Drohnen steigen auf! Je nachdem, wo man lebt und was man erlebt hat, löst dieser Satz Angst aus, technische Begeisterung oder Vorfreude. In Zeiten, in denen Kriege verstärkt mit Drohnen geführt werden, könnte der Einsatz der unbemannten Flugobjekte im Unterhaltungssektor durchaus Bedenken hervorrufen. „Wir verstehen, dass dieses Thema sensibel ist“, erklären die Macher der „DroneArt Show“, die Event-Veranstalter „Fever“, „unser Fokus liegt jedoch klar auf dem positiven Potenzial dieser Technologie: als Medium für Kreativität, Storytelling und gemeinschaftliche kulturelle Erlebnisse“.
Das US-amerikanische Unternehmen organisiert weltweit Spektakel wie „Candlelight-Konzerte“, immersive Ausstellungen („Titanic“, „Van Gogh“), interaktives Theater, Molekular-Cocktail-Pop-ups und eben Drohnen-Shows. Mit denen will man von Los Angeles bis Paris schon eine halbe Million Besucher in Staunen versetzt haben. „Unser Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen und zu zeigen, wie Innovation auf inspirierende und sinnstiftende Weise eingesetzt werden kann.“
Es kommt also natürlich darauf an, wer Drohnen nutzt und wie. Als Drohnen vor ein paar Jahren immer erschwinglicher wurden, nutzten sie Privatleute gerne als Spielzeug und fliegende Kameras, was in der Nähe von Flugplätzen und Nachbargrundstücken großes Konfliktpotenzial birgt. Seit die Minihubschrauber sich von Computern zentimetergenau mithilfe hochpräziser GPS-Systeme in Formation fliegen lassen, werden sie bei Großveranstaltungen gerne als Hingucker am Nachthimmel eingesetzt.
Auch in München: Tollwood ließ schon 2023 150 fliegende Lämpchen tanzen, beim „Sommernachtstraum“ 2025 im Olympiapark mischten sich 50 Drohnen ins Feuerwerk, M-Net nutzte 150 Drohnen für eine Werbeaktion über der Isar – aber der bisherige Höhepunkt war der Schwarm von 500 Flugobjekten bei der München-Premiere der „DroneArt Show“ im August 2025: Die malten ganz ohne Feinstaub bewegte Bilder von Tieren und Blumen und Muster in den Himmel über der Galopprennbahn Riem, begleitet von einem Streichquartett, 20000 LED-Kerzen und den „Ooohs“ und „Aaaahs“ der zahlreichen Besucher, wie der SZ-Reporter damals beobachtete.

Diesmal soll es noch spektakulärer werden: 1200 Drohnen werden als Leuchtpunkte aufsteigen. Das mag verglichen mit den Mega-Pixeln eines Handybildschirms gering erscheinen, aber man bedenke: Unter günstigen Dunkelbedingungen kann das menschliche Auge am Nachthimmel lediglich 2500 Sterne wahrnehmen. Und die tanzen nicht, zeigen keine Bilder von Hirschen oder Schwalben, und das schon gar nicht dreidimensional in Bewegung. Wüsste man’s nicht besser, man würde an einen Besuch von Außerirdischen glauben.
In der neuen, 65-minütigen Show werden für das diesjährige dreitägige Gastspiel 15 Minuten der Animation neu gestaltet. Auch musikalisch wird nachgelegt, der Sound kommt wieder nicht vom Band, sondern wird ausschließlich von einem Streichquartett live gespielt: raus aus dem Konzertsaal, hin auf die Picknickdecken und die Tribüne. Zu hören gibt es wieder Werke von Vivaldi („Vier Jahreszeiten“), Debussy, Mussorgsky, Saint-Saëns und Tschaikowsky („Schwanensee“).
Neu dabei ist laut Veranstalter „Flight of the Bumblebee“, hierzulande bekannter als Rimski-Korsakows „Hummelflug“. Das summt und passt thematisch genauso gut wie das zweite neue Stück, „The Sorcerer’s Apprentice“ (der Zauberlehrling) des Franzosen Paul Dukas, bekannt geworden im Disney-Film „Fantasia“. Der war 1940 ein Pionier des Musik-Trickfilms, so wie Drohnen nun eine neue Kunstform begründen: Die synchronisierten Fluggeräte „übersetzen Musik in leuchtende Bilder, abstraktere Formen und poetische Choreografien“, schreibt die Agentur Fever, „Musik wird sichtbar, Licht wird erzählerisch, Technologie wird emotional“.

Obwohl immer leistungsstärker, haben die Minihelikopter natürlich ihre Grenzen bezüglich der äußeren Bedingungen. „Die Veranstaltung ist für normale Wetterbedingungen im Freien ausgelegt, wobei die Sicherheit stets oberste Priorität hat“, sagt der Veranstalter. Die Vorstellungen könnten bei leichtem Regen stattfinden; bei widrigem Wetter wie starkem Wind oder heftigem Regen müsse die Show jedoch verschoben werden, um die Sicherheit sowohl des Publikums als auch der Technik zu gewährleisten. Die Bedingungen würden „in Echtzeit genau überwacht, und Entscheidungen werden gemäß strengen Betriebs- und Sicherheitsrichtlinien getroffen“.
An jedem der drei Abende erwartet der Veranstalter etwa 3000 Gäste, die dürfen schon zwei Stunden vor Show-Beginn auf das Gelände der Galopprennbahn, es gebe ein ausgewähltes Angebot an Speisen und Getränken. Tickets starten bei 28 Euro und werden ausschließlich über die Internetseite von Fever (feverup.com) verkauft. Die Gäste können zwischen normalen Sitzplätzen, Premium-Tribünen-Sitzen und Picknick-Plätzen wählen, auch ein „Drone & Dine“ ist im Angebot, wobei zur Show eine Hauptspeise (etwa Rindertatar auf Bauernbrot mit Kartoffelsuppe) und als Dessert eine Bayrisch Creme mit Beerenspiegel angeboten wird.

