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Aktionen in Markt Schwaben und Zorneding:Vorrang für Radler und Fußgänger

Markt Schwaben soll fahrradfreundlicher werden: Das fordern die etwa 100 Demo-Teilnehmer.

(Foto: Alexandra Leuthner/oh)

Zweirad-Demo und CO2-freie Zone: Für ein paar Stunden dominiert mal nicht das Auto

Eine halbe Stunde, bevor 100 Fahrradklingeln laut werden und für ein paar Minuten den üblichen Verkehrslärm verdrängen, bevor 100 Radler auf ihre Räder steigen, um ein Teil des weltweiten Klimaprotests zu werden, bietet der Markt Schwabener Marktplatz an diesem Freitagnachmittag sein gewohntes Bild. Genau jenes, das die Teilnehmer der Fahrraddemo ändern wollen: Wo immer man hinsieht, parken Autos aus oder ein, stehen mit laufenden Motoren in den Straßen, sind einfach überall. "Der Gschmeidmacherweg ist total zugeparkt, obwohl überall Halteverbot ist", erzählt eine der Organisatorinnen der Demo kopfschüttelnd dem Grünen-Marktgemeinderat Andrä Le Coutre. Er ist Sprecher der freitäglichen Kundgebung, initiiert von Pro Fahrrad und unterstützt vom Bund Naturschutz und anderen Markt Schwabener Initiativen.

Achteinhalbtausend Autos, sagt Le Coutre, seien in Markt Schwaben zugelassen, bei 13 000 Einwohnern, "Säuglinge mitgerechnet", da müsse man sich nicht wundern, die Autos müssten ja irgendwo hin. Und das führe dann dazu, dass man Kinder oder ältere Menschen nicht guten Gewissens durch den Ort radeln lassen könne, weil schlichtweg die Radwege fehlten, dass der Bau eines behindertengerechten Zugangs zum Marktplatz daran scheitere, dass ein Stellplatz dafür geopfert werden müsse. Die Priorität, die das Auto genieße, daran müsse man etwas ändern. "Wir stehen dafür, dass Markt Schwaben schöner und fahrradfreundlicher wird."

Jeder einzelne, aber auch die Gesellschaft als Ganzes müsse lernen, sich in eine neue Richtung zu bewegen, wird er gleich sagen, bevor sich der Zug der Radler in Bewegung setzt, der zweimal in einem Kreis über die Alte Bräuhausgasse, den Gschmeidmacherweg, die Ebersberger und die Wallbergstraße sowie den Höhenrainer Weg durchs Zentrum des Orts fahren wird. Kinder und Jugendliche sind darunter, von denen die Fridays-for-Future-Bewegung ja ausgeht, der sich heute auch Zehntausende von Erwachsenen allein in München und Umgebung angeschlossen haben. "Wir sind bewusst nicht nach München gefahren zur großen Demo", erzählt Franz Höcherl von der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Pliening, "der Protest soll flächendeckend sein."

Im Landkreis Ebersberg ist das ganz gut gelungen. Schon in der Früh haben sich 200 Schüler der Seerosenschule vor dem Schulzentrum Poing mit selbst gemachten Plakaten versammelt und die Ergebnisse ihrer Umweltprojekte gezeigt. In Zorneding ist an diesem Nachmittag die Birkenstraße zur CO2-freien Zone erklärt worden. Bevor eine Gruppe Radler von Grafing herüber gefahren kommt, haben sich hier schon etwa 100 Menschen zwischen Infoständen versammelt. Dass an diesem Freitag nicht nur der Tag der internationalen Klimaproteste sondern auch der offizielle Tag des Kindes ist, erklärt vor einem Pavillon der Zornedinger Grünen-Gemeinderat Moritz Dietz. "Kinder haben das Recht auf Schutz", ruft er, "sie haben auch das Recht auf Schutz vor Klimakatastrophen." Das gerade im Klimakabinett der Bundesregierung beschlossene Konzept, von dem zu diesem Zeitpunkt gerade die Eckpunkte bekannt werden, werde sicher nicht ausreichen, diesen Schutz zu garantieren, kritisiert der Grüne. Dann setzen sich auch hier die Menschen in Bewegung, die gesperrte und autofreie Birkenstraße hinauf, und holen sich zu Fuß für einen Nachmittag den öffentlichen Raum zurück.