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Dokumentarfilm:Lass Vegas in dein Herz

Wie so vieles in Bayern kam auch die Idee zu "Ausgrissn!" am Stammtisch: Die Brüder Wittmann machten sich auf den Weg in die berühmteste Zockerstadt der Welt - die Kamera immer dabei.

Von Josef Grübl

In Lederhosen auf dem Mofa über die Manhattan Bridge in New York: die Brüder Thomas und Julian Wittmann.

(Foto: Markus J. Schindler/Majestic Sunseitn)

Am Anfang sagt ein Stammtischbruder, was sich auch der Zuschauer denkt: "Können die jungen Leute nicht mal wieder richtige Filme machen?" Unter "richtigen Filmen" versteht er Spielfilme, nicht die ewig gleichen Reisedokus, in denen junge oder nicht mehr ganz so junge Menschen um die Welt reisen und sich dabei abfilmen (lassen). Diese Filme heißen Weit, Besser Welt als nie oder Nur die Füße tun mir leid, mal sind die Protagonisten zu Fuß unterwegs, mal per Rad oder im Instagram-tauglichen VW-Bus.

Auch Thomas und Julian Wittmann gingen auf Reisen und machten darüber einen Film. Das Ergebnis heißt Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas und soll bereits im Titel unterstreichen, worin man sich von anderen Reisedokus unterscheidet: Die Brüder sprechen bairisch, tragen Tracht und haben sich als Ziel die berühmteste Zockerstadt der Welt ausgesucht, als größtmöglichen Kontrast zum Dorf im Isental, aus dem sie stammen. Nicht mehr in den Titel gepasst hat der Zusatz, dass sie auf Mopeds unterwegs waren. Ursprünglich wollten sie Bulldog fahren, das wäre aber zu kompliziert geworden. Und dann gibt es noch die gespielte Rahmenhandlung im Wirtshaus, wo die Dorfbewohner auf die Filmvorführung warten und die Brüder einer Klofrau, verkörpert von Monika Gruber, vorab von ihren Erlebnissen erzählen. Eine etwas undankbare Rolle für die Kabarettistin, darf sie doch nur kommentieren, was man ohnehin sieht: "Eure Reise, die war ja wirklich verrückt."

Insgesamt wird ein bisschen zu oft betont, was für Teufelskerle die Brüder sind - und was für Deppen die Daheimgebliebenen, die immer nur dasselbe machen. Der Film läuft in vielen bayerischen Kinos an, es wurde sogar ein neues Kino-Label namens "Sunseitn" (Majestic) für ihn gegründet: Ob die Wittmanns damit auf der Sonnenseite des Lebens stehen, entscheiden jetzt die Zuschauer.

Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas, Regie: Julian Wittmann

© SZ vom 12.08.2020

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