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Aktion in Pliening:Gar nichts ist am besten

Frische Lebensmittel Gemüse Obst jeweils einzeln in Plastikfolie verpackt alle Lebensmittel gib

Obst und Gemüse haben zwar meistens von Natur aus eine Verpackung, oft kommt aber noch eine aus Kunststoff dazu. Der Bund Naturschutz wirbt nun für die Aktion "Plastikfasten".

(Foto: imago/Jochen Tack)

Der Bund Naturschutz rät zum Plastikfasten und das auch außerhalb der vor-österlichen Zeit

Von Alexandra Leithner, Pliening

Franz Höcherl schickt ein Foto per E-Mail, kaum, dass er den Hörer aufgelegt hat. Es zeigt einen ganzen Berg von weißen und blauen Plastikflaschen, zu einem Teil in Beutel verpackt, die, wen wundert's, wiederum aus Plastik sind. "Unser Müll in Tansania", hat er darunter geschrieben.

Entnommen ist das Bild der 3sat Doku "Die Plastik-Invasion - Coca Cola und der vermüllte Planet". Für den Naturschutzwächter und Vorsitzenden der Plieninger Ortsgruppe des Bundes Naturschutz sind die Bilder so erschreckend wie empörend und bestärken ihn in seiner Forderung nach politischen Maßnahmen, die den Verbrauch von Kunststoff stärker beschränken. "Ich bin es leid, dass immer die Verbraucher alles machen müssen", sagt der Plieninger. "Mir geht's darum, dass die Politiker Entscheidungen nicht fällen, die längst gefällt werden müssten."

Dennoch hat sich die Plieninger Ortsgruppe einem Aufruf des BN Bayern zum Plastikfasten angeschlossen - wenn möglich aber nicht auf die Wochen vor Ostern beschränkt. Weil publikumswirksame Aktionen derzeit schlecht möglich sind, hat die Ortsgruppe ihr Plädoyer im Gemeindeblatt veröffentlicht. Unter dem Motto "Plastik brauch' ma ned", weisen die Naturschützer darauf hin, dass der Kunststoffverbrauch in Deutschland immer noch steige: Auf rund 14 Millionen Tonnen jährlich, soviel wie nirgends sonst in Europa. 2,5 Milliarden Tüten entsprächen 29 Tüten pro Kopf und Jahr - wobei der Verbrauch laut einer Statistik der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung seit 2015 um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. Von Januar 2022 sind nun leichte Plastiktüten komplett verboten, nicht jedoch die kleinen Beutel für den Obst- und Gemüsekauf in Supermärkten. Zwischen 1994 und 2015 hat sich die Menge an Kunststoffabfall auf 5,92 Tonnen jährlich verdoppelt, so der Bund Naturschutz. Ein Großteil lande nach wie vor über Umwege im Meer.

"Beim Plastik geht es darum, dass es eigentlich gar nicht erst hergestellt wird", sagt Höcherl. Wenn es aber nun schon mal in der Welt sei, dann solle man zumindest versuchen, Tüten oder Plastiksäcke so lange wie möglich zu verwenden. Der Plieninger Naturschützer plädiert auch dafür, sich an Firmen zu wenden, die vermeidbaren Verpackungsmüll herstellen und Verbesserungen zu fordern. So habe er selbst etwa bei den Milchwerken Berchtesgadener Land nachgefragt - die unter anderem Milch von Naturland- und Demeter zertifizierten Biobetrieben verarbeiten -, warum sie ihre Biomilch im Tetrapak und nicht in Flaschen verkaufen. Er sei dort auf logistische Gründe verwiesen worden, erzählt Höcherl. Aber es könne ja jeder dort mal nachfragen, regte er an. Letzten Endes muss es wohl doch der Verbraucher selber richten.

© SZ vom 24.03.2021
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