An der B 304 "Man muss schon fast lebensmüde sein, wenn man da vorbeigeht"

Endstation: Wer als Fußgänger in diesen Tagen am neuen Kinderhaus in Kirchseeon vorbei will, muss auf die Bundesstraße ausweichen.

(Foto: Christian Endt)

Weil er derzeit kaum passierbar ist, halten Bürger den Gehweg am neuen Kirchseeoner Kinderhaus für ein Sicherheitsrisiko

Von Andreas Junkmann, Kirchseeon

"Da ist mir wirklich das Herz in die Hose gerutscht", sagt Robert Würfl über jenen Sonntagabend Anfang Dezember. Der Rentner aus Kirchseeon ist gerade mit dem Auto auf dem Heimweg von seiner Tochter in München. Es ist stockfinster. Auf Höhe des neu gebauten Kinderhauses am Spannleitenberg fährt vor ihm ein kleiner Transporter. "Plötzlich zieht der ohne zu blinken nach links weg", erinnert sich der 80-Jährige. Vor sich im Scheinwerferlicht sieht er einen Fußgänger, der auf der Bundesstraße läuft. Würfl reißt das Lenkrad herum und kann ebenfalls gerade noch ausweichen. "Es ist ein Riesenglück, dass da nichts passiert ist."

Dieser Abend gab Robert Würfl dennoch zu denken. Vor allem deshalb, weil er als Anwohner mit so einer Situation bereits gerechnet hat. Den Grund dafür sieht er in dem Gehweg, der am neuen Kindergartengebäude direkt an der B 304 vorbeiführt. "Man muss schon fast lebensmüde sein, wenn man da vorbeigeht", sagt Würfl. Der Fußgängerweg sei an dieser Stelle so schmal, dass er "eigentlich gar nicht mehr vorhanden ist". Gerade jetzt, wenn auch noch Bauzäune darauf abgestellt seien, bleibe den Leuten keine andere Möglichkeit, als auf die Bundesstraße auszuweichen.

Hoffnung darauf, dass sich die Situation entspannt, sobald die Bauarbeiten endgültig abgeschlossen sind, hat Würfl nicht. Der Bau sei viel zu nah an die Straße gesetzt worden, und im Gegensatz zum benachbarten ehemaligen Polizeigebäude sei dadurch kein Platz mehr für einen vernünftigen Gehweg. "Da kann man doch keine Kinder rauf schicken", sagt der Rentner, der den Bau direkt an der viel befahrenen Bundesstraße für nicht weniger als "eine Katastrophe" hält.

Auch bei der SPD hält man die Stelle für gefährlich

Mit seinen Bedenken hat sich Würfl an die SPD-Fraktion im Marktgemeinderat gewandt und dort offenbar Gehör gefunden. Denn in der jüngsten Sitzung des Gremiums sprach Thomas Kroll die Thematik an und erkundigte sich, wie lange die Arbeiten an der Fassade noch andauern würden. "Ich halte den Gehweg für eine Gefahrenzone", sagte Kroll an die Adresse von Bürgermeister Udo Ockel (CSU). Erst wenn die Fenster geliefert worden seien, könne die Fassade fertiggestellt werden, entgegnete der Rathauschef. Das solle aber so schnell wie möglich passieren. Solange sei an der Stelle mit Einschränkungen zu rechnen.

Wie Ockel weiter erklärte, wurde der Gehweg bei den Bauarbeiten am neuen Kinderhaus teilweise zerstört und müsse neu angelegt werden. Der Auftrag dafür sei aber schon erteilt. Der Bürgermeister sieht die ganze Sache ohnehin etwas gelassener. "Dieses Stück wird eh nur sehr wenig begangen", so Ockel.

Mit seiner Forderung nach mehr Sicherheit in diesem Bereich ist Robert Würfl indes nicht gänzlich allein. Auch bei der Kirchseeoner Bürgerversammlung Ende November fragte eine Bürgerin an, ob man nicht die Geschwindigkeit auf der Bundesstraße von Grund- und Mittelschule bis zum Kinderhaus auf 30 Stundenkilometer begrenzen könne. Dieser Vorschlag sei nicht umsetzbar, sagte Bürgermeister Ockel damals. Man habe das geprüft, aber eine solche Beschränkung sei nur auf jener Seite möglich, auf der die Haupteingänge liegen.