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Ärger mit der Trasse:Nachbarschaftsstreit um Umgehung

Grafik Ebersberg

Die Pläne für eine Umgehungsstraße sorgen für Ärger zwischen Poing und Pliening.

Plienings Bürgermeister reagiert wütend auf die Kritik des Poinger Gemeinderats an der gewählten Trasse

Zwischen Poing und Pliening ist ein echter Nachbarschaftsstreit entbrannt: Sehr verärgert hat Plienings Bürgermeister Georg Rittler (CSU) auf die einhellige Ablehnung der von den Plieningern favorisierten Umgehungsstraßenvariante durch die Poinger Nachbarn reagiert. Mit diplomatischen Floskeln mag sich der Plieninger Bürgermeister da nicht mehr aufhalten: "Die Arroganz, die Poing in Sachen Verkehrsplanung an den Tag legt, grenzt in Anbetracht der ungelösten Probleme vor der eigenen Haustüre an Unverfrorenheit", findet Rittler und rät den Poinger Kollegen, doch einmal "gesunden Menschenverstand" anzuwenden.

Vor einer Woche hatten sich der Poinger Gemeinderat und Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) sehr deutlich gegen eine Südvariante der Plieninger Umgehung ausgesprochen. Sie sieht vor, dass die Straße südlich von Landsham und westlich von Pliening geführt wird. Die Staatsstraße 2082 würde demnach am südlichen Gewerbegebiet von Kirchheim geradeaus weiter und dann in nördlicher Richtung zwischen Landsham und Pliening vorbeiführen und dann noch ein Stück im Nordwesten von Pliening verlaufen. Anbindungen an die Umgehungsstraße sind unter anderem an der Professor-Zorn-Straße und am Mitterfeldweg in Poing geplant.

Doch die zweite dieser Anbindungen lehnt der Poinger Gemeinderat ab - genauso wie die gesamte Trasse und überhaupt alle Trassen, die südlich von Pliening verlaufen. Die Variante, für die sich der Plieninger Gemeinderat entschieden hat, käme für den Geschmack der Poinger der eigenen Gemeinde viel zu nah - an einer Stelle läge sie nur 125 Meter von einem Wohngebiet entfernt - außerdem würden Naherholungsgebiete durchschnitten. Die Poinger hatten aber auch kritisiert, dass die Plieninger bei ihren Planungen die Entwicklung der Poinger Wohngebiete ignoriert und alte Flächennutzungspläne, in denen geplante Poinger Neubaugebiete nicht eingezeichnet seien, verwendet hätten. Diese Aussage ist nach Ansicht Rittlers "wirklich kurios". Schließlich handle es sich um eine Datei, die die Poinger Gemeindeverwaltung im Januar 2010 zur Verfügung gestellt habe und noch heute auf der Homepage der Gemeinde zu finden sei.

Vor allem aber weist Rittler die Unterstellung der Poinger zurück, deren Neubaugebiete seien gar nicht berücksichtigt. Dies sei "schlichtweg falsch", unterstreicht der Plieninger Bürgermeister. Zwar seien die geplanten Neubaugebiete nicht im Detail dargestellt, aber durch eine rote Linie in den Plänen angedeutet. Selbstverständlich sei auf Poinger Belange Rücksicht genommen worden. "Mich ärgert, wenn man abgekanzelt wird wie ein Schulbub, als wüssten wir nicht, was in Poing läuft. Das wissen wir sehr wohl", sagt Rittler. Zudem könne es im Rahmen der Detailplanung auch noch Ergänzungen, unter anderem beim Schallschutz, geben. "Diese Ergänzungen können jedoch erst im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens und einer damit einhergehenden schalltechnischen Untersuchung ermittelt und bewertet werden", so Rittler.

In deutlichen Worten kritisiert er aber auch die Forderung der Poinger, die Umgehung nördlich von Landsham vorbeizuführen. Das entbehre "jeglicher Logik, wenn man für alle Ortsteile von Pliening eine Entlastung erreichen will", betont Rittler. Außerdem sei eine Realisierung an dieser Stelle schlicht nicht möglich. "Es wäre an der Zeit für Poing, nicht nur Verkehrskonzepte zu erstellen, sondern diese -möglicherweise auch nur unter Anwendung gesunden Menschenverstands - umzusetzen. Die angestrebten Bevölkerungszahlen sprechen ebenso für sich wie die täglichen Staus auf der Gruber Straße", so Rittler. Er will nun gemeinsam mit dem Gemeinderat das Planfeststellungsverfahren weiter voran treiben und hofft, dass die gut zehn Millionen Euro teure Umfahrung bis 2021 gebaut werden kann.