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Dokufilm:Mit Bergen groß auf Tour

Beim "Alpenfilmfestival" stehen majestätische Gipfel, tiefe Schluchten und verschneite Täler im Vordergrund

Von Josef Grübl

Auffi muaß i! Wenn der Berg ruft, gibt es kein Halten mehr: Da wird auf Teufel komm raus losgekraxelt, ohne Rücksicht auf Verluste, der geneigte Gipfelstürmer weiß das spätestens seit dem Watzmann-Abenteuer von Ambros und Konsorten. Wagemut und Weitblick sind auch im Kino eine gern genommene Kombination, das bewährte sich bereits in den Bergfilmen von Luis Trenker und Arnold Fanck, daran hat sich auch Jahrzehnte später bei Hollywood-Ware á la Everest nichts geändert. Die spannenderen, weil lebensnäheren Alpinabenteuer hervorgebracht haben aber zuletzt Dokumentarfilmer, wie man an Kinohits wie Free Solo, Cerro Torre oder Sturz ins Leere sehen kann.

Insofern ist die Idee eines Alpenfilmfestivals eine sehr gute, auch wenn man den Titel dieser neuen Veranstaltung nicht allzu wörtlich nehmen sollte: Wo Alpenfilm draufsteht, sind nicht unbedingt nur Alpenfilme drin. Auch die Bezeichnung "Festival" ist etwas ambitioniert geraten für einen Filmabend, an dem gerade einmal fünf Kurzfilme gezeigt werden. Dafür aber geht dieses circa 100-minütige Filmprogramm mit Bergen auf Tournee: Bis in den November hinein wird es in Freiluftkinos, Freibädern, Autokinos oder regulären Kinos gezeigt, in Augsburg, Salzburg, Bozen, Penzberg oder Chemnitz. Auch München steht auf dem Tourplan - und zwar gleich dreimal: Am Donnerstag, 10. Juni, macht das Alpenfilmfestival hier erstmals Station, bei der Open-Air-Veranstaltung "Kino am Olympiasee". Weitere Termine sind am 28. Juli und 23. August angesetzt. Moderatorin ist die Freestyle-Skifahrerin Caja Schöpf, die fünf Filme führen in die Alpen, nach Patagonien, ins Monument Valley oder in die unendlichen Weiten der Arktis. Dort hat der bayerische Naturfilmer Rolf Steinmann Moschusochsen mit der Kamera begleitet, bei Temperaturen von minus vierzig Grad. Die Bilder seines Films In Between sind von archaischer Schönheit. Mindestens ebenso imposant erscheint das Vorhaben des Münchner Slackline-Sportlers Niklas Winter: Er balanciert in dem Film Building Bridges auf einem schmalen Band zwischen zwei Heißluftballons über dem Monument Valley. Und weil sein Vorhaben so waghalsig ist, verraten die Filmemacher im dazugehörigen Making-Of-Film, wie das Projekt zustande kam.

Bei allen Filmen stehen die Schauwerte im Vordergrund, majestätische Berggipfel, tiefe Schluchten, verschneite Täler. Auch in der Doku über den Bergsteiger und Unternehmer Hermann Huber gibt es viel zu sehen: Der gebürtige Münchner entwickelte Ausrüstungsartikel für Bergsteiger und testete diese bei seinen zahlreichen Klettertouren selbst aus. Letzten Sommer ist Huber 90 Jahre alt geworden, seine Begeisterung für die Berge hat er sich bis ins hohe Alter bewahrt.

Alpenfilmfestival, Do., 10. Juni, 21.15 Uhr, Kino am Olympiasee, Coubertinplatz 1, Tickets: kinoamolympiasee.de

© SZ vom 10.06.2021
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