Anzing Schlagabtausch der Kandidaten

Auf den Zornedinger Gemeinderat Peter Pernsteiner entfallen bei der Nominierung 20 Stimmen.

(Foto: Christian Endt)

Peter Pernsteiner will für die FDP in den Bundestag - ebenso Klaus Haase

Von Anselm Schindle r, Anzing

"Die FDP muss zurück in den Bundestag": Diesen Satz bekamen die FDP-Mitglieder, die in Anzing am Donnerstagabend einen Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Ebersberg-Erding aufgestellt haben, gleich zwei Mal zu hören. Das erste Mal vom Anzinger FDP-Gemeinderat Peter Pernsteiner und später noch einmal von Parteimitglied Klaus Haase. Beide stellten sich den 24 anwesenden Stimmberechtigten zur Wahl. Das Votum fiel eindeutig aus, Pernsteiner bekam 20 Stimmen, für Haase stimmte kein einziger Wahlberechtigter, vier FDP-Mitglieder enthielten sich oder wählten ungültig.

Die Mittel, mit denen Haase und Pernsteiner ihre Partei dabei unterstützen wollen, bei den Wahlen im September 2017 wieder in den Bundestag einzuziehen, könnten sich kaum krasser unterscheiden. Während Pernsteiner die Basis dazu aufrief, sich angesichts des erstarkenden Populismus auf demokratische Werte zurückzubesinnen, bezeichnete sich Haase selbst als "Rampensau", er warf Pernsteiner vor, "zu brav" zu sein und einen "Schmusekurs" zu fahren.

Sein Vorbild sei Guido Westerwelle, "der war sich nicht zu schade, aggressiv aufzutreten", sagte Haase. Während der FDP-Kreisvorsitzende Alexander Müller versuchte, Haase auszubremsen, griff dieser Pernsteiner immer wieder scharf an: "So jedenfalls werden wir keinen AfD-Wähler für uns gewinnen", sagte er mit Blick auf seinen Gegenkandidaten, der die FDP im Zornedinger Gemeinderat vertritt. Müller warf er vor, kein Profil zu haben, dieser trete "als CDUler verkleidet" auf. Haase selbst trug eine knallgelbe Kappe und einen FDP-Pullover. Als Marketing-Experte und Unternehmensberater wisse er, wie man Menschen erreiche und begeistere, erklärte der 67-Jährige. Von Müller habe er sich schon anhören müssen, dass er wie ein "Kasperl" auftrete, doch solche Aussagen interessierten ihn nicht.

Unter den Parteimitgliedern erntete er Kopfschütteln. Haase fiel bereits in der Vergangenheit durch querulantische Reden bei Stadtratssitzungen und Bürgerversammlungen auf. Vor etwa einem Jahr wurde sogar ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet, weil er der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Merkel auf Twitter indirekt eine Mitschuld an den Anschlägen in Paris gegeben hatte. Innerhalb der FDP sorgte Haase damit für einigen Wirbel, der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner bezeichnete Haase in der Debatte als "Troll", der "nichts mit der FDP zu tun" habe.

Das Landesschiedsgericht der Bayerischen Liberalen entschied im März, dem Ausschluss-Antrag des FDP-Kreisverbandes Ebersberg nicht zu folgen. Das Schiedsgericht schloss Haase allerdings für zwei Jahre von allen Parteiämtern aus - das Bundesschiedsgericht wiederum kippte diese Entscheidung.

"Ich hatte das nicht auf dem Schirm dass er sich bewerben könnte", sagte Kreisrat Alexander Müller am Freitag. Schließlich sei Haase ja auch österreichischer Staatsbürger - Bundestagsabgeordnete müssen die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Haase erhalte allerdings im kommenden Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft, so Müller.

Der Kreisvorsitzende wertet den Verlauf der Wahl trotz der Streitereien als Erfolg. Schließlich sei neben den Querelen um die Personalie Haase auch über Inhale diskutiert worden - wenn auch nicht lange. Peter Pernsteiner sprach unter anderem die PKW-Maut an, die verhindert werden müsse. Er plädierte für eine Vereinfachung des Steuersystems, die Abschaffung des Solidaritätszuschlages sowie der kalten Progression - Kernthemen der Liberalen.

Vor 18 Jahren zog Pernsteiner, der als freier Journalist arbeitet, von München nach Zorneding, sei 2007 ist er dort im Gemeinderat. Nach zehn Jahren Lokalpolitik wolle er sich nun auf Bundesebene engagieren. "Die Groko dümpelt so vor sich hin", schimpfte Pernsteiner, die Liberalen könntenin dieser Situation für neuen Schwung sorgen.