Neubau 71 statt 45 Millionen Euro: Markt Schwabener Schule wird teurer

Der Vorentwurf der Architekten zeigt einen modernen lichtdurchfluteten Komplex mit Grünanlagen und bunt bepflanzten Blumenkästen. Visualisierung: Puppendahlarchitektur/oh

(Foto: )

Der Neubau der Grund- und Mittelschule wird deutlich teurer als in der ersten Kostenannahme. Ähnliche Projekte in der Umgebung werden für weniger Geld gebaut.

Von Korbinian Eisenberger, Markt Schwaben

Es ist das größte kommunale Bauprojekt im Landkreis Ebersberg der vergangenen Jahre: Die Gemeinde Markt Schwaben baut eine neues Schulzentrum, in dem bis zu 1100 Grund- und Mittelschüler Platz haben sollen. Am Donnerstag hat die Gemeindeverwaltung nun bekannt gegeben, dass die Gesamtkosten deutlich über der bisherigen Kalkulation liegen.

In der ersten Kostenannahme vor eineinhalb Jahren wurde 45 Millionen Euro an Gesamtkosten genannt. In einer Pressemitteilung aus dem Rathaus werden nun "als realistische Kosten für das Gesamtprojekt" 70,8 Millionen Euro angenommen. Markt Schwabens Gemeinderat hat diese Vorentwurfsplanung samt Kostenschätzung am Mittwochabend per Beschluss in nichtöffentlicher Sitzung freigegeben.

Markt Schwabens Schüler und Lehrer dürften in freudiger Erwartung auf das neue Schulzentrum samt Turnhalle sein, dennoch ist das Projekt nicht unumstritten. In den Monaten vor und nach der Entscheidung des Gemeinderats für einen Neubau und gegen eine Generalsanierung der bestehenden Gebäude hatte es Kritik aus der Bevölkerung gegeben. Aufgrund der aus ihrer Sicht zu hohen Kosten sammelte eine Markt Schwabenerin offenbar ausreichend Stimmen für ein Bürgerbegehren, verzichtete aber auf die Einreichung. Eineinhalb Jahre später ist nun klar, dass das Schulzentrum noch teurer wird. Verglichen mit der ersten Kostenannahme, die im Oktober 2017 nach Abschluss des Architektenwettbewerbs getroffen wurde, steigen die Kosten um 58 Prozent.

So gut wie jedes größere Bauprojekt wird im Lauf der Zeit teurer als anfangs angepeilt, nun also auch in Markt Schwaben. Als Grund für den Kostenanstieg nennt die Gemeinde Faktoren, die bei der ersten Schätzung nicht berücksichtigt wurden. Dazu zählen die Abbrucharbeiten für die marode Mittelschule, die derzeit ja noch genutzt wird, was die Kosten auf 55,7 Millionen Euro steigen lasse. Wegen der frühen Projektphase rechnen die Planer zusätzlich einen Aufschlag von 17,5 Prozent dieser Summe "für Unvorhergesehenes" oben drauf. Hinzu kommt ein Zuschlag wegen der stetig steigenden Baukosten. Das Ergebnis: Für den Abriss der Mittelschule (die Grundschule bleibt stehen) und den Neubau wird eine Bruttosumme von 70,8 Millionen Euro angenommen.

Die neuen Schulen in Poing, Grafing-Bahnhof und Vaterstetten kosten weniger

"Ganz so sehr überrascht waren unsere Gemeinderäte nicht über die Steigerung", teilt die Pressesprecherin des Rathauses am Donnerstag auf Nachfrage mit. In der nichtöffentlichen Sitzung am Mittwochabend habe es deswegen keine größere Debatte im Sitzungssaal gegeben, so die Sprecherin. Mit 17:5 stimmten die Mitglieder schließlich für den nächsten Schritt: die Entwurfsplanung, ein Prozess, der laut Verwaltung "bis ca. Oktober 2019 andauern" soll. Dem derzeitigen Plan nach ist dann im Sommer 2020 Spatenstich. Gut zwei Jahre später, im September 2022, sollen Markt Schwabens Grund- und Mittelschüler in die neuen Gebäude einziehen.

Verglichen mit anderen Schulen im Landkreis Ebersberg, die demnächst oder bereits gebaut werden, liegt Markt Schwaben kostenmäßig an der Spitze, was sich an drei ähnlichen Großprojekten erkennen lässt. Zwei davon hat der Landkreis Ebersberg auf den Weg gebracht, darunter das fünfte Gymnasium im Kreis, das bis 2023 in Poing gebaut sein soll, Kostenpunkt nach jetzigem Stand: 60 Millionen Euro - also gut zehn Millionen Euro weniger, allerdings für 1000 Schüler ausgelegt, hundert weniger als in Markt Schwaben. Ein Jahr später, im Herbst 2024 will der Kreis in Grafing-Bahnhof seine erste Berufsschule öffnen. Hier sind die Baukosten auf 50 Millionen Euro taxiert - und die Räume für 2000 Schüler auslegt (von denen mindestens die Hälfte auswärts in den Ausbildungsbetrieben tätig ist, weswegen die Größe mit dem Poinger Gymnasium vergleichbar ist).

Ein zweites kommunales Projekt ist bereits kurz vor der Fertigstellung: Die Vaterstettener bauen wie die Markt Schwabeber eine Grund- und Mittelschule, sie soll im September bezogen werden. Mit 40 Millionen Euro für etwa 500 Schüler ist sie weniger als halb so groß und etwas mehr als halb so teuer wie die Markt Schwabener Schule - allerdings bekommen die Vaterstettener nicht nur eine Turnhalle, sondern zudem ein Hallenbad.

In Markt Schwaben stellten die Architekten Marius Puppendahl und Günter Schalk am Mittwoch im öffentlichen Teil ihren Vorentwurf eines modernes lichtdurchfluteten Komplexes mit Grünanlagen und bunt bepflanzten Blumenkästen vor. Für die Umsetzung hofft Markt Schwaben als eine der ärmsten Kommunen Oberbayerns auf hohe Fördergelder vom Freistaat. Bereits am Dienstag hatte der Gemeinderat deswegen ein umfangreiches Sparprogramm verabschiedet. Überzeugt dieses Konzept im bayerischen Finanzministerium, besteht die Chance, dass der Freistaat bis zu 75 Prozent statt den bisher genannten 55 Prozent an Gesamtkosten für den Schulbau übernimmt.

Markt Schwaben Ein Affront des Gemeinderats gegen den Alpenverein

Kommentar

Ein Affront des Gemeinderats gegen den Alpenverein

Vier Stunden lässt das Markt Schwabener Gremium 50 DAV-Mitglieder im Sitzungssaal warten, statt deren Thema vorzuziehen. Das ist nichts anderes als Schikane.   Kommentar von Korbinian Eisenberger