Ein Vater kündigt seine Arbeitsstelle, um seinen schwerbehinderten Sohn zu pflegen. Eine 24-Stunden-Pflegerin lässt ihre Tochter in Polen zurück, um sich in Deutschland und der Schweiz um Senioren zu kümmern. Ein vom Hals abwärts gelähmter Rollstuhlfahrer aus München will Freunde als seine Assistenten engagieren und ein inklusives Wohnprojekt gründen. Eine Klimaaktivistin aus Peru macht auf die Folgen der Erderwärmung bei uns und in ihrer Heimatstadt aufmerksam.
Diese vier Protagonisten stehen im Zentrum des Dokumentarfilms „Die zärtliche Revolution“, der am 11. August Premiere hat. Die Münchner Filmemacherin Annelie Boroș zeigt Menschen, die auf Pflege und Fürsorge angewiesen sind, die in der Öffentlichkeit aber kaum wahrgenommen oder gar wertgeschätzt werden. Sie erzählt auch von einem persönlichen Verlust: Während der Recherche erfuhr sie, dass ihre Mitbewohnerin sich das Leben genommen hatte. „Wie hätte die Welt für dich sein müssen, damit du es nicht als einzigen Ausweg gesehen hättest, von ihr zu verschwinden?“, fragt sie einmal.
Überhaupt werden viele Fragen gestellt in diesem Film. So etwa denkt der Mann im Rollstuhl laut darüber nach, warum in unserer Welt das Wachstum der Wirtschaft und nicht die Pflege unserer Beziehungen die größte Wertschätzung erfährt. Oder fragt sich die Pflegerin, warum sie „den schönsten Beruf überhaupt“ mache und sich trotzdem zu so vielen Sachen gezwungen fühle. Die HFF-Absolventin Boroș schaut genau hin und lässt die Menschen zu Wort kommen, konkrete Lösungsvorschläge hat sie nicht. Dafür bräuchte es wohl noch mehr als die titelgebende Revolution.
Die zärtliche Revolution, D 2024, Regie: Annelie Boroș, Premiere und Filmgespräch am Montag, 11. August, 20 Uhr, Rio Filmpalast, Rosenheimer Straße 46; bundesweiter Kinostart am 14. August

