Alternative zum Mais Tiernahrung mit Tofuspuren

"Auf dieser Pflanze ruhen große Hoffnungen", so Bayerns Landesanstalt für Landwirtschaft über Soja.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Immer mehr Landwirte erweitern ihr Sortiment an Futtermitteln und pflanzen Soja auf ihren Feldern. Im Landkreis Ebersberg hat sich die Anbaufläche in den vergangenen zwei Jahren vervierfacht

Von Jessica Schober, Ebersberg

Immer mehr Landwirte aus dem Landkreis Ebersberg probieren auf ihren Feldern Neues aus. Einige von ihnen machen sich etwa auf die Suche nach alternativen Futterquellen. Ganz vorne dabei ist hier Soja. Die Pflanze mutiert im Landkreis Ebersberg und in ganz Bayernzunehmend zum neuen Super Food auf den Feldern. Noch vor zwei Jahren waren es im Kreis Ebersberg nur 47 Hektar Anbaufläche, inzwischen werden ganze 200 Hektar angebaut - jeweils ohne die Flächen der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Grub mitzurechnen.

Dieser deutliche Anstieg sei vor allem durch die Nachfrage der Verbraucher zu erklären. Und damit, dass Soja als Blattfrucht eine Erweiterung der Fruchtfolge bedeute, teilt das Ebersberger Landwirtschaftsamt mit. Die Vorteile überwiegen für immer mehr Landwirte - trotz einer jüngsten Verschärfung der EU-Vorgaben. Seit diesem Jahr dürfen Sojabohnen auf ökologischen Vorrangflächen nur noch ohne chemischen Pflanzenschutz angebaut werden.

Ein Experte für den Sojaanbau ist Robert Schätzl, er ist Eiweißkoordinator der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Und er hat ein Umdenken bei den Landwirten beobachtet. "Man handelt sich leichter Krankheiten und Unkraut auf dem Feld ein, wenn man jedes Jahr das Gleiche anbaut", sagt er. Immer mehr Landwirte hätten verstanden, dass Monokulturen aus Mais und Getreide dem Boden zu viele Nährstoffe entziehen und die Frucht so anfälliger für Unkraut und Schädlingsbefall machen. Der Maiswurzelbohrer, ein aus Nordamerika eingeschleppter Schädling, lasse sich etwa besonders gern in mehrjährigen Maiskulturen nieder. Wechselt der Bauer öfter die Bepflanzung auf seinen Feldern, stärke das Pflanzen und Böden.

Als Alternative finde Soja - womöglich die Anbaupflanze der Zukunft - in weiten Teilen Bayerns gute Voraussetzungen vor. "Auf dieser Pflanze ruhen große Hoffnungen. Sie passt gut in die Fruchtfolge und lohnt sich im Anbau mehr als die Ackerbohne oder die Erbse", sagt Schätzl. Durch den heimischen Anbau von Soja könne verhindert werden, dass für die Eiweißfutterproduktion in Brasilien Regenwälder abgeholzt würden. Darüber hinaus sei der Anbau der Leguminose gentechnikfrei. Im Gegensatz zum Anbau von Getreide und Mais müsse man beim Sojaanbau auch nicht mit Stickstoff düngen, also keinen Mist, keine Gülle und keine mineralischen Dünger auf die Felder ausbringen. Das spart Kosten und Energie.

Wofür all das Soja verwendet werde? Ein Großteil der Sojaproduktion gehe in die Fütterung, ein Anteil von geschätzten 20 Prozent werde zu Tofu und Sojadrinks weiterverarbeitet, sagt Schätzl. Auch die Sojasortimente in den Supermärkten hätten sich ausgeweitet. Bauernverbandssprecher und Bio-Bauer Franz Lenz aus Zorneding fügt hinzu: "Das ist ein positiver Schritt, mit dem wir uns von den Eiweißimporten vom amerikanischen Kontinent unabhängig machen."

Auch auf dem Hof von Junglandwirt Johann Meltl in Zorneding wird seit drei Jahren Soja auf einer Fläche von fünf bis sieben Hektar angebaut. Er ist zufrieden mit der diesjährigen Ernte. In einem Feldversuch, in dem er vier Eiweißpflanzen im Vergleich anbaute, war jedoch die Ackerbohne am ertragreichsten. Ein endgültiges Ergebnis seiner Untersuchung steht noch aus, aber die Familie wird weiterhin mit ihrem konventionellen Landbaubetrieb auf Soja setzen.

Insgesamt blicken die lokalen Bauernverbände trotz der Trockenheit auf eine solide Erntesaison zurück. Während in Norddeutschland die Grünflächen verdörrten und in Brandenburg die Wälder brannten, kamen viele bayerische Bauern "mit einem blauen Auge davon", wie Argrarvertreter aus dem Ebersberger Landkreis nun unisono berichten. Seit Anfang des Monats können Landwirte Anträge zur Bayrischen Dürrebeihilfe stellen. Dazu müssten jedoch mindestens 30 Prozent Ertragsrückgang im Futterbau nachgewiesen werden, erklärt Rudolf Gasteiger vom Landwirtschaftsamt. Ein solcher Ertragsrückgang sei jedoch schwer zu belegen für die Landwirte. Bislang seien noch keine Anträge aus dem Landkreis Ebersberg eingegangen, die Frist endet Mitte November.

Bio-Bauer Lenz erlebte kürzlich bei einem Seminar für Ökolandwirte, welche neue Verteilungskämpfe der Klimawandel mit sich bringt: Kollegen aus Franken und dem Allgäu fragten verzweifelt, ob er noch Grünfutter abzugeben habe.