Kultur in EbersbergKneipe mit Mehrwert

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Was zwei beste Freundinnen wohl so zu erzählen haben? Violetta Ditterich (links) und Lara von Dehn moderieren gemeinsam die erste "Late Night Show" des Alten Kinos.
Was zwei beste Freundinnen wohl so zu erzählen haben? Violetta Ditterich (links) und Lara von Dehn moderieren gemeinsam die erste "Late Night Show" des Alten Kinos. Peter Hinz-Rosin

Das Alte Kino probiert ein neues Format aus: Zwei Wochen lang gibt es eine lockerere Atmosphäre und leicht verdauliche Kleinkunst. Das soll auch ein jüngeres Publikum ins Haus locken.

Von Anja Blum, Ebersberg

Ein Ort, an den man abends ganz spontan gehen kann, ohne groß nachzudenken. Ohne unbedingt vorher das Programm zu checken, ein Ticket zu kaufen oder auf die Uhr zu sehen. So ein Ort soll die „Mehrwert-Kneipe“ des Alten Kinos in Ebersberg sein. „Normalerweise läuft es bei uns ja so ab: Die Menschen kommen ziemlich pünktlich, trinken und essen vielleicht was, genießen die Vorstellung, dann zahlen sie zügig und gehen heim“, sagt Violetta Ditterich vom Team der Kleinkunstbühne. Das sei an den klassischen Kabarett- und Konzertabenden auch völlig okay – doch könnte das Alte Kino nicht noch viel mehr sein? Lässt sich das gewohnte Prozedere nicht auch ein wenig aufbrechen?

Das will die 33-Jährige ausprobieren und hat deswegen das neue Format der Kneipe mit Mehrwert ersonnen. Zwei Wochen lang, von 23. Oktober bis 2. November, wird der kleine Kulturtempel also mal ein etwas anderes Flair und Programm bieten. Und auch etwas andere Regeln. Ein „zu spät“ zum Beispiel soll es dann nicht geben. „Die Tür steht immer ab 19 Uhr weit offen“, sagt Ditterich, „auch wer erst nach dem Restaurantbesuch noch auf ein Glas vorbeikommt, ist herzlich willkommen.“ Und ein Ende fänden diese Abende erst, wenn die Gäste weg seien. Zum Bleiben bewegen soll sie auch ein Haus-DJ, der nach allen Veranstaltungen zur Verfügung steht: Lenny Bachmeier legt auf – je nach Stimmung eher ruhig oder tanzbar.

Vorbild für die Mehrwert-Kneipe ist freilich die „Aperitivo-Bar“, mit der das Alte Kino den Ebersbergern schon zwei Sommer versüßt hat. Da gab es reichlich Sitzgelegenheiten im Foyer und draußen vor der Tür, kleine Snacks, coole Getränke und allerhand kreativen Zeitvertreib. „Und wir haben gesehen: So was kann gut funktionieren“, sagt Ditterich, die im Alten Kino unter anderem dafür zuständig ist, neue Formate zu entwickeln. Nun möchte sie erneut ein jüngeres, diverseres Publikum ansprechen, „so von 25 bis 45 Jahre“ – und es noch etwas weiter hineinlocken ins Haus.

Sommer vor dem Alten Kino: Die Aperitivo Bar lud zu Geselligkeit mit allerhand kreativem Zeitvertreib.
Sommer vor dem Alten Kino: Die Aperitivo Bar lud zu Geselligkeit mit allerhand kreativem Zeitvertreib. Christian Endt

Allerdings werde die Atmosphäre dann doch eine andere sein als die der sommerlichen Straßen-Bar. Ditterich schwebt irgendwas zwischen Wohnzimmer, Kneipe und Nachtclub vor – „eher so kuschlig-gemütlich“. Dafür werde man extra umbauen, Sofas, Lampen, Stehtische und allerhand anderes Mobiliar heranschaffen. An der Bar, die durchgehend geöffnet haben wird, soll es feine Getränke und hausgemachte Panini geben.

Doch es wäre nicht das Alte Kino, wenn dieses lockere Kneipenformat nicht eben auch einen kulturellen Mehrwert böte. Auf dem Programm stehen – in zwei Blöcken von jeweils fünf Tagen, immer mittwochs bis sonntags – Quiz, Comedy, Kino, Workshops und Konzerte. Eine bunte Mischung aus leicht verdaulicher Kleinkunst, sympathischen Eigenproduktionen und Abenden, die noch unbekannten Künstlern eine Bühne bieten.

Die Münchner Avantgarde-Pop-Band "SiEA" war schon mal im Alten Kino zu Gast, damals im Livestream, wegen Corona.
Die Münchner Avantgarde-Pop-Band "SiEA" war schon mal im Alten Kino zu Gast, damals im Livestream, wegen Corona. Christian Endt

Los geht es jeweils mit dem bewährten Mittwochskino, zu sehen gibt es in der ersten Woche „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“, eine liebenswerte Hymne an den Austropop, und in der zweiten Woche „Der Junge, dem die Welt gehört“, eine verspielte Reise ins Unbewusste. Am Donnerstag, 24. Oktober, lädt das Team vom Alten Kino wieder mal zu einem Pub-Quiz ein, am Freitag, 25., steht SiEA auf der Bühne, eine Avantgarde-Band aus München: „Diese sieben Musikerinnen bewegen sich elegant zwischen Pop, Jazz, Techno, Indie und Performance und kreieren etwas völlig Neues“, heißt es in der Ankündigung. Die SZ schrieb: „Ein wahres Naturereignis.“

Das zweite Kneipen-Konzert am Donnerstag, 31. Oktober, bestreitet die Singer-Songwriterin Ami Warning mit Band. Sie stellt ihr drittes Album mit dem Titel „Auszeit“ vor: zehn Songs, die zehn Geschichten vom Hadern und Zweifeln, vom Ausbrechen und Ankommen, von Selbstermächtigung und vom Frieden mit sich selbst erzählen. Das Versprechen: „Ami singt von Gefühlen, wie wir alle sie kennen.“

Ami Warning
Ami Warning Christian Endt

An den beiden Samstagen, 26. Oktober und 2. November, ist Stand-up-Comedy geboten. In diesen Mixed-Shows werden sowohl erfahrene Headliner als auch Newcomer auftreten, Ditterich konnte Comedians aus München und aus dem Landkreis Ebersberg dafür gewinnen. Jeder von ihnen hat zwischen zehn und zwanzig Minuten Bühnenzeit, moderiert wird der Abend von der Organisatorin selbst. „Und wenn die Stand-up-Comedy gut angenommen wird, könnte ich mir sehr gut vorstellen, daraus eine Reihe zu machen“, sagt sie.

Ein komplett neues Format kann man am Freitag, 1. November, erleben: die erste „Late-Night-Show“ des Alten Kinos. Die zwei Gastgeberinnen sind Violetta Ditterich und ihre langjährige Freundin Lara von Dehn. Die Münchnerin arbeitet als Producerin für ein Start-up, das Audioerotik für Frauen anbietet. „Ich bin also Sex-Expertin“, sagt die 32-Jährige und lacht. Trotzdem soll die Show der beiden Freundinnen „nicht schlüpfrig“ werden, sondern nur „offen“. Das große Überthema werden Beziehungen sein – „von Freundschaft über Liebe bis hin zur Gesellschaft“, erklärt Ditterich. Geplant sei, der Show eine Art Podcast-Charakter zu verleihen: mit Humor, aber auch Tiefgang, mit Livemusik und diversen Gästen. Ein großes Überraschungspaket also.

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Sonntags ist jeweils Workshop-Tag. Am 27. Oktober kann man sich unter Anleitung von Stefan Blieniger im Improtheater ausprobieren, am 3. November einen Lindy-Hop-Kurs machen. Der Swing-Tanz aus den 1930ern erlebt derzeit – auch dank Filmen wie „La La Land“, Serien wie „Babylon Berlin“ oder Shows wie „Let’s Dance“ – ein großes Revival. Der Kurs wird geleitet von Leonie und Simon Viktor. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, auch Einzelanmeldungen sind möglich. Der Workshop dauert von 16 bis 18 Uhr, danach darf gleich weiter getanzt werden.

Der Eintritt kostet jeweils zehn Euro – mit Ausnahme der Konzerte, diese sind etwas teurer. Für alle, die zu Stammgästen der Mehrwert-Kneipe werden wollen, bietet das Alte Kino eine Art Generalpass an: Für 40 Euro gibt es Zutritt zu allen Veranstaltungen während dieser zwei Wochen. Alle Infos dazu und zum Programm gibt’s online unter https://kultur-in-ebersberg.de/mehrwertkneipe/.

Und je nachdem, wie dieser Versuchsballon so fliegt, und vor allem in welche Richtung, wird es weitergehen. „Wir müssen jetzt schauen, was funktioniert und was nicht“, sagt Ditterich. Aber grundsätzlich sei sie für eine Wiederholung der Mehrwert-Kneipe durchaus zu haben. „Schließlich wissen wir: Am besten etablieren sich neue Formate durch Regelmäßigkeit.“

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