Ein Abend mit Dorothee Oberlinger und Matthias BrandtMit der Blockflöte auf dem Weg zur Krippe

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Dorothee Oberlinger lässt ihre Blockflöte zwitschern.
Dorothee Oberlinger lässt ihre Blockflöte zwitschern. (Foto: Henning Ross)

Adventskonzert mit Lesung: Die Flötistin Dorothee Oberlinger und der Schauspieler Matthias Brandt stimmen ihr Publikum im Prinzregententheater auf das Fest ein.

Kritik von Paul Schäufele

Es braucht schon einen gewissen Grad an Professionalität, um einen Satz wie „Sucht das Kindl in der Windel“ ohne zuckende Mundwinkel vorzutragen. Um ihn wertvoll und schön zu machen, braucht es einen Sprecher wie Matthias Brandt. Im Prinzregententheater liest der Schauspieler aus adventlichen Texten und ist dabei doch nur ein Teil einer Pastorale, einem literarisch-musikalischen Abend für die Hirten. Deshalb darf hier auch ein Instrument glänzen, das sonst auf den Konzertbühnen ein Schattendasein fristet – die Blockflöte, die niemand besser spielt als Dorothee Oberlinger.

Die „Königin der Blockflöte“ hat man sie genannt. Wahr ist daran nur, dass Oberlingers Spiel so selbstverständlich souverän ist, dass es einen Konzertsaal zu Jubel animiert, etwa nach einem fulminant gezwitscherten Vivaldi-Konzert (RV 443) mit fingerbrecherischen Spielfiguren. Doch eigentlich bezieht Oberlingers Musik Lebendigkeit ganz demokratisch aus dem gemeinsamen Agieren mit ihrem Originalklang-Orchester Ensemble 1700.

Genau artikuliert und mit Freude am konzertierenden Hin und Her werfen sich Oberlinger, ihre fantastisch begabte Mit-Flötistin Elisabeth Wirth und das Ensemble muntere Triller zu. So wird in Corellis „Weihnachtskonzert“ klar, dass für die Blockflöte dasselbe gilt wie für alle anderen Instrumente: Wenn eine Meisterin es in die Hand nimmt, kommt es zum klanglichen Ereignis, gebaut auf feinsinniger Tempo-Gestaltung und Gesanglichkeit.

Das Finale des Corelli-Konzerts wartet mit einem Effekt auf. Da treten drei Männer mit kuriosem Gepäck durch die Seitentür. Quäkende, nicht eben eingängige, aber charakteristische Klänge beleben den Satz. Es sind die Töne der Sackpfeifen, die die Gruppe „Li piffari e le muse“ mitgebracht hat. Das italienische Ensemble widmet sich der Tradition der Pifferari, der Hirten aus dem römischen Umland, die zur Weihnachtszeit in die Stadt zogen, um sich so Brot und Wein zu verdienen. Matthias Brandt erklärt das in einem seiner Intermezzi, legt dann aber bald wieder die Hände in den Schoß, um dem musikalischen Geschehen zu folgen.

Matthias Brandt las aus adventlichen Texten.
Matthias Brandt las aus adventlichen Texten. (Foto: Jan Düfelsiek)

Zum Beispiel Alessandro Scarlattis Weihnachtskantate „O di Betlemme altera povertà“. Denn neben dem Erzähler Brandt und den instrumental Musizierenden hat sich Dorothee Oberlinger eine Sängerin eingeladen. Die Sopranistin Dorothee Mields, die einmal mehr zeigt, warum sie zu den gefragtesten Figuren der Alte-Musik-Szene gehört, mit blühender, temperamentvoll eingesetzter Stimme. Noch leidenschaftlicher wird es nur in dem Lobgesang „L’unico figlio“ von Francisco Soto de Langa, zu dem die Drehleier ihren rustikalen Ton beisteuern darf.

Zwei Zugaben erklatscht sich das Publikum, voller Enthusiasmus für eine Klangerfahrung, die raffinierte Flötenkonzerte mit deftiger Dorfmusik verbunden hat – und für eine an Originalität kaum zu überbietende Einstimmung aufs Fest.

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