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Dokumentarfilm:Das Glück ist ein Wanderschuh

In "New York - Die Welt vor Deinen Füßen" läuft ein Mann durch die Metropole.

Matt Green kann endlos lange über Namen von Friseursalons reden. Oder den ältesten Baum New Yorks. Oder über die Katzen, auf die er aufpasst. Dazu kommt er so: Matt Green läuft durch jede Straße seiner Heimatstadt New York. Durch alle Parks, Friedhöfe und an allen Flussufern entlang. Über 9000 Meilen hat er schon geschafft. Dafür hat er seinen Job aufgegeben, seine Beziehung und gar seine Wohnung. Stattdessen also übernachtet er bei Freunden und lebt von 15 Dollar am Tag.

Was irgendwie bemitleidenswert klingt, ist für Matt Green Erfüllung. So zumindest klingt es im Film New York - Die Welt vor Deinen Füßen des Dokumentarfilmers Jeremy Workman. Mit wackliger Handykamera gedreht, sieht man Matt Green darin tapfer durch New York als Eiswüste stolpern, begeistert ein gefundenes Fahrrad Probe fahren, Blumen fotografieren. Vor allem aber sieht man ihn andere Menschen treffen. In teils urkomischen Situationen erklärt er ihnen geduldig sein wahnwitziges Vorhaben. Dazu sagt er: "Eine Stadt ist wie ein Mensch. Je mehr man sie kennt, desto interessanter wird sie."

Es ist ein leiser Film über die Schönheit im vermeintlich Einfachen, es ist eine Übung in Minimalismus und eine Liebeserklärung an New York City. Vor allem aber zeigt dieser Dokumentarfilm einmal mehr, dass Zeit das wohl wertvollste Gut des menschlichen Lebens ist. Seit acht Jahren nun schon läuft Matt Green die Straßen der Millionenmetropole ab. Und obwohl der Film über dieses Projekt bereits fertig ist, hat er es noch immer nicht beendet. Im Gegenteil: Er geht einfach immer weiter. Es scheint so, als würde er gar nicht wollen, dass es eines Tages beendet sein wird.

New York - Die Welt vor Deinen Füßen, Regie: Jeremy Workman, läuft in mehreren Kinos

© SZ vom 12.03.2020

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