Samuel Lorenz hat es geschafft. Es sitzt bei einem der größten gesellschaftlichen Ereignisse, das München zu bieten hat, im Smoking an einem der elegant gedeckten Tische, direkt auf der Bühne des Nationaltheaters. Es ist Operndinner. Gleich werden die größten Nachwuchstalente der Bayerischen Staatsoper auf die Bühne treten und für die Gäste singen, die viel Geld für einen guten Zweck gezahlt haben, um dabei sein zu können.
Auch Samuel Lorenz ist ein Nachwuchstalent – als Nase, nicht als Stimme. Und am Ende des Abends werden die Damen und Herren mit ihren „Give-away-Tütchen“ seinen Duft mit nach Hause nehmen: eine Kerze, die den „Tegernsee“ verheißt. Komponiert hat den frischen, edlen Geruch der 22-Jährige.

Samuel Lorenz ist einer von wenigen, die in Bayern professionell Düfte produzieren und vermarkten. Das Ehepaar Christian und Ursula Lengling mit einem eigenen Laden am Dom in Münchens Innenstadt gehören ebenso dazu, und auch die Macher von „Acqua di Baviera“. Die Marke wurde 2016 von Christian Schnappinger gegründet.
Samuel Lorenz, den jüngsten im Bunde der heimischen Parfümeure, faszinieren Parfüms seit seiner Kindheit. „Aber als er mit der Idee ankam, es selbst ausgerechnet mit Duftkerzen auf dem Markt zu versuchen“, sagt seine ältere Schwester, die ihn zum Operndinner begleitet hat, „da hat die Familie abgewunken. Die gibt es doch schon zuhauf!“ Heute sei man mächtig stolz auf den Jüngsten, der sich nicht beirren ließ, auf eigene Faust im elterlichen Keller mit der Produktion begonnen und die Firma „Bavarian Relax“ gegründet hat. Das war Ende 2022, da war er gerade mal 19 Jahre alt.
Sein Ziel: Er wollte das Aroma der bayerischen Seen einfangen. Er ist selbst am Starnberger See aufgewachsen und war überzeugt, falls es ihm gelingt, „Landschaften in Duft zu übersetzen“ und wenn ein Parfüm „plötzlich Erinnerungen weckt, an warme Sommertage am See, morgendlichen Nebel über dem Wasser oder einen Spaziergang an der Uferpromenade“, dann würden die Leute seine Produkte lieben. Warum sollte er das nicht hinbekommen? Schließlich sammelte, testete, kombinierte er schon lange Düfte und beschäftigte sich mit deren Charakter, Kompositionen und ihrer „Sillage“, der Spur, die sie in der Luft hinterlassen.

Im November 2022 entwickelte er sein Konzept, das ihm bald solche Erfolge bescherte, „dass ich in der Sommersaison Hilfskräfte engagieren muss, um alle Bestellungen abzuarbeiten“. Er sagt: „Ich wollte die Seen mal anders betrachten. Nicht nur mit den Augen, sondern mit allen Sinnen.“ Wie wirkt das Licht? Welche Pflanzen, Hölzer, Eindrücke prägen den Ort? Aus diesen Eindrücken entstanden Duftskizzen und schließlich konkrete Kompositionen, unter anderem für den Eibsee, Ammersee, Staffelsee, Chiemsee. Der Walchensee etwa „mit seiner mystischen Tiefe und der besonderen Klarheit“ riecht für ihn nach Eschenholz, Weihrauch und süßen Holunderbeeren. Den Tegernsee hat er als Pröbchen seiner Kunst extra fürs Operndinner-Publikum ausgewählt.
Wichtigste Vertriebsorte seiner Raumdüfte, Kissensprays und Kerzen sind heute Bayerns Schlösser. Dank seiner Zusammenarbeit mit der Kulturgut AG, die dort die Museums-Shops speist, sind die Produkte unter anderem in Neuschwanstein, Linderhof und der Residenz München erhältlich. Als Souvenirs der Luxusklasse fungieren auch die Düfte von „Acqua di Baviera“.

Seit 2016 bringt die Firma regelmäßig neue Düfte auf den Markt, als klassische Parfüms für die Haut. Aber zum Repertoire gehören auch Seifen, Raumdüfte, Kerzen. Eine Kooperation mit der Nymphenburger Porzellanmanufaktur hat einen besonders edlen Flakon hervorgebracht, der auf 222 Stück limitiert ist. Der Firmenname erinnert nicht von ungefähr an einen weit berühmteren Konkurrenten auf dem Weltmarkt: „Acqua di Parma“. Die Münchner Gründer verstehen ihre Düfte als Ausdruck einer neuen Parfümkultur aus der „nördlichsten Stadt Italiens“.
„Maison Lengling“ wurde 2014 vom Ehepaar Christian und Ursula Lengling gegründet. Jeden ihrer Flacons ziert ein „Isarkiesel“ aus handpoliertem Metall als Verschluss. Der ist die exakte Nachbildung eines Kieselsteins aus der Isar in München, „unsere Hommage an die Stadt“, sagt Christian Lengling. Ihre Düfte, so erklärt das Paar, spielten mit der perfekten Harmonie der Gegensätze, angelehnt an das asiatische Ying und Yang, und setzten „Leng-Note vs. Ling-Note“. Eine ihrer Kreationen heißt „Eisbach“. Und die „Nase“ im Duo, Ursula Lengling, sagt dazu: „Der Duft ist wie eine unsichtbare Kraftquelle, eine intensive Welle voll Energie und Harmonie, die mich den ganzen Tag trägt.“ Selbst wenn die Vorbild-Welle gerade mal schwächelt.

