Aktuelles Thema Bedrohte Bewohner Bayern

Das Museum Wald und Umwelt beleuchtet in einer Sonderausstellung das Thema Artenvielfalt. Die Besucher bekommen dabei außer Informationen auch ganz konkrete Tipps

Von Franziska Spiecker, Ebersberg

Artenvielfalt ist in Bayern spätestens seit dem erfolgreichen Volksbegehren "Rettet die Bienen!" in aller Munde. Und während die Politik noch an einem entsprechenden Gesetz arbeitet, leistet die Kultur im Landkreis bereits ihren eigenen Beitrag: Im Ebersberger Museum Wald und Umwelt wird an diesem Donnerstag die Sonderausstellung "Bayerns Ureinwohner - wild, bunt und voller Wunder" eröffnet, die im Rahmen der Artenschutzkampagne "Bayerns Ureinwohner" vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) entwickelt und durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert wurde.

Zu sehen sind dort nicht etwa Menschen, sondern ausgewählte einheimische Tiere und Pflanzen - viele von ihnen in ihrem Bestand gefährdet. Sie leben in sieben verschiedenen Lebensräumen der Kulturlandschaft Bayerns, beispielsweise im Wald, im Moor oder auf einer Streuobstwiese. Besucht man die Ausstellung, dann durchstreift man diese Lebensräume und erfährt dabei, wie sie entstanden sind, welche Arten dort heimisch sind und vor allem, was man tun kann, um den Lebensraum zu erhalten.

Ausgewählte einheimische Tiere und Pflanzen sind im Museum Wald und Umwelt zu sehen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Diese "Pflegeanleitung" könne man sich wie beim Waschen vorstellen, erklärt Museumsleiterin Ines Linke. Wenn Besucher zum Beispiel den Lebensraum "Wiese" betrachten, erhalten sie den Hinweis: "Nur ein- oder zweimal im Jahr mähen." Das sei wichtig, damit sich Blühpflanzen aussäen könnten, begründet Linke und ergänzt weitere Pflegetipps: "Der erste Schnitt sollte erst spät im Jahr gemacht werden, damit die Blüten austreiben können." Auch viel Dünger sei schlecht, da die Gräser dadurch viel stärker würden als die Blütenpflanzen, die dann nur schwer überleben könnten.

Um einen Überblick zu bekommen, warum die Pflege der Lebensräume notwendig ist, gibt es ein großflächiges Bild, das die aktuelle Landschaft in Bayern abbildet. "Relativ strukturarm", findet die Museumsleiterin und erläutert: "Wenn die Strukturen kleinflächiger sind, erhöht das die Artenvielfalt." Übertragen auf den Lebensraum Wald wäre also zum Beispiel eine höhere Strukturvielfalt und Baumartenmischung wünschenswert.

Ein Ureinwohner Bayerns, der aktuell vom Aussterben bedroht ist, sei der Kiebitz. "Man nennt ihn wegen seiner interessanten Flugweise auch Gaukler der Lüfte", veranschaulicht Linke. Da er am Boden brüte, brauche er eine entsprechende Bewirtschaftung des Bodens - ein Umstand, den einige Landwirte im Landkreis Ebersberg schon berücksichtigen, wie Linke sagt.

Der Kiebitz (hier in Steinhöring) wird wegen seiner interessanten Flugweise auch Gaukler der Lüfte genannt.

(Foto: Christian Endt)

Damit sich auch die Museumsbesucher möglichst gut in die bedrohten Bewohner Bayerns hineinversetzen können, arbeitet die Ausstellung nicht nur mit Text: Kurzfilme zeigen die verschiedenen Lebensräume und der Bombardierkäfer präsentiert, mit welch explosionsartigem Lärm er sich vor seinen Angreifern schützt.

Neben diesen Medienangeboten bietet die Ausstellung zahlreiche Begleitveranstaltungen. Auf diesen können die Besucher "Bayerns Ureinwohner" gemeinsam mit Referenten des Deutschen Verbands für Landschaftspflege, der Bayerischen Staatsforsten und der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Ebersberg erkunden und anschließend in einem realen Lebensraum im Landkreis auf Exkursion gehen.

Geboten ist das alles noch bis zum 30. Juni und zwar während der offiziellen Öffnungszeiten des Museums kostenlos. Leiterin Linke resümiert: "Die Ausstellung stellt auf besondere Weise dar, wie Kulturlandschaft gepflegt und dadurch artenreich bewirtet werden kann." Dabei sei vor allem eines wichtig zu zeigen: "Wenn verschiedene Akteure zusammen arbeiten, kann man viel schaffen bei dem Thema Artenvielfalt".

Die Veranstaltungen im Überblick: Donnerstag, 18. April, 17 Uhr, Ausstellungseröffnung; Samstag, 27. April, 14.30 bis 17 Uhr, Köcherfliegen lügen nicht; Sonntag, 5. Mai, 14.30 bis 17 Uhr, Jetzt wird's bunt auf unseren Magerrasen!; Samstag, 8. Juni, 14.30 bis 16.30 Uhr, Vielfalt heimischer Wiesen und Streuobstwiesen; Sonntag, 16. Juni, 14.30 bis 17 Uhr, Geheimnisse im Moor; Samstag, 29. Juni, 14.30 bis 17.30 Uhr, Wald beherbergt Vielfalt. Weitere Informationen unter www.museumwaldundumwelt.de