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Drohnen:"Wir zählen beim Training nicht die Zeit, sondern die Akkus"

Normalerweise kommen an so einem Trainingstag regelmäßig Passanten und beschweren sich. Zu laut, gefährlich. Solle muss dann erklären, beschwichtigen, aber es nervt ihn. "Einem Freund hat mal in Italien ein Passant die Brille vom Kopf gerissen", sagt Solle. Die führungslose Drohne fiel ins Wasser und war kaputt. Die Aussage des Angreifers: "Sind doch nur 500 Euro." Manchmal holen die Leute auch die Polizei, die sich aber oft auch nicht genau auskennt mit den Regularien (siehe Kasten) und Solle und seine Trainingspartner dann einfach wegschickt.

Die Drohne rast über das Tor, kreischt, dreht sich links um die eigene Achse, dass die Oberseite nach unten schaut, dann zieht Solle den Flieger hoch und beschleunigt, weil er auf dem Kopf steht, macht die Drohne eine Kurve nach unten und fliegt knapp über dem Rasen durch das Tor. Split-S. Noch eine Minute, dann ist der Akku leer. Solle steht still, in seiner Brille rasen Bäume und Sträucher vorbei. Es ist wie bei einem echten Hubschrauberpiloten, nur dass das Bild schlechter ist und man sich verkleinert fühlt, als säße man auf dem Rücken eines Insekts, eines sauschnelen Insekts.

Regularien

Die Regularien zur Nutzung von Drohnen sind 2017 angepasst worden, hier die wichtigsten Grundregeln: Ist eine Drohne schwerer als 250 Gramm, muss sie mit einer Plakette mit Namen und Adresse des Besitzers gekennzeichnet sein. Wer mit einer Brille fliegt wie Solle, braucht eine Person, die ihn beaufsichtigt. Man darf nicht ohne Genehmigung über Privatgrund fliegen, nicht höher als 100 Meter, muss Menschenansammlungen, Flughäfen, Gefängnisse oder Krankenhäuser meiden. Zudem braucht man eine Versicherung und bei Drohnen, die mehr als zwei Kilo wiegen, einen Drohnenführerschein. cro

"Wir zählen beim Training nicht die Zeit, sondern die Akkus", sagt Solle. Bis zu 60 Akkus verfliegt er in einem intensiven Training, das sind jeweils eineinhalb Minuten Flugzeit. In der Drohne sind zwei Kameras, die für das Live-Bild des Piloten und eine, deren hochauflösende Bilder später ausgewertet werden. Wie bei jeder technischen Trendsportart aus den USA geht es vor allem um die mediale Verwertung.

Eine Frau kommt zu Solle und seinem Trainingspartner, Solle landet die Drohne und nimmt die Brille ab, eine Mitarbeiterin der Parkverwaltung erkundigt sich freundlich, was die beiden Männer da machen. Später werden Solle und sein Kompagnon gebeten, den Englischen Garten zu verlassen. Höflich. Das ist eine Ausnahme.

Solle wird weiter trainieren, für die perfekte Linie. "Der kanadische Weltmeister Jordan Temkin, Doktor der Physik, hat das perfektioniert." Die richtige Linie ist das Eine, ruhig bleiben bei vielen Zuschauern das andere, und zuletzt auch die Renntaktik. "Wenn ich in meinem Heat gegen einen fliege, von dem ich weiß, dass er sehr risikoreich fliegt und am Start stark ist, lasse ich es am Start vielleicht langsamer angehen in der Hoffnung, dass er auf der Strecke einen Fehler macht." So etwas gehört auch dazu. Sich zu überlegen, wo man überholt, welche Linie man fliegt. Ein bisschen wie in der Formel 1, nur in 3D.

Solle hat einige Akkus verflogen, sein Kompagnon auch, sie haben Hunde-Pausen gemacht, weil frei laufende Hunde immer ihre Drohnen angreifen würden. Solle packt ein, Passanten schauen zu. "Mittlerweile sagen auch immer mehr Leute: Ach, das kenne ich aus dem Fernsehen." Vielleicht sagen sie auch irgendwann: Ach, Sie kenne ich aus dem Fernsehen.

Fotografie Wie im Flug Bilder

Reisefotografie

Wie im Flug

Eine Frage der Perspektive: Bei den Drone Awards werden die besten Reisefotos ausgezeichnet, die mit Drohnen aufgenommen wurden. Das sind die Gewinner.