Dass die Ostumfahrung wohl mehr Entlastung bringen würde als prognostiziert, war in den vergangenen Monaten der deutliche Eindruck vieler Grafinger. Offenbar trügt der Anschein nicht. Bei der Bürgerversammlung hat Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) erstmals Zahlen genannt. "Pi mal Daumen bringt sie aufs gesamte Stadtgebiet etwa 25 Prozent Entlastung", sagte sie. "Das ist doppelt so viel, wie es der Prognose zufolge eigentlich hätten sein sollen."
Bei einzelnen Straßen, die als Anbindung zur neuen Trasse dienen, war zunächst auch mit einer massiven Zunahme des Verkehrs gerechnet worden. Hier sind die befürchteten Szenarien nicht eingetreten. Für die Rotter Straße sei beispielsweise eine Verdopplung des Verkehrs von 800 auf 1600 Fahrzeuge pro Tag vorhergesagt worden, berichtete Obermayr in der Stadthalle. "Das ist bei weitem nicht der Fall, wir sind da deutlich drunter." Die Zahlen stammen aus einer groß angelegten Verkehrszählung, die die Stadt in den vergangenen Monaten hatte vornehmen lassen. "Aktuell bereiten Experten die Ergebnisse anständig auf", sagte Obermayr. "Dann werden wir sie natürlich präsentieren."
Die neuen Zahlen hätten auch Auswirkungen auf die ursprünglich geplante Ampel. Wo Münchner Straße, Rotter Straße und Lederergasse aufeinandertreffen, könne sich der Verkehr mit der befahrenen Ostumgehung nicht mehr selbst regeln, hatte es aus dem Straßenbauamt geheißen. Noch sei nichts beschlossen, berichtete Obermayr. "Aber wahrscheinlich braucht es die Ampel gar nicht." Weil trotz Ostumfahrung gar nicht so viele zusätzliche Autos durch die Rotter Straße fahren.
Eine neue Ampel ist voraussichtlich nicht nötig
Das dürfte den Anwohnern in der nebenan gelegenen Lederergasse nur recht sein. Mit einer Ampel an der Einmündung zur Rotter Straße hätte die Gasse zumindest an ihrem Anfang womöglich zur Einbahn- oder Anwohnerstraße herabgestuft werden müssen. Dagegen hatte sich im vergangenen Jahr lautstarker Protest geregt. Einen weiteren Einblick in die Zählung gab die Bürgermeisterin für die Wasserburger Straße. "Dort waren es vor der Ostumfahrung fast 10 000 Fahrzeuge am Tag. Jetzt sind es im Mittel 3150." Das ist zwar nicht ganz der prognostizierte - und für Umfahrungen geradezu sagenhafte - Entlastungswert von 80 Prozent.
Gleichwohl dürfte die Wasserburger Straße zu den deutlichsten Profiteuren der Ostumfahrung in Grafing zählen. Dass es auch anders geht, wurde bei der Aussprache deutlich. "Gehen Sie nachts bei uns mal vorbei", meldete sich ein Grafinger zu Wort. Wo er genau wohnt, wurde aus der Wortmeldung nicht klar, wohl aber sein Ansinnen: Warum man denn entlang der Trasse nicht endlich zusätzlichen Lärmschutz baue? "Gerade der LKW-Verkehr hat enorm zugenommen, besonders nachts."
Obermayr verwies dazu auf die errechneten Lärmgrenzwerte. Keine Frage: Sie könne auch nicht nachvollziehen, warum die Werte lediglich errechnet und nicht real gemessen werden. "Sie haben mein vollstes Verständnis, dass es dort laut und lästig ist - aber so wird es vom Freistaat und vom Bund leider gehandhabt. Die bauen Lärmschutz nur dort, wo es gesetzlich unbedingt nötig ist."
Immerhin in einem Randaspekt konnte Bauamtsleiter Josef Niedermaier die Anwohner etwas beruhigen. "Es findet ein regelmäßiges Monitoring über die Verkehrszahlen statt", erklärte er. Sobald sich dabei eine Überschreitung der Grenzwerte herausstellt, würde der Freistaat aktiv werden. "Seien sie sich sicher, sobald ein Anspruch auf mehr Lärmschutz entsteht, dann wird er auch ausgeführt!"
Eine Art Hintertürchen für mehr Lärmschutz wäre allerdings sehr wohl vorhanden gewesen: Die Stadt hätte zusätzlichen Lärmschutz auf eigene Rechnung beauftragen können. Das schloss der Bauausschuss jedoch mehrheitlich aus. Man wolle keinen Präzedenzfall schaffen.
