauern.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, 22. April, um 14 Uhr auf dem Anzinger Gemeindefriedhof statt.

