Dritte Startbahn:Wer zu schnell ist, wird bestraft

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Flughafen München

Ein Flugzeug startet am Flughafen in München.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die Befürworter einer dritten Startbahn übersehen eines: Es reicht nicht, einen Bürgerentscheid zu organisieren, man muss ihn auch gewinnen. Und das ist im Moment nicht abzusehen.

Kommentar von Dominik Hutter

Es gilt, eine wichtige Frage zu klären: Wollen die Münchner doch noch eine dritte Startbahn, oder bleiben sie bei ihrem Nein? Geht es nach der CSU, soll nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts alles sehr schnell gehen: neuer Bürgerentscheid in München, Beschluss der Gesellschafterversammlung, Baubeginn. In ihrem Eifer übersehen die Startbahnbefürworter einen wichtigen Aspekt: Es reicht nicht, einen Entscheid zu organisieren, man muss ihn auch gewinnen. Das ist in Zeiten der Wachstumsskepsis alles andere als gewiss. Sicher ist dagegen, dass nach einem zweiten Nein der Flughafenausbau auf längere Sicht blockiert wäre.

Zwar lässt sich nicht abstreiten, dass bei Bürgerentscheiden mit geringer Wahlbeteiligung (beim Entscheid vor drei Jahren waren es 32,7 Prozent) stets auch der Zufall mitspielt - letztlich haben nur 180 000 Münchner das Schicksal der Piste besiegelt. Auf den Zufall aber ist bekanntlich kein Verlass; wer eine Abstimmung gewinnen will, muss Argumente liefern. Die sind bislang noch reichlich abstrakt: Wirtschaftsstandort Bayern, Arbeitsplätze, Wohlstand.

Das ist sicherlich nicht falsch. Aber für einen Bürgerentscheid, dem ja idealerweise eine öffentliche Debatte vorausgeht, ist das nicht griffig genug. Griffig wäre: Der Flughafen platzt aus allen Nähten, die Maschinen müssen Warteschleifen fliegen, und neue Langstreckenziele für reiselustige Münchner können mangels Kapazität auch nicht mehr angeboten werden. Das aber geben die Zahlen längst nicht her. 1,1 Prozent mehr Starts und Landungen im ersten Halbjahr - und trotzdem noch deutlich weniger als 2008. Damals ging es doch auch, werden viele Leute sagen - und mit Nein abstimmen.

Ein übers Knie gebrochener Bürgerentscheid wäre für die Startbahn-Anhänger deshalb ein hochriskanter Schritt. Läuft alles in dem Tempo, wie es sich Ministerpräsident Horst Seehofer wünscht, können die Ausbaugegner sich freuen.

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