Drogen-Kriminalität Kein Ertrag, aber maximales Risiko

In Bananenkisten wurden die Drogen von Ecuador nach München geschafft.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Staatsanwaltschaft wirft drei Männern bandenmäßigen unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor.
  • Sie sollen zur Westbalkan-Mafia gehören und an Einbrüchen in der Oberländerstraße gegenüber der Münchner Großmarkthalle beteiligt gewesen sein. Insgesamt sollen in Bananenkisten 185 Kilo Kokain versteckt gewesen sein.
  • Die drei Männer, die nun vor Gericht stehen, haben es jedoch nicht gefunden.
Von Martin Bernstein

Es ist der 24. März 2018 zwischen 1.23 Uhr und 2.16 Uhr nachts. Ein Samstag. An der Oberländerstraße gegenüber der Münchner Großmarkthalle parkt ein Opel Vivaro mit Hamburger Kennzeichen. Mehrere Männer machen sich an den Toren eines großen Gebäudes zu schaffen. In der Reifehalle bekommen grün angelieferte Bananen durch Wärme und Begasung ihre gelbe Farbe.

Doch die Einbrecher haben es nicht auf die süßen Südfrüchte abgesehen, sondern auf das, was Komplizen im fernen Ecuador in den Bananenkisten versteckt haben: 185 Kilo Kokain mit einem vermuteten Wirkstoffgehalt von mindestens 80 Prozent. Über den Hamburger Hafen ist das Rauschgift nach Deutschland geschmuggelt und dann mit den Bananen auf Reifehallen im gesamten Bundesgebiet verteilt worden.

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Jetzt wollen die überwiegend aus Albanien stammenden Männer das Kokain wieder in ihren Besitz und dann zum Weiterverkauf nach Holland bringen. Doch in der 7450 Quadratmeter großen Halle an der Oberländerstraße scheitern sie. Sie finden das Rauschgift nicht. Kein Ertrag, dafür maximales Risiko. Was die Einbrecher nämlich nicht wissen: Fahnder begleiten fast jeden ihrer Schritte. Ihre Telefone werden abgehört, ihre Treffen werden observiert. Drei Wochen später wird die Bande auffliegen.

Drei Männer, die an der Tat vom 24. März vergangenen Jahres beteiligt gewesen sein sollen, stehen von Dienstag an vor dem Landgericht an der Nymphenburger Straße. Die Staatsanwaltschaft Landshut wirft ihnen bandenmäßigen unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor. Die Bande, das haben Ermittler deutlich gemacht, wird der albanisch dominierten Westbalkan-Mafia zugerechnet.

Über diesen Zweig des organisierten Verbrechens sagt Kriminaldirektor Jörg Beyser vom Bayerischen Landeskriminalamt: "Diese Leute sind bekannt dafür, dass sie eine relativ geringe Hemmschwelle gegenüber Gewaltanwendungen haben." Laut dem aktuellen Lagebild des Bundeskriminalamts rangiert die albanische Mafia deutschlandweit hinter einheimischen und türkischen Gruppierungen auf Rang drei im Rauschgiftgeschäft, noch vor der italienischen Konkurrenz.

Der Einbruch in München und die Kokainfunde, die rund 500 Ermittler unter Federführung des Landeskriminalamts (LKA) in München und der Staatsanwaltschaft Landshut an mehreren Orten in Deutschland in den Jahren 2017 und 2018 machen, sind Teil eines die halbe Welt umspannenden kriminellen Plans. In Ecuador wurden die Kokainpakete in den Obstkisten versteckt. Mit Schiffen, die Hunderte Tonnen Bananen geladen haben, wurde das Rauschgift in den Hamburger Hafen gebracht.

Von dort gelangten die Bananenkisten per Lkw in Reifereien in ganz Deutschland. In sieben dieser Hallen brachen die Gangster ein, um das Kokain wieder an sich zu bringen. Ein Überwachungsvideo zeigt, dass die Täter genau zu wissen glaubten, an welcher Stelle sie nach welchen Kisten suchen mussten. Vom Handy lasen sie die Palettennummern ab. Manchmal langten sie dabei freilich daneben. Wie - zunächst - Ende März in der Oberländerstraße.