JustizIn Ebersberg gibt es nur noch einen Richter

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Die Arbeitsbelastung für die Beschäftigten am Ebersberger Amtsgericht ist nach wie vor hoch.
Die Arbeitsbelastung für die Beschäftigten am Ebersberger Amtsgericht ist nach wie vor hoch. Foto: Christian Endt
  • Anne Leiding ist seit September 2025 neue Direktorin des Ebersberger Amtsgerichts und hat Benjamin Lenhart abgelöst.
  • Sechs neue Richterinnen kamen 2025 dazu, wodurch die Frauenquote in der Richterschaft auf 90 Prozent gestiegen ist.
  • Die Betreuungsverfahren stiegen von 164 auf 276 Fälle, während Verkehrsordnungswidrigkeiten um ein Viertel zurückgingen.
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Am Amtsgericht in der Kreisstadt tut sich einiges – nicht nur, was die Fälle betrifft. Durch Personalwechsel ist die Frauenquote in der Richterschaft auf mittlerweile 90 Prozent gestiegen.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

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Seine Fische waren einem Mann aus dem Landkreis wichtig, das wusste die ehemalige Lebensgefährtin. Man war nicht freundlich auseinandergegangen, die Frau sann auf Rache: Mit Spülmittel vergiftete sie die Fische im Aquarium und filmte das mit. Das Video schickte sie ihrem Ex-Freund mit der Drohung, er solle genauso sterben wie die Fische. Ganz so dramatisch endete die Geschichte glücklicherweise dann doch nicht, stattdessen landete die Frau vor dem Ebersberger Amtsgericht, wo sie wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, Sachbeschädigung und Bedrohung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Dieser Fall ist einer der kurioseren aus dem vergangenen Jahr, an die sich der stellvertretende Amtsgerichtsdirektor und Pressesprecher Frank Gellhaus gut erinnert. Nicht alle Fälle blieben derart lebendig im Gedächtnis wie dieser – doch auch 2025 gab es viel zu tun und viel Bewegung im Gerichtsgebäude an der Ebersberger Bahnhofstraße.

Anne Leiding ist seit September 2025 Direktorin des Amtsgerichts.
Anne Leiding ist seit September 2025 Direktorin des Amtsgerichts. Foto: Stephan Rumpf
Frank Gellhaus unterstützt sie als Stellvertreter und Pressesprecher.
Frank Gellhaus unterstützt sie als Stellvertreter und Pressesprecher. Foto: Peter Hinz-Rosin

Das fängt damit an, dass eine neue Chefin dort eingezogen ist: Anne Leiding hat im September diese Aufgabe von Benjamin Lenhart übernommen, der nach Starnberg gewechselt ist. Außer ihr gibt es aber noch viele andere neue Gesichter im Richter-Team – und zwar ausschließlich weibliche: Sechs neue Richterinnen sind im vergangenen Jahr dazu gekommen und haben Kolleginnen und Kollegen ersetzt, die aus verschiedenen Gründen ausgeschieden sind. Das bedeutet freilich auch, dass die Frauenquote in der Richterschaft mittlerweile auf 90 Prozent gestiegen ist. Frank Gellhaus ist derzeit der einzige Mann im Team.

Nicht geändert hat sich, dass es viel zu tun gibt. „Die Belastung ist stabil, aber hoch“, so Gellhaus bei einem Pressegespräch, wobei sich bei der Art der Fälle durchaus Veränderungen ergeben. Das auffälligste Faktum ist wohl die Tatsache, dass sich die Menschen im Landkreis im Straßenverkehr gesitteter zu benehmen scheinen – oder aber einsehen, dass bei einem Verstoß Strafe sein muss: Die Zahl der Verfahren wegen Verkehrsordnungswidrigkeiten ist jedenfalls um ein Viertel zurückgegangen. Vielleicht, so Gellhaus, könnte das an der Tatsache liegen, dass die Menschen im Landkreis inzwischen den fest installierten Blitzer am Kirchseeoner Ortseingang kennen – und entsprechend vorsichtig fahren. Im Jahr zuvor hatten die Einsprüche gegen die Bußgeldverfahren den Beschäftigten am Ebersberger Amtsgericht viel Arbeit gemacht.

Die Zahl der Betreuungs- und Unterbringungsverfahren ist gestiegen

Gestiegen ist hingegen die Zahl der Betreuungsverfahren, waren es 2024 noch 164, wurden im vergangenen Jahr 276 derartige Verfahren registriert. Über die Gründe können auch die Fachleute vom Ebersberger Amtsgericht nur spekulieren, aber eins müssten sich die Menschen klarmachen, so Gellhaus: Wer sich frühzeitig um eine Vorsorgevollmacht kümmere, könne vermeiden, dass im Krisenfall das Gericht einen Betreuer oder eine Betreuerin bestellen müsse.

Nach oben gegangen ist auch die Zahl der Unterbringungsverfahren, 2025 waren es 1543 und somit 124 mehr als im Vorjahr. Unterbringungen sind freiheitsentziehende Maßnahmen, die gegen psychisch kranke Menschen verhängt werden und deren Ziel der Schutz vor Selbst- oder Fremdgefährdung ist. Hier gibt es hohe Hürden, wie Anne Leiding unterstreicht – aus gutem Grund, die Unterbringung sei schließlich wie Gefängnis, nur ohne vorher festgesetzte Dauer. „Einen größeren Eingriff in das Leben eines Menschen gibt es praktisch nicht.“

Etwas abgenommen hat die Zahl der Verfahren wegen Kinderpornografie: 18 Angeklagte standen 2025 aus diesem Grund vor Gericht, in den Jahren 2024 beziehungsweise 2023 waren es 27 und 26 Verfahren gewesen. Viele der Fälle waren in der Vergangenheit durch Hinweise aus den USA aufgerollt worden: Das National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) geht Fällen von missbrauchten oder entführten Kindern nach, verfolgt dabei Spuren im Internet und arbeitet mit Strafverfolgungsbehörden in mehr als hundert Ländern zusammen.

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