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Hundeexpertin:Die Profi-Gassigeherin aus Anzing

Hundesittering Elisabeth Faltermeier aus Anzing mit Kundschaft

Elisabeth Faltermeier kümmert sich um Hunde, deren Menschen tagsüber arbeiten müssen und keine Zeit für lange Spaziergänge haben.

(Foto: Privat)

Elisabeth Faltermeier betreibt einen Hol-, Bring- und Spazier-Service für Hunde. Ein Kriterium: Im Auto dürfen sie sich nicht übergeben.

"Wenn Barny nicht gewesen wäre ...", erinnert sich Elisabeth "Lizzy" Faltermeier. Und man spürt, wie viel ihr der schwarze Mischling bedeutet hat. Gut zwanzig Jahre ist das her, die Tochter der gelernten Floristin war damals noch ganz klein. Damals sah vieles danach aus, dass der imposante aber schlecht sozialisierte Hund aus dem Tierheim zum Problemhund wird. "Zumindest dachten wir das", präzisiert die 54-jährige. "Im Nachhinein stellte sich heraus, dass wir es waren, die keine Ahnung hatten." Dieser Zustand musste sich schnell ändern, "denn weggeben war keine Option". Wer hätte so ein unberechenbares Tier schon haben wollen?

Also machte sich die gebürtige Freisingerin schlau, wälzte Fachlektüre, besuchte Schulungen und Seminare. Und stellte erfreut fest, dass sich die Situation durch die Arbeit mit Barny deutlich verbesserte.

Nach dessen Tod wollte sich die Familie nun nicht sofort einen Nachfolger ins Haus holen. Daher ging Faltermeier zunächst lediglich mit den Hunden aus ihrer Nachbarschaft Gassi. Das liegt ihr, merkte sie - also machte die Frau mit den vielen Talenten einen Beruf daraus. Erst in Teilzeit, später dann mit der "Hundebetreuung Die Hundlinge" als Selbständige. So wie sie sich bei ihren früheren Tätigkeiten in Verkauf, Büro und Service "wandelbar und flexibel" in neue Situationen eingearbeitet hatte, geht sie auch hier vor, in der festen Überzeugung "ich vertraue darauf, dass es klappt."

Dabei mussten die Anzingerin und ihr Lebensgefährte sich von der Idee einer Hundetagesstätte verabschieden, weil sie kein passendes Grundstück fanden. Kurzerhand modifizierten sie den Plan: Statt sich ihre Schützlinge bringen zu lassen, holte die Hundebetreuerin sie ab und sorgt dafür, dass die großen und kleinen Fellnasen vier Stunden lang beschäftigt sind. Danach werden sie "ausgelastet und platt" wieder daheim abgeliefert, wo sie auf Herrchen oder Frauchen warten können.

"Wenn die Leute morgens um sieben aus dem Haus gehen und ich komme gegen halb zehn, war der Hund zweieinhalb Stunden allein, dass hält der normalerweise problemlos aus", sagt sie. In die Wohnung oder ins Haus gelangt sie mit dem Schlüssel, den ihr die Kunden übergeben. Eine enge Verbindung entsteht auch aufgrund der angebotenen Rundum-Pflege der Hunde: Sie werden auf Zecken kontrolliert, erhalten bei Bedarf Medikamente. Faltermeier prüft regelmäßig Ohren, Zahnfleisch und Füße auf Verletzungen.

Typischerweise besteht die Gruppe aus zehn bis elf Tieren, reine "Urlaubshunde" nimmt sie nicht. Insgesamt sind es aktuell etwa 17 Hunde, die in wechselnder Besetzung ein- bis fünfmal pro Woche in den weißen Transporter springen. Der selbst ausgebaute Wagen enthält zwölf doppelstöckig angebrachte Boxen. Jede ist mit einer maßgeschneiderten Viscoschaummatratze ausgestattet, im Winter gibt es zusätzlich eine warme Auflage, im Sommer läuft die Klimaanlage. "Es kommt vor allem darauf an, dass das Fahrzeug gut isoliert ist und dass ich weiß, was hinten passiert - darum gibt es auch keine Trennwand." Meist bricht sie gegen 8.15 Uhr zum Daglfinger Hundeplatz auf, ihre Route führt über Pliening - Poing - Baldham/Vaterstetten - Feldkirchen, zweimal die Woche auch über Zorneding.

"Das muss mit Fingerspitzengefühl und ganz viel Ruhe gemacht werden."

Aus diesem Grund nimmt sie nur Hunde, die weder Angst vor dem Autofahren haben, noch sich dabei übergeben müssen. Auch gibt es bei neuen Anwärtern eine regelrechte Eingewöhnung. "Das muss mit Fingerspitzengefühl und ganz viel Ruhe gemacht werden." In diesen Fällen wird Faltermeier, die im Normalfall allein mit dem Rudel unterwegs ist, von ihrer Tochter unterstützt. Die studiert Lehramt und hat ein gutes Gespür für das, worauf es vor allem ankommt: "Der Mensch am anderen Ende der Leine muss ein guter Chef sein, immer mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Seine Ausstrahlung muss zeigen: Ich kenne den Weg, habe einen Plan und weiß genau, was ich will." Ein Hund merke die kleinste Verunsicherung und nutze sie aus, kenne er doch seine Besitzer ganz genau.

Bei den "Hundlingen" wiederum gäbe es zwar viele Freiheiten, gleichzeitig aber klare Regeln und Grenzen, sowie eine feste Struktur. Was auch bei jedem funktioniere - "vielleicht nicht gleich schnell, aber im Endeffekt doch" sagt die Profi-Gassigeherin und lacht, die in diesem Beruf ganz offensichtlich ihre Berufung gefunden hat. Außerdem kann sie ihren zehnjährigen Tierheim-Mischling Diego zur Arbeit mitnehmen.

Am Ende des Gesprächs bittet die Tierfreundin darum, ihren größten Wunsch und dringendstes Anliegen weiterzutragen: "Bitte, bitte, liebe Leute, schafft euch nicht unüberlegt ein Welpen an, das ihr dann nach drei Monaten, sobald die ersten Probleme auftauchen, als unbequemen Junghund wieder im Tierheim "entsorgt"!"

Die Expertin beklagt den Wunsch vieler Menschen nach einem Hund, "der keine Arbeit macht, nix kostet, nicht bellt, nicht beißt, nicht sabbert ..." Darum appelliert sie an alle, sich vor der Anschaffung eines Hundes ganz genau zu überlegen, ob man bereit ist, ihm über eine Lebensspanne von 16 bis 17 Jahren die benötigte Zeit, Pflege und Fürsorge angedeihen zu lassen. Wenn ja, dann solle man sich auch im Tierheim umschauen, auch da gäbe es tolle Hunde, bei denen man vieles auch wieder geradebiegen könne. Hierbei hilft Erfahrung. Wie Elisabeth Faltermeier sie dank Barny erwerben konnte.

© SZ vom 27.04.2020/koei

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