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Anzing:Der Weinbeisser lebt

Anzing Weinbeisser neue Wirte

Dirk Zeilmann (links) und Stefan Oelze wollen den Weinbeisser zu neuem Leben erwecken, in der Mitte Conny Hoffmann als Pate für die Kunst.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Anzinger "Weinbeisser" feiert Auferstehung. Die Gastronomen Stefan Oelze und Dirk Zeilmann wollen die lange Tradition der Kleinkunstbühne als beliebten Treff für Gäste von nah und fern weiterführen - mit ein paar Neuerungen.

Er sei da so "reingerutscht", sagt Stefan Oelze und lacht ergeben. Aber was hätte er auch tun sollen? Dem Charme des Böglhofs im geruhsamen Anzinger Ortsteil Obelfing war der 44 Jahre alte Koch und Gastronom schon erlegen, bevor er zusammen mit dem Münchner Barmann Dirk Zeilmann einen Pachtvertrag für den "Weinbeisser" unterschrieb. Doch nun scheint er sich zu freuen wie Bolle und ist fest entschlossen, aus der von Besuchern aus nah und fern heiß geliebten Kultur-Taverne eine Erfolgsgeschichte zu machen: Am 14. Oktober ist Wiedereröffnung.

Oelze war Gastronom in Sonnenhausen, außerdem betreibt er das Restaurant "La Kaz" in München. Den "Weinbeisser" kennt er als Gast aus der Zeit, als der Musiker Rudi Zapf die Gäste bei Wein, Musik und Literatur bewirtete. Auch der 44-jährige Zeilmann, der in angesagten Münchner Bars Geschäftsführer war, unter anderem im Kunstpark Ost, und ein Café in Obergiesing betreibt, war sofort Feuer und Flamme. "Als ich hier das erste Mal reinkam habe ich mir gedacht: 'Wow, ist das schön!'"

Ebenso empfinden von jeher Stammgäste, die seit der Schließung im Dezember 2013 ihre gute Stube, in der man so schön eng saß, vermissen. Hoffnung schöpften sie, als sich im Spätherbst 2014 Herbert Westermeier, Sohn des Eigentümers Wolfgang Westermeier - der im Mai dieses Jahres starb - entschloss, den Hof, in dem er aufgewachsen ist, zu übernehmen.

15 Plätze mehr als vorher

"Ich bin froh, dass wieder Leben ins Haus kommt", sagte er damals und ließ den Gastraum umbauen. Das Zimmer mit etwa 35 Plätzen wurde vergrößert, so dass 50 Gäste Platz haben, ein neuer Ofen wurde angeschafft, die Wände sind mit Holz verkleidet, auf dem Boden wurden Eichendielen verlegt, die Tische sind aus dem grob behauenen Eichenholz ausrangierter Bahnschwellen gefertigt.

Doch dann kam alles anders: Herbert Westermeier, der eine Messebaufirma betreibt, sah sich aufgrund beruflicher und familiärer Verpflichtungen und Schickalsschläge nicht in der Lage, den Traum zu verwirklichen. Lange Zeit, so Conny Hoffmann, habe man nach einem Nachfolger gesucht. Doch die Bewerbungen, die eingingen, hätten nicht gepasst. Schließlich sei der Weinbeisser nicht irgendeine Kneipe. "Die Angebote waren zum Teil nicht seriös", berichtet Hoffmann. Also klopfte er, dem für sein zweites Zuhause nur die Besten gut genug sind, bei Stefan Oelze an - und fand die Tür offen.

Nun ist der Umbau fertig. Gemütlich ist es im Gastraum immer noch, aber die Gäste, die an einem Tisch sitzen, müssen einander nicht mehr auf die Pelle rücken oder unter dem Tisch fußeln. Neue Fliesen im Flur und ein paar andere behutsame Veränderungen verleihen dem Beisel ein wenig edle Patina. Und Platz für eine kleine Bühne, den gibt es auch - genau gegenüber der Theke.

Das Logo: Ein Glas, dem eine Ecke fehlt

Geplant sind ein bis zwei kulturelle Veranstaltungen im Monat. Einen Spielplan gibt es zwar noch nicht, aber Conny Hoffmann als treu sorgender "Intendant", wie Oelze sagt, wird wie eh und je Musiker und Kabarettisten ansprechen oder besser noch: heimholen in den Weinbeisser; waren ja schließlich fast alle schon mal da. Einige sammelten hier ihre ersten Bühnenerfahrungen und -erfolge.

Der behutsamen Modernisierung tragen auch Speise- und Weinkarte Rechnung - das Logo ist ein Glas, dem eine Ecke fehlt. Oelze wird Brotzeiten servieren, Rahmfleckerl etwa, Schweine-Rillette vielleicht, Fingerfood in Richtung alpenländisch-mediterran. Eine Küche gibt es hier auch künftig nicht. Um die Weine kümmert sich Zeilmann.

Er wird Sorten überwiegend junger österreichischer und deutscher Winzer anbieten. "Winzer, die Neues probieren und nicht für die Masse produzieren." Auch der schöne Hof soll genutzt werden. Im Sommer können die Gäste draußen sitzen und die Ruhe genießen, es wird Bier- und Weinproben geben. Und natürlich kann man den Hof auch für private Feste für bis zu 150 Personen mieten.

"Was wir hier machen ist ein Versuch", sagt Oelze, als bloßes Experiment oder gar Hobby sieht er sein Engagement für den Weinbeisser jedoch nicht. Dafür hat er das kleine Lokal mit der bewegten und bewegenden Vergangenheit längst viel zu gern.

Eröffnet wird der Weinbeisser im Böglhof am Freitag, 14. Oktober. Öffnungszeiten sind Donnerstag bis Samstag von 17.30 Uhr bis Mitternacht. Zur Eröffnung wird es Musik geben. Abends um 23.30 Uhr fährt ein Bus, der vor der Türe hält, zur S-Bahn. Reservierungen unter Telefon (0151) 15 51 53 46 und derweinbeisser@t-online.de

© SZ vom 01.10.2016/koei
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