Doppelmord in Krailling:Staatsanwältin will Thomas S. rasch anklagen

Neue DNS-Spuren lassen für die Ermittler kaum noch Zweifel daran, dass der Verdächtige seine beiden Nichten aus Krailling ermordet hat. Die Anklage soll möglichst bald erhoben werden.

Christian Deussing

Die Staatsanwaltschaft München ist überzeugt davon, dass der 50-jährige Thomas S. aus Peißenberg der Mörder der beiden Kraillinger Mädchen ist. Oberstaatsanwältin Andrea Titz kündigte im Gespräch mit der SZ an, möglichst bald Anklage gegen ihn wegen zweifachen Mordes zu erheben. Grundlage sind neue Spuren, die den Onkel der acht- und elfjährigen Kinder schwer belasten.

Mord an Maedchen im oberbayerischen Krailling

Trauer in Krailling: Die Bewohner des Ortes haben Blumen und Kerzen vor dem Haus der getöteten Mädchen niedergelegt.

(Foto: dapd)

DNS-Spuren sind nicht nur an einem Steakmesser, einer Kurzhantelstange und womöglich einem Springseil gefunden worden, sondern nach SZ-Informationen auch einem Ohr des jüngeren Mädchens. Bei zumindest einem der Opfer sollen Hautpartikel des Verdächtigen unter den Fingernägeln gesichert und ausgewertet worden sein.

Am frühen Morgen des 24. März waren die achtjährige Chiara und ihre drei Jahre ältere Schwester Sharon ermordet in der Wohnung ihrer Mutter aufgefunden worden. Nach intensiven Ermittlungen einer Sonderkommission (Soko Margarete) nahm die Polizei acht Tage später den Onkel als dringend tatverdächtig fest. Bislang sicherte die Soko, in der mittlerweile noch 15 Beamte arbeiten, 825 Spuren, sie beschlagnahmte mehr als 200 Gegenstände. Dazu gehört auch eine Taschenlampe, die Thomas S. zum Tatort nach Krailling mitgenommen haben könnte.

Zudem wurden im Umfeld des Tatorts und am nahen Ufer der Würm auch Bodenproben gesammelt. Diese sollen mit Resten verglichen werden, die die Ermittler an den Schuhsohlen des mutmaßlichen Täters gesichert hatten. Nach dem Doppelmord war auch eine Überwachungskamera einer Villa unweit des Tatortes abmontiert worden, um Gehwegbilder auszuwerten.

Unklar bleibt das Motiv für das Verbrechen, weil der dringend tatverdächtige Familienvater weiterhin schweigt. Zu seinem Anwalt soll der in Untersuchungshaft sitzende Thomas S. angesichts der belastenden DNS-Spuren gesagt haben: Er habe "jetzt sechs Monate Zeit, dass alles zu erklären". Der Münchner Pflichtverteidiger des 50-Jährigen, Karl Peter Lachniet, ist bemüht, zumindest zu entkräften, dass sein Mandant heimtückisch gemordet haben könnte.

"Kein professioneller, durchdachter Plan"

Die genetische Spuren an der Leiche des achtjährigen Mädchens will der Anwalt noch einmal überprüfen lassen. Zudem sei für ihn der mögliche Tatablauf "noch sehr merkwürdig und unlogisch". Er sehe "keinen professionellen, durchdachten Plan" für das Verbrechen. Denn offenbar habe der Täter zwar eine Taschenlampe, aber keine Mordwaffen an den Tatort mitgebracht.

Erst in der Wohnung habe er dann zu einem Steakmesser und einer Hantelstange gegriffen. Auch im angeblichen Streit um eine Immobilie sieht der Verteidiger keinen glaubhaften Grund, eine derartige Tat zu begehen.

Ob Thomas S. bald sein Schweigen bei den Vernehmungen brechen wird, ist ungewiss. Der Postzusteller aus Peißenberg wird in den kommenden Wochen psychiatrisch untersucht.

© SZ vom 19.04.2011/sonn
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