Mobilität Fünf E-Scooter-Verleiher drängen in München auf den Markt

Noch steht der rechtliche Rahmen für die Nutzung von E-Tretrollern nicht, aber die Verleiher Lime, Tier, Voi und Bird stellen sich schon vor. Der fünfte Anbieter Hive testet seine E-Scooter auf Privatgrund in Schwabing.

(Foto: Robert Haas)

Wie viele Roller sie in der Stadt aufstellen wollen, lassen sich die Anbieter noch offen. Es dürften mehrere Tausend sein.

Von Andreas Schubert

E-Scooter sind im Prinzip leicht zu bedienen. Sie sind schließlich nichts als Tretroller mit Elektromotor. Man rollt mit den Beinen an, dann drückt man den Antriebsknopf und schon beschleunigt das Ding auf bis zu 20 Kilometer die Stunde. Nur: Tempo 20 kommt einem auf so einem schmalen Gerät ziemlich schnell vor. Und: Für Kopfsteinpflaster sind die Dinger mit ihren winzigen Rädern nicht gemacht. Trotzdem findet CSU-Fraktionschef und Zweiter Bürgermeister Manuel Pretzl das Fahrgefühl "ziemlich cool".

Er wird wohl bald Gelegenheit haben, sich regelmäßig so ein cooles Rollerchen auszuleihen. Denn noch vor deren Zulassung stehen bereits fünf verschiedene Anbieter in München am Start. Dann ist mit mehreren Tausend Rollern auf Münchens Straßen zu rechnen. Wie viele sie tatsächlich in der Stadt aufstellen wollen, und wie groß die Geschäftsgebiete dann sind, lassen die Anbieter noch offen. Nur zum Vergleich: In Wien lässt allein der Anbieter Lime aktuell 1500 durch fast alle Stadtbezirke rollern. Ähnliche Größenordnungen wären auch für München zu erwarten. Vier Anbieter hat die CSU am Donnerstag zur Probefahrt am St.-Jakobs-Platz eingeladen. Neben Lime, einem Startup aus San Francisco, waren auch Vertreter von Tier aus Berlin, Voi aus Stockholm und Bird aus Santa Monica beim Termin. Das gemeinsam von Daimler und BMW betriebene Unternehmen Hive, das am Donnerstag nicht dabei war, testet bereits seine E-Scooter auf Privatgrund in Schwabing.

Verkehr in München Darum geht es beim Münchner Radentscheid
Verkehr

Darum geht es beim Münchner Radentscheid

Mit besseren Radwegen, umgestalteten Kreuzungen oder mehr Abstellflächen wollen die Initiatoren die Situation für Fahrradfahrer verbessern. Doch für ein einziges Bürgerbegehren ist das Thema zu komplex.   Von Andreas Schubert

Auf öffentlichen Straßen dürfen die Roller in Deutschland noch nicht bewegt werden. Insofern war die Probefahrt mit den Christsozialen auch nicht ganz legal. Erstens sind die Roller für Radwege vorgesehen und folglich in Fußgängerbereichen tabu. Und zweitens steht das Votum des Bundesrates für die sogenannte Elektrokleinstfahrzeugeverordnung erst am 17. Mai an. Allerdings ist die Verordnung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in einigen Bundesländern noch umstritten, weil sie auch die Zulassung langsamerer Roller vorsieht, die auch auf Gehwegen fahren dürfen. Hier haben einige Verkehrsminister Sicherheitsbedenken.

Auf Gehwege wollen die Anbieter, die sich bisher in München vorgestellt haben, aber keine Roller bringen. Sie haben alle die für Radwege vorgesehene schnellere Variante im Angebot. Dass sie aber nicht nur mit ein paar Hundert an den Start gehen wollen, daran lässt zum Beispiel Fabian Ladda von Lime keinen Zweifel. Schon aus kaufmännischer Sicht sei eine gewisse Menge an Fahrzeugen notwendig, damit sich der Betrieb rentiert und die Roller von den Menschen angenommen werden. Glaubt man Ladda, so steigen vor allem Autofahrer um, weil sie aus Bequemlichkeit nicht zu Fuß gehen wollen. Stationsgebundene Systeme seien deshalb nicht sinnvoll. Die Roller sollen überall verfügbar sein. "Was nutzt es, wenn ich 800 Meter zu einer Station laufen muss, um dann eineinhalb Kilometer zu fahren?", so Ladda.

Bis zu einem Dutzend Anbieter könnten schon von diesem Sommer an in Deutschland ins Geschäft einsteigen. Wie viele dann wirklich auch nach München kommen, oder ob es bei den fünf erwähnten Firmen bleibt, ist noch offen. Ebenso ungeklärt ist noch, wie die Stadt ein ähnliches Chaos wie seinerzeit mit dem Radverleiher Obike verhindern will. Zur Erinnerung: Das inzwischen insolvente Unternehmen hatte beinahe über Nacht knapp 7000 Räder in der Stadt verteilt, was zu Unmut bei vielen Münchnern führte, der sich wiederum in der Zerstörung vieler Obikes äußerte. Dass mit den Rollern ebenso umgegangen wird, glaubt Manuel Pretzl nicht. Die Fahrzeuge seien viel zu hochwertig dafür, sagt er. Auch die Anbieter versprechen, dass sie regelmäßig Mitarbeiter auf Streife schicken, um herumliegende Roller wieder aufzustellen und eine Beschwerdehotline führen werden. Mit dem Kreisverwaltungsreferat finden auch Gespräche statt, wie mit den E-Scootern umgegangen werden soll. Die Behörde arbeitet derzeit an einer Vereinbarung mit den Anbietern.

Sollten die Länder die Verordnung für die Roller verabschieden, steht noch deren technische Zulassung durch das Kraftfahrtbundesamt an. In Deutschland gelten strenge Regeln, zum Beispiel was den Bremsweg eines Fahrzeugs oder die Beleuchtung betrifft. Das große Anrollern findet deshalb wohl erst im Sommer statt. Die CSU wünscht sich, dass die E-Roller dann kostenlos in den öffentlichen Verkehrsmitteln mitgenommen werden dürfen. Einen entsprechenden Antrag im Stadtrat hat sie bereits gestellt.