Berufsschule in Grafing? Wenn der Landrat in die nichtöffentliche Sitzung huscht

Im Grafinger Rathaus lässt sich so manche interessante Beobachtung machen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Kommt die erste Berufsschule im Landkreis Ebersberg nach Grafing? Schon vor der Stadtratsentscheidung am Dienstagabend gibt es gute Hinweise, die dafür sprechen.

Von Thorsten Rienth, Grafing

Auffallend ruhig war es in den vergangenen Wochen um die Verhandlungen über das Grundstück der in Grafing-Bahnhof geplanten Berufsschule für 2000 Schüler geworden - doch das ändert sich gerade. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung steht an diesem Dienstagabend eine Vorentscheidung an: Im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung entscheidet das Gremium über den Kauf von etwa fünf Hektar dringend benötigtem Grund. Mit rund einer Million Euro würde die Stadt in Vorleistung gehen.

Wer am vergangenen Donnerstag sah, dass sich Landrat Robert Niedergesäß (CSU) auf den Weg hinauf in den Grafinger Sitzungssaal machte, der brauchte nicht viel kombinieren: Die Grafinger Pläne, auf einem Standort in Grafing-Bahnhof die erste Berufsschule im Landkreis Ebersberg zu erreichen, müssen kurz vor dem Abschluss stehen. Wieso auch sonst sollte der Landrat just zwischen öffentlichem und nichtöffentlichem Teil in den Grafinger Bauausschuss eilen?

Die Vor-Vorentscheidung war nach SZ-Informationen bereits zwei Tage vorher gefallen. Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) setzte ihre Unterschrift unter den Kaufvertrag für ein Fünf-Hektar-Areal im nördlichen Grafinger Gemeindegebiet. Das Mandat für die Unterschrift hatte ihr der Stadtrat bereits im Oktober vergangenen Jahres erteilt. So gesehen war es am Donnerstag auch eher Formsache, dass der Bauausschuss diesen Teil des Vertragswerks dem Stadtrat zur Annahme empfahl.

Sieht es der Stadtrat an diesem Dienstagabend genauso, würde eine Art Grundstücksrochade starten: Das im Grafinger Norden erworbene Areal soll als Ausgleichsfläche an den Eigentümer einer gleich großen Fläche im Westen von Grafing-Bahnhof weiterveräußert werden. Der Landwirt sei darauf angewiesen, so heißt es, weil er andernfalls seinen Betrieb nicht weiterführen könne. Ein erfolgreicher Abschluss der Rochade bedeutet zwar keinen automatischen Beschluss für die Grafinger Berufsschule. Gleichwohl deutet derzeit vieles darauf hin.

"Eine Berufsschule ist eine Rieseninvestition"

Als der Stadtrat die Option Grafing-Bahnhof als Standort für ein gemeinsames Berufschulzentrum der Landkreise Ebersberg und München im vergangenen Herbst erstmals durchspielte, herrschte eine reihum breite Zustimmung. Auch der Ebersberger Kreistag hielt den Standort wegen seiner exzellenten Schnellzuganbindung nach Rosenheim und München für wie geschaffen. Im Februar fiel schließlich im Landkreis München die Entscheidung, einem Ebersberger Standortkandidaten keinen Münchner Vorschlag entgegenzustellen. Und auch von den anfänglichen weiteren Kandidaten aus dem Landkreis Ebersberg sagten bis auf Grafing alle ab.

Für die auf zwischen 50 und 70 Millionen Euro geschätzten Baukosten für die Schule müsste Grafing freilich nicht aufkommen. Bislang war es im Landkreis jedoch Usus, dass Gemeinden Grundstücke für "ihre" weiterführende Schulen kostenlos zur Verfügung stellen. Wegen der überregionalen Bedeutung einer Berufsschule gibt es jedoch im Kreistag Bestrebungen, von dieser Praxis abzuweichen. Einem Antrag der Kreis-SPD zufolge soll der Landkreis die betreffende Kommune bei der Grundstücksfinanzierung "nicht alleine lassen" - also zumindest einen Teil der Kosten übernehmen. Eine ähnliche Forderung gibt es auch von der Grafinger CSU.

In jedem Fall sind Bürgermeisterin Obermayr und der Grafinger Stadtrat jetzt unter Zugzwang: Gar nicht so sehr der Verträge wegen - sondern wegen der Ankündigung, über eine Berufsschule in Grafing-Bahnhof werde nicht im kleinen Kreis entschieden. "Eine Berufsschule ist eine Rieseninvestition, die öffentlich und vor allem zusammen mit den Bewohnern von Grafing Bahnhof diskutiert gehört", hatte Obermayr in Grafings Bürgerversammlungen vergangenen November klargestellt.

Das sah auch der Grafinger CSU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Thomas Huber so: "Ein Projekt von dieser Größenordnung funktioniert nur mit den Bürgern und nicht gegen sie. Deshalb müssen wir jetzt Überzeugungsarbeit dahingehend leisten, dass eine Berufsschule in Grafing-Bahnhof für die ganze Gemeinde ein echter Gewinn ist."

Zumindest bislang war in der Grafinger Öffentlichkeit davon über die Ankündigungen hinaus noch recht wenig zu spüren.

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