bedeckt München 11°
vgwortpixel

Anzing:30 Jahre unter Freunden

Die Freunde und Macher des Weinbeissers im Anzinger Ortsteil Oblfing freuen sich über bunte 30 Jahre - und auf die Zukunft.

(Foto: Christian Endt)

Der Weinbeisser in Anzing feiert am kommenden Sonntag, 10. September, mit einem großen Hoffest seinen Geburtstag

An den Hagel von 1984 können sich wohl noch viele gut erinnern - hat er doch verheerende Schäden an Häusern und Autos hinterlassen. Und doch ist ihm auch etwas Gutes entwachsen: Ohne das durchsiebte Dach des Böglhofs in Oblfing bei Anzing gäbe es heute keinen Weinbeisser. Dessen Gründer nämlich, Conny Hoffmann, ein damals gerade zugezogener Theater- und Filmmensch, half bei der Reparatur des Dachs - und lernte dabei die Nachbarschaft samt Hofbesitzer Wolfgang Westermeier kennen. "Nach der Arbeit saßen wir alle bei einer Brotzeit zusammen", erzählt er heute, "und da habe ich gefragt, ob nicht jemand einen Lagerraum wüsste". Hoffmann nämlich, ein Sachse mit Südtiroler Frau, wollte den Bayern Wein verkaufen, sozusagen der Völkerverständigung wegen. Schnell gab ein Wort das andere, am Ende des Tages war ein Weinlager im Böglhof samt Probierstube beschlossene Sache, die Idee des Weinbeissers geboren.

"Aber ich war damals schon ziemlich naiv, ich hatte keine Ahnung, wie viele Auflagen man bei so einem gastronomischen Projekt erfüllen muss", gesteht Hoffmann. Viel sei diskutiert worden, auch zwischen den Ämtern. Gibt es einen Fluchtweg? Oder genügen im Notfall die niedrigen Fenster? "Letztlich hatte ich aber Glück, denn für ein Lokal mit nur 35 Plätzen gab es viele Ausnahmen." Dass sich dann meist viel mehr Menschen im Weinbeisser aneinander drängen würden, konnte der Wirt ja noch nicht ahnen. Und die Nachbarn auch nicht. "Eine hat mir nur vier Wochen gegeben - die musste ich herbe enttäuschen", sagt Hoffmann und grinst bübisch.

Im September 1987 schließlich öffnete der Weinbeisser seine Tür - und entwickelte sich rasch von der Probierstube zur angesagten Galerie samt kleinster Kleinkunstbühne. Wirt und Hausherr waren bald gute Freunde und teilten sich die Aufgaben: "Wolfgang kümmerte sich um das weibliche Publikum, ich um Wein und Speck", scherzt Hoffmann. 30 Jahre ist die Eröffnung nun also her - ein Jubiläum, dass der Weinbeisser am Sonntag, 10. September, mit einem großen Hoffest feiert. Die beiden neuen Wirte, Dirk Zeilmann und Stefan Oelze, empfangen von 11 Uhr an die Gäste bei gutem Wetter im Innenhof, wo verschiedene Künstler auftreten. Dazu gibt es leckeren Wein, Fassbier und Gegrilltes.

An dem Geburtstagsfest dabei sein werden wohl auch all diejenigen, die den Weinbeisser "mit hochgesoffen haben" - so nennt es jedenfalls Hoffmann. Da ist zum Beispiel Reinhard Grill, der Fotograf, der mehr als ein Dutzend Vernissagen im Böglhof organisiert hat und das bunte Treiben früherer Tage visuell festgehalten hat. Er ist dem Haus bis heute eng verbunden, nicht zuletzt, weil seine Tochter Lisa im Weinbeisser ihre große Liebe, Wirt Oelze, kennengelernt hat. Oder Uwe Reckmann, ein Hobbymusiker, dem Hoffmann mit seiner Band Just Skiffle zu ersten Auftritten verholfen hat. "Ich habe damals wirklich deinen Mut bewundert", sagt Reckmann.

Weiter geht die Reihe der Freunde mit Michael Gruber, alias Mike, stellvertretend für einen Stammtisch, der den noch jungen Weinbeisser mit reichlich Leben füllte. "Plötzlich seid ihr dagewesen", staunt Hoffmann noch heute - mit Tischkegeln, alten Schlagern und viel guter Laune im Gepäck. Zu schätzen wusste diese Qualitäten offenbar auch Klaus Froschmaier, der den Weinbeisser mit seiner Cateringfirma immer öfter unterstützte. "Teils war ich hier sogar Nebenerwerbskellner", sagt er und lacht.

Hoffmann ist zwar nicht mehr für Küche und Bar, aber immer noch fürs Programm verantwortlich. "Unser Superintendant", sagt Oelze und grinst, "schaut jeden Abend nach dem Rechten". Die nächste Saison startet am 20. September mit Peter Hegers "Boogie meets Classic", und am 18. Oktober fragt Kabarettist Thomas Schreckenberger: "Ene, mene, muh - wem traust du?". Am 8. November kommt das Trio Kabarest mit "München", und Turmschreiber Helmut Eckl verkündet am 13. Dezember, "Alte Männer füttern keine Enten". Einlass ist von 18 Uhr an, Programmstart um 20.30 Uhr. Reservierungen per E-Mail an derweinbeisser@t-online.de.

© SZ vom 07.09.2017
Zur SZ-Startseite