Doppelmord in Krailling:Anklage gegen Thomas S. erhoben

Fünf Monate nach dem Doppelmord an den beiden Schwestern Sharon und Chiara hat die Staatsanwaltschaft München nun Anklage gegen ihren Onkel Thomas S. erhoben. Er soll die elf und acht Jahre alten Mädchen heimtückisch und aus Habgier ermordet haben.

Christian Deussing

Fünf Monate nach seiner Verhaftung in Peißenberg hat die Münchner Staatsanwaltschaft gegen den 50-jährigen Familienvater Thomas S. Anklage wegen Doppelmordes beim Landgericht München II erhoben. Dem Mann wird vorgeworfen, aus Habgier heimtückisch seine elf und acht Jahre alten Nichten Sharon und Chiara in der Nacht zum 24. März in Krailling getötet zu haben. Die 86 Seiten lange Anklageschrift ist dem Münchner Wahlpflichtverteidiger von Thomas S. zugestellt worden.

Krailling Doppelmord Verschlusssiegel

Versiegelter Tatort: In dem Haus in Krailling wurden die zwei Schwestern ermordet.

(Foto: Georgine Treybal)

Der dringend tatverdächtige Peißenberger hat weiterhin kein Geständnis ablegt. Es wird daher mit einem Indizienprozess gerechnet, der voraussichtlich im Februar nächsten Jahres beginnen wird. In einer ersten Reaktion auf die Anklage gegen seinen Mandanten sagte Anwalt Adam Ahmed am Donnerstag auf Anfrage der SZ, dass er die "Beweislage" genau prüfen werde - zum Beispiel auch, ob die angeführten Motive "stichhaltig" sind. Nun, so Ahmed, könne er die Zeugenaussagen prüfen, vor allem die Schilderungen der inzwischen geschiedenen Ehefrau von Thomas S. Deren Aussagen dürften eine "bedeutsame Rolle" in dem Prozess spielen, glaubt der Verteidiger.

Wie berichtet, war der Onkel der getöteten Geschwister ins Visier der Ermittler geraten, weil DNS-Spuren von ihm an den Leichen der Mädchen sowie an den mutmaßlichen Tatwaffen - einer Hantelstange, einem Messer und einem mitgebrachten Seil - entdeckt worden waren. Thomas S. hatte sich zuvor längere Zeit mit seiner Schwägerin um eine geerbte Kraillinger Wohnung gestritten. Die Mutter der Opfer hatte der Täter in der Nacht nicht angetroffen. Zudem soll sich der Postbote beim Hausbau übernommen haben - es drohte die Zwangsversteigerung des Anwesens in dem Peißenberger Neubaugebiet, in dem er mit seiner 44-jährigen Ehefrau und vier gemeinsamen Kindern gelebt hatte.

Ehefrau Ursula S. hatte sich am 22. Juli in einem Schnellverfahren am Amtsgericht Weilheim von Thomas S. scheiden lassen. Die gelernte Erzieherin ist überzeugt davon, dass ihr Ex-Mann die Kinder umgebracht hat. Der Tatverdacht sei für sie der Grund gewesen, warum sie nicht länger mit Thomas S. verheiratet sein konnte, sagte ihr Anwalt nach dem Scheidungstermin. Gegen die Trennung hat der mutmaßliche Doppelmörder Beschwerde eingelegt. In dem Kraillinger Mordfall hatte eine Sonderkommission knapp 900 Spuren gesichert und mehr als 200 Zeugen vernommen.

© SZ vom 02.09.2011
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